Archiv des Monats: August 2013

Tag vier und fünf auf Isabela oder wer denken kann…….

Gestern habe ich an einer Tintoreras-Tour teilgenommen. Man fährt mit einer Gruppe in einem kleinen Boot auf ein vorgelagertes Felsenriff. Dort konnte geschnorchelt werden, während sich die anderen Wasserschildkröten anschauen konnten, habe ich in aller Ausführlichkeit Krebse beobachtet….. 🙂

IMG_0589IMG_0593Später ging es auf einen spannenden Rundgang an Land. Die Leguane sind eigentlich Einzelgänger, versammeln sich aber zur Nacht an warmen Stellen. Auf Tintoreras gibt es Plätze, an denen hunderte Leguane dicht an dicht, unter- und übereinander liegen. Manchmal sieht man sie erst, wenn man kurz vor ihnen steht – sie haben auf der Lava die perfekte Tarnfarbe. Liebe Beate, hier wechselt nichts die Farbe, und ich übrigens auch nicht – dank oft bedecktem Himmel und Lichtschutzfaktor 50 😀

IMG_0608IMG_0601Ist das ein Kanarienvogel? Ich hab die Führerin so verstanden, aber was macht ein Kanarienvogel auf den Galapagos? Claudia, helf mal, du kennst dich doch aus!IMG_0615Robben dagegen erkenne ich selber, und die sieht man hier ganz viel, nicht nur auf Bänken.IMG_0597In diesem natürlichen Becken schwimmen ganz viele junge Weißspitzenhaie. Ich geb zu, auf dem Foto sieht man eigentlich nichts, ich hab sie aber gesehen, ich schwöre! 😉IMG_0621Und das, liebes Schwesterchen, sind die Blaufußtölpel, die ich dir versprochen habe …..  die Füße sind eindeutig blau ( hellhimmelblau ).IMG_0635IMG_0631Das Boot hat ziemlich gewackelt, ich hab sie leider nicht besser erwischt.

Die Tour war so schön! Aber inzwischen hab ich fast alles gemacht, was man hier so machen kann, und gestern abend habe ich mir überlegt, dass es wenig Sinn macht, noch eine ganze Woche hierzubleiben. Vielleicht noch drei, vier Tage? Im Gespräch mit der Hotellleitung (die sehr nett reagiert hat) ist mir aufgefallen, dass ich nicht, wie gedacht, die Übernachtung schon per Kreditkarte bezahlt habe, sondern noch in bar zahlen muss ….. wer denken kann, ist klar im Vorteil 😉 Leider gibt’s hier keinen Bankautomaten, und so muss ich notgedrungen morgen schon zurück auf die Isla Santa Cruz fahren …… aber dort soll es ja auch sehr nett sein. Heute habe ich dann noch mal stundenlang diesen herrlichen, menschenleeren Strand hier genossen und  mich etwas eher als geplant von dieser schönen Insel verabschiedet.

So sah heute nachmittag der Strand direkt am Ort ausIMG_0659

Am Bootsanleger war ich jeden Tag – ich mag die Robben so gerneIMG_0575Den hab ich heute am Strand getroffen … der war echt riesigIMG_0640Und die sind auch süß, Claudi, was sind das für welche?IMG_0573Die alte Frau und das Meer …… ja, ich weiß, die Kapp sieht blöde aus, aber ich häng so an ihr. Nach dieser Reise wird sie dann aussortiert und in was Altersgerechtes umgetauscht 😀

Regina, dein Tuch ist immer dabei!

IMG_0642Das sind Leguanspuren …….IMG_0647Ach und die Kirche ….. die fand ich schön, trotz Wellblechdach und aller Schlichtheit. Lichtdurchflutet und lebensfroh. Auf dem Wandbild ist der Blick vom Ort aus auf den Strand zu sehen:IMG_0652Ein Kirchenfenster…… auf den anderen sind Seepferdchen und Schildkröten 🙂IMG_0657Ach, und für die Überfahrt morgen hab ich mir eine große Plastiktüte besorgt, da kommt der Koffer rein. Hoffentlich bleibt er diesmal trocken. Und ich weiß ja jetzt, wo ich nicht mehr sitzen möchte!

Unterwegs auf Isla Isabela

Gestern und heute war ich viel alleine unterwegs, meist zu Fuß, heute auch mal ein paar Stunden mit dem Fahrrad. Hier kann man völlig entspannt durch die Gegend schlendern. Jeder, der entgegen kommt, grüßt freundlich, und ich fühle mich absolut sicher, auch wenn ich den Rucksack mal nicht ganz so fest im Griff oder Blick habe.

Außerhalb des Ortes begegnet man nur wenigen Menschen, es ist wirklich sehr ruhig hier. Gestern habe ich viele Tiere gesehen, heute auf meiner Radtour in das Inselinnere waren es die Pflanzen, die mir gefallen haben.

Diese Schildkröte kam mir auf meiner kleinen Wanderung entgegen …. die müsste ungefähr mein Alter haben (in der Aufzuchtstation konnte man sehen, in welchem Alter sie welche Größe haben)IMG_0523Dieser Zeitgenosse ist etwa so groß wie ein Dackel …..IMG_0541Und immer wieder Robben – die sind echt toll. Am Bootsanleger kann man mit ihnen schwimmen gehen (so wie diese junge Touristin) – jedenfalls wenn man nicht so blöd ist wie ich ….. ich habe meine Kontaktlinsen nicht mitgenommen, mit Brille Schnorcheln geht nicht, ohne Brille sehe ich nichts …… ach, wie ärgerlich!!!!!IMG_0564Ganz schön moppelig – auch Robben kriegen ein Doppelkinn 😉IMG_0570IMG_0545wunderschöne Pflanzen…..IMG_0553IMG_0559IMG_0551IMG_0550Hier sieht man erkaltete Lava im Hintergrund – auf meiner Radtour bin ich an großen Lavafeldern vorbei gekommen, die Vegetation ist trocken und eher kark. Wenige Kilometer weiter gibt es plöztlich üppiges Grün, die schönsten Blüten, große Bäume……IMG_0549Alle fünf bis zehn Minuten kam ein Auto vorbei ….. das ist die Hauptverkehrsstraße!IMG_0556Dieser kleine Inselfriedhof liegt direkt am Meer….IMG_0517Ein kleiner Strand mitten in einem Mangrovenwald. Eine Bank zum Ausruhen gab es auch. Leider war sie schon besetzt – eine Robbe hatte es sich gemütlich gemacht 😉IMG_0524IMG_0527Das ist, mitten in der trockenen Kakteenlandschaft, el muro de las lagrimas (Mauer der Tränen). Eine Mauer, 70m lang, 6m hoch und 5m breit – völlig nutzlos mitten in der Pampa, errichtet von Gefangenen in den 50er Jahren – ein bedrückender Ort..IMG_0532Aussichtspunkte sind was Schönes ………IMG_0530

Galapagos

Aaaaaaaaaaaaaaaaaaalso, der Flug von Quito aus über Guayaquil nach Baltra (Galapagos) war total okay. Auf Baltra angekommen, nimmt man dem Bus und eine kleine Fähre und einen Bus nach Puerto Ayora  (Insel Santa Cruz), was auch alles kein Problem ist. Aber dann. Um auf die Isla Isabela zu kommen, muss man eins von den kleinen Schnellbooten nehmen, die für die Strecke zweieinhalb (!) Stunden brauchen. Und die hatten es echt in sich: zweieinhalb Stunden Achterbahnfahren, nichts für Menschen, die schnell seekrank werden. Ich war besonders schlau und hab mich ganz nach hinten gesetzt, dort hatte ich frische Luft, außerdem habe ich vorher gelesen, dass sich der Seegang im hinteren Teil des Bootes besser aushalten lässt.

Das das einen Haken haben muss, wurde mir erst klar, als mir ein Regenumhang gereicht wurde …. – und spätestens nach einer halben Stunde hatte ich kaum noch einen trockenen Faden am Körper. Zu den hohen Wellen kam noch der Regen ….Die Überfahrt war also ziemlich nass und ziemlich lang. Andere saßen zwar trocken unter dem Dach, waren aber scheinbar auch nicht viel glücklicher. Und so sah ich bei der Ankunft aus… (froh, endlich da zu sein)IMG_0450Meine Laune war so nicht die allerbeste, es sollte aber noch dicker kommen – als ich in der Unterkunft meinen Koffer auspacken wollte, musste ich leider feststellen, dass er entweder ins Wasser gefallen ist oder jede Menge Seegang abbekommen hat –  jedenfalls war er mitsamt Inhalt komplett nass (einschließlich meiner Apotheke, dem Flugticket – gut, dass man heutzutage alles neu ausdrucken kann – meinem Reiseführer, den Wörterbüchern undsoweiterundsofort ……) Alles Elektronische steckte zum Glück in wasserfesten Beuteln… Ach, ich war wirklich ziemlich angefressen, da haben auch die Robben am Bootsanleger nicht viel helfen können.IMG_0493IMG_0504

Dazu kommt, dass hier die Luft so feucht ist, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, dass  jemals etwas trocken wird ….

Heute sieht die Welt aber schon wieder ganz anders aus – es ist toll hier. Die Klamotten sind komplett in die Wäscherei gegangen – die hatte ich mittags schon wieder, duftend und absolut trocken. Der Koffer ist auch wieder trocken, die Bücher werden halt Seite für Seite, Tag für Tag in der Sonne getrocknet. Puerto Villamil erinnert mich sehr an Corralejo oder Playa Blanca (Kanarische Inseln) von vor 30 Jahren …. alles geht sehr langsam seinen gemütlichen Gang, und sich über ein paar nasse Seiten im Reiseführer aufregen? Ach neeee…………IMG_0490

Heute morgen bin ich zu einem kleinen Spaziergang aufgebrochen. Ich war ungefähr drei Minuten unterwegs, als ich die Familie aus Quito, die ich auf dem Schiff kennen gelernt hatte, getroffen habe – kurzerhand wurde ich eingeladen, mit ihnen an einer Tour teilzunehmen. Los ging es in der Schildkrötenaufzuchtsstation, in der Schildkröten in jeder Größe aus Artenschutzgründen gehegt und gepflegt und teilweise ausgewildert werden.IMG_0468

Später ging es auf Vulkan-Tour. Die Vulkane liegen in einem dicht bewachsenem Waldgebiet.( der Reiseführer sagt: Tuff- und Basaltlandschaft) Die Tour wurde irgend wann zu einer ziemlichen Kletterei, zum Glück waren überall Seile angebracht, an denen man sich festhalten, hochziehen oder abseilen konnte. Da ich ja völlig unvorbereitet in dieses Unternehmen geraten bin, hatte ich nur Flip Flops an. Barfuß war dann die bessere Alternative……IMG_0481IMG_0480IMG_0459IMG_0485

Nachmittags war ich am Strand, der ist einfach wunderwunderschön und keine 20 Meter von meinem Zimmer entfernt … wenn ich im Bett liege, höre ich das Meer rauschen 🙂IMG_0489

Fui, fuiste, fue, fuimos ….. 5 Tage im Norden von Ecuador

Meine Spanischschule bietet nicht nur Spanischunterricht, sondern auch geführte Ausflüge über mehrere Tage plus Unterricht an – für mich eine prima Möglichkeit, den Unterricht mit Exkursionen zu verbinden. Natürlich kann man auch wunderbar alleine reisen und sich jeweils vor Ort Unterricht organisieren,  – aber ich habe (trotz unregelmäßiger Verben, die nur sehr, sehr ungern in meinen Kopf kommen wollen) die letzten fünf Tage genossen und hatte Kontakt zu Familien, die ich alleine niemals kennen gelernt hätte.

1. Tag

Morgens geht es früh los. Da ich nur sehr wenig mitnehmen kann, bietet Oscar mir an, dass ich mein Hauptgepäck bei seiner Schwester Maria lassen kann, die praktischerweise in der Nähe vom Flughafen wohnt. Diese Familie ist einfach supernett, ich darf mir den Garten anschauen, mit ihnen Mittag essen und mein Gepäck unterstellen. Im Garten gibt es jede Menge Pflanzen und Früchte, die ich nicht kenne, mir erklären lasse, aber inzwischen wieder vergessen habe. Früchte gibt’s in Ecuador ganz viele, die vor allem in Form von frischen Säften fast überall und zu jeder Mahlzeit getrunken werden. Auf dem Foto sieht man Maria mit ihren Kindern. Der Älteste, Marcello arbeitet in den Regenwäldern bei der Erdölgewinnung, er hat ein bisschen von seinen Arbeitsbedingungen erzählt. So wird 12 Stunden täglich gearbeitet. Untergebracht werden die Arbeiter in Neun- oder Zehnbettzimmern, die Betten werden in mehreren Schichten benutzt. Marcelo muss fünfzehn Tage arbeiten, danach hat er eine Woche frei.

IMG_0353IMG_0347IMG_0344IMG_0343Später fahren wir nach Otavalo, eine kleine, angenehme Stadt nördlich von Quito, die für ihren großen Handwerkermarkt berühmt ist. Dieser findet immer Samstags statt, aber auch heute am Dienstag gibt es jede Menge Stände mit Strick- und Webwaren, Flöten, Freundschaftsbändern und so allerlei Schnickschnack.IMG_0366

2. Tag

Nach dem Unterricht erkunde ich ein bisschen Otavalo, schaue mir die Menschen an und schlendere durch die Markthalle, die die tollsten Fotomotive bietet.

Die Menschen, besonders die indigenen Frauen, gefallen mir hier so gut. Sie sind schön, stolz und sehr zurückhaltend. Leider wollen sie sich nicht fotografieren lassen, was zwar sehr schade, aber verständlich ist. IMG_0359

Wir machen einen Ausflug zum Condor-Park und laufen von dort aus zu den Wasserfällen, die in einer wunderschönen Anlage liegen. Für die indigene Bevölkerung sind diese Wasserfälle ein ganz besonderer Ort.IMG_0388

Am Nachmittag geht’s in die Nähe von Cotacachi, wo wir für zwei Tage bei einer indigenen Familie leben. Diese Familie nimmt an einem alternativen Tourismusprojekt teil und beherbergt ab und an Reisende, um ihnen ihre Kultur näherzubringen. Die Familie hat sieben Kinder, und Maria Rosa, die Mutter, wirbelt den ganzen Tag mit bewundernswert positiver Energie in Küche und Haushalt. Wir essen mit allen gemeinsam, und ich finde es sehr schön, mit insgesamt 11 Personen an einem Tisch zu sitzen. Es gibt sowohl mittags als auch abends ein komplettes Menü mit Suppe und Hauptgericht, dazu immer frisch gepresste Säfte.IMG_0419IMG_0396Wir wohnen direkt neben der Schule, leider sind gerade Ferien, sonst hätte ich gefragt, ob ich mal mitmachen darf 🙂 Die Lehrer waren aber trotz der Ferien anwesend, so konnte ich rein und ein Foto vom Klassenzimmer machen:IMG_0420

3. Tag

Nach einem kurzen Abstecher in die Apotheke nach Cotacachi, in der ich mir Augentropfen besorgen muss, wollen Oscar und ich eine kleine Wanderung in die Berge machen, wo es eine Alpakaherde geben soll. Aus der kleinen Wanderung werden vier Stunden strammer Fußmarsch mit ziemlichen Steigungen, aber immerhin sehen wir für einen Moment die Alpakas in der Ferne …. Die Landschaft hier ist einfach bezaubernd!IMG_0409IMG_0410

Nachmittags gibt es dann Unterricht und abends geht man zwischen neun und zehn schlafen …..der Tag fängt hier früh an, spätestens wenn die Hähne (direkt vor meiner Zimmertür) krähen, also so gegen 5.30 🙂

4. Tag

Heute nehmen wir einen Bus Richtung Tulcan, die nördlichste Stadt Ecuadors an der kolumbianischen Grenze. Busse gibt es hier unendlich viele, sie fahren in alle möglichen Richtungen und kosten ungefähr einen Dollar pro Stunde Fahrt. Transporte sind hier sehr günstig, das Busfahren ist ganz unterhaltsam. Ständig steigt jemand dazu, der etwas verkaufen möchte, Kaugummis, Eis, warme Mahlzeiten und Tabletten gegen alles mögliche. Die Ware wird lauthals angepriesen, manchmal auch in eine Geschichte eingebettet. Und wenn gerade mal niemand kommt, werden Filme gezeigt. Der Bus quält sich die Berge hoch und runter, die Landschaft ist fantastisch.

Den Unterricht erledigen wir zum Teil während der Busfahrten, und wenn Spanisch beendet ist, versuche ich, Oscar ein bisschen Deutsch beizubringen.

Tulcan, ganz ehrlich, war die Reise nicht wert. Bis auf den wirklich sehenswerten Friedhof. Hier werden die Hecken wie Inka-Statuen geschnitten. Und da ich Friedhöfe sowieso mag, spaziere ich eine ganze Weile umher und staune.IMG_0426

IMG_0427Gegen abend fahren wir nach Los Andes, den Heimatort Oscars. Los Andes ist winzig und normalerweise sehr ruhig, doch heute ist große Fiesta zu Ehren des Schutzpatrons Bartholome.

Ich darf mit in der Hütte von Oscars Oma wohnen, was für mich einerseits wirklich absolut grenzwertig ist, andererseits einen Einblick in die Umstände bietet, unter denen sicher viele Ecuadorianer leben (müssen).IMG_0439

Abends geht’s zur Fiesta, ich bin die einzige Gringa weit und breit, und werde von allen sehr zurückhaltend, aber doch spürbar gemustert, von manchen auch angestarrt. Fotografieren ist hier (jedenfalls für mich) einfach nicht angesagt. Es gibt Stände, Essen und Trinken, ein Riesenrad, Kickertische und viele Straßenhändler.

Nach der Messe versammeln sich alle auf dem Dorfplatz, eine Kapelle spielt volkstümliche Musik, und nun gibt es ein Schauspiel ganz besonderer Art. Zunächst werden einige große Papierballons gestartet, die man noch lange am Himmel sehen kann. Dann tritt die vaca loca (verrückte Kuh) auf, eine Figur, unter der ein tanzender Mann steckt, und die über und über mit Feuerwerkskörpern bestückt ist. Dieses wird nach und nach angezündet. Später wird das Castillo, ein etwa fünfzehn Meter hoher Turm aus Bambusstäben, an dem ebenfalls ganz viele Feuerwerkskörper befestigt sind, angezündet, und zum Schluss gibt es ein großes Feuerwerk. An einem großen Lagerfeuer kann man sich ein bisschen aufwärmen, denn es ist hier in der Nacht wirklich sehr kalt. Die Menschen hier in den Bergen sind sehr zurückhaltend und genauso wird auch gefeiert – sehr ruhig – von lateinamerikanischem Temperament ist wenig zu spüren.

5. Tag

Am Morgen fahren wir zurück nach Otavalo. Heute ist der große Handwerkermarkt. Ich schlendere eine Weile umher, groß kaufen kann ich ja nichts. Neele habe ich einen Lamapullover versprochen, aber leider finde ich keinen der mir gefällt und ihr gefallen könnte. Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns so langsam auf den Weg zurück nach Quito.

Ich habe das Angebot von Oscars Schwester, über Nacht zu bleiben und von dort aus am nächsten Morgen zum Flughafen zu fahren. Heute ziehe ich mein kleines Guesthouse in Flughafennähe vor ….. nach fünf Tagen des gemeinsamen Reisens ist mir nach Alleinsein, die vielen schönen Eindrücke verarbeiten, zur Ruhe kommen und mich innerlich auf das absolute Kontrastprogramm einstellen, das in den nächsten Tagen auf mich zukommen wird.

In den letzten Tagen habe ich verschiedenes gelernt bzw. verstanden:

1. viele unregelmäßige Verben

2. was die Verkäuferin bei „Unterwegs“ meinte, als sie sagte, dass Wanderschuhe mit richtig festen Sohlen viel besser sind …..

3. dass nicht nur Mücken stechen (die gibt’s hier in den Bergen gar nicht, jedenfalls hab ich noch keine getroffen)

4. dass Ecuadorianer super gastfreundlich sind (jedenfalls die, mit denen ich zu tun hatte)

5. dass es nicht besonders schwer ist, alleine unterwegs zu sein

 

Letzter Tag in Quito

Ich weiß nicht warum, aber ich erlebe hier so viel ……. – vielleicht liegt es daran, dass ich die Zeit habe, mit offenen Augen durch die Welt zu spazieren. Gestern allerdings hab ich einen absoluten Gammeltag eingelegt und bin nur mal zum Essengehen rausgegangen. Sonntags ist die Altstadt mehr oder weniger autofrei, man kann in einigermaßen guter Luft durch die schönen Straßen flanieren.

Heute vormittag bin ich mit Oscar zur Plaza Grande gegangen. Montags um elf findet der große Wachwechsel statt, auf dem Balkon des Palastes erscheinen dazu der Präsident Rafael Correa, der Vizepräsident und andere Politiker. Das Volk versammelt sich auf dem Platz, die Wachen stellen sich auf, und es wird gemeinsam die ecuadorianische Nationalhymne gesungen. Das ist schon ein großartiges Schauspiel! Leider war ich zu blöd, meine Kamera mitzunehmen, schade! Wenigstens habe ich ein Foto des Palastes, wenn auch ohne Präsident:IMG_0294Nach dem Unterricht bin ich in mein Lieblingslokal zum Essen gegangen, da kein Tisch mehr frei war, habe ich mich zu einer jungen Frau gesetzt und ein bisschen mit ihr geplaudert. Wir haben zusammen gegessen, sie stand auf, bezahlte am Tresen und ging dann noch mal kurz zu mir und sagte, dass sie für mich eingeladen hat, einfach, um mich in Ecuador willkommen zu heißen. Ich war so platt, dass ich mich einfach nur bedanken konnte und mich sehr gefreut habe. Na so was!

Am Nachmittag kam ich dann wieder zur einer Demonstration, was momentan nicht unwahrscheinlich ist, weil täglich welche stattfinden. Wieder ging es um das Yasuni – Naturschutzgebiet, da ja nun leider entschieden worden ist, das Erdöl zu fördern, mit sehr weitreichenden Konsequenzen für Natur und die dort lebenden Menschen. Gegendemonstranten Pro-Correa gab es auch, und jede Menge Polizei zwischen beiden Gruppen, die Stimmung war aber trotzdem recht entspannt.IMG_0306 IMG_0314 IMG_0319 IMG_0317Morgen bis Samstag werde ich mit Oscar einige Orte nördlich von Quito bereisen, es geht nach Cuyambe, Otavalo, Cotachi, Ibarra, Los Andes und Tulkan an der kolumbianischen Grenze, Spanischunterricht inclusive. Ich bin gespannt. Da ich nur das Allernotwendigste mitnehmen soll, werde ich das meiste Gepäck unterstellen und auch mein Tablet nicht mitnehmen. So hat der Blog ein paar Tage Pause. Samstag abend werde ich in der Nähe des Flughafens übernachten, und Sonntag früh am Morgen geht mein Flug auf die Galapagos-Inseln. Juchuu!

Tschüß Quito!IMG_0296IMG_0298IMG_0302

Party und ganz viel Kultur

ja, die Party…. das war schon ein ganz besonderes Erlebnis. Oli hatte eine Chivotheka gemietet, das ist ein offener Partybus, der mit sehr lauter Musik, Trillerpfeifen, Tanz und jeder Menge Zuckerrohrirgendwas durch die Straßen fährt – so bin ich zu einer schönen, ziemlich fröhlichen nächtlichen Stadtrundfahrt gekommen. Zwischendurch wurde auch mal angehalten und auf der Straße getanzt. Bei diesem Stopp ist auch das Foto entstanden. Wenn man genau hinschaut, kann man sehen, dass ich als norddeutsche Frohnatur so richtig gut mithalten kann 😉SAM_8107

Heute war dann wieder ein bisschen Kultur dran – morgens habe ich mir die Basilika angeschaut.IMG_0265Dabei hatte ich auch Gelegenheit, an meiner Höhenangst zu arbeiten 😉 Den Turm mit der Uhr habe ich ganz  geschafft, bei dem Turm weiter rechts im Bild musste ich dann doch kurz vorm Ziel umkehren und mit zitternden Knien die Leiter wieder runter. Eigentlich hätte ich gewarnt sein müssen – zu Beginn des Aufstiegs konnte man lesen, dass dieser für Personen mit Höhenangst nicht geeignet ist ….IMG_0260In der Basilika selber liefen gleichzeitig in zwei verschiedenen Flügeln eine Taufe und eine Trauerfeier, beides sehr emotional und mit wunderschöner Musik. So habe ich mich eine ganze Weile dort aufgehalten.

Anschließend war ich im Centro de Arte Contemporaneo, einem wunderbaren Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst, die mich absolut begeistert hat.IMG_0267IMG_0276Nachmittags bin ich noch auf dem Panecillo gewesen, das ist die große Statue, die man von der ganzen Altstadt aus sehen kann. Der Blick von oben auf die Stadt und die umliegenden Berge ist wunderschön. Es wird so eindringlich davor gewarnt, auf den Berg zu spazieren, weil der Weg nicht (überfall-)sicher sein soll, dass ich mir lieber ein Taxi geleistet habe ( kostet soviel wie ein Ticket für die Bremer Straßenbahn…)IMG_0283IMG_0290IMG_0291So langsam hab ich aber wirklich genug Großstadtluft geschnuppert. Am Dienstag reise ich für fünf Tage nach Otavalo, einem kleinen Städchen, ca. 100 km nördlich von Quito. Dort gibt es mehr Spanischunterricht, viele Exkursionen und einen ganz bekannten Markt. Tja und dann …. ist dringend mal Meer und Strand angesagt!

Spanisch lernen

Nun schon der dritte Tag in Quito. Langsam gewöhne ich mich an die neue Umgebung, die Zeitverschiebung, das Klima, die Höhe, und alles andere. Wobei ich noch nicht so wirklich viel gesehen habe, ich schlendere durch die Altstadt und lasse mich einfach treiben. Schließlich habe ich es nicht eilig! Gestern habe ich eine Demonstration und ziemlich viel Polizei gesehen. Dabei ging es darum, dass es im Osten von Ecuador, in den Regenwäldern des Amazonas, sehr viel Erdöl gibt. Es gibt Pläne, dieses Erdöl zum Schutze der einzigartigen Naturreservate nicht noch weiter zu fördern, da dafür große Teile des Regenwaldes abgeholzt werden müssen, und indigenen Bewohnern jegliche Lebensgrundlage genommen wird. Natürlich passt das nicht zu bestimmten wirtschaftlichen Interessen. Große Teile der ecuadorianischen Bevölkerung ist gegen die Förderung des Erdöls und möchte Menschen und Natur schützen, einige davon habe ich gestern auf dem Platz vor dem Regierungsgebäude gesehen.

Das alles hat mir heute mein Spanischlehrer, Oscar, erklärt. Ich hoffe, ich habe das einigermaßen richtig wiedergegeben. IMG_0249Nach dem Unterricht, der sehr gut, aber natürlich auch anstrengend ist, weil alles ausschließlich auf Spanisch läuft, bin ich in ein nettes, von Einheimischen sehr gut besuchtes, kleines Lokal gegangen und habe mir das Tagesmenue für vier Dollar bestellt:IMG_0251Champignonsuppe, Erdbeersaft, Hähnchen mit Soße, Reis, Kartoffelbreibällchen, Salat und einem Stück Avocado, Obstsalat und Popcorn. Bis auf die Suppe war alles sehr lecker, das Popcorn hab ich mal weggelassen 🙂

Oliver, mein Vermieter, ist heute 50 geworden. Heute morgen gab`s schon Geburtstagsständchen und Torte, abends steigt die Party, ich bin gespannt!

Ankommen

Der erste Tag in Quito. Byron, bei dem ich wohne, zeigt mir die historische Altstadt und erklärt mir ganz, ganz viel. Quito ist atemberaubend, im positiven wie im negativen Sinne. Wunderschöne Plätze und Häuser, bombastische Kirchen aber auch ziemlich schlechte Luft. Wahnsinnig viel Verkehr. Die Höhe macht mir am Vormittag noch etwas zu schaffen, ich fühl mich seeeeeehr schwer und gaaaaaaanz langsam, gegen Abend wird es besser. Gefährlich ist es zumindest am Tage in der Altstadt nicht …… an jeder Ecke steht Polizei und passt auf.IMG_0239IMG_0223IMG_0247IMG_0237Hier wohne ich in dieser Woche, mein Balkon mit der wunderschönen Sicht auf Quito ist der dritte von links.IMG_0233IMG_0248Und dorthin gehe ich ab morgen für vier Stunden am Tag:IMG_0211

 

 

IMG_0209Gut angekommen! Und so sieht es aus, wenn ich aus dem Fenster schaue 🙂