Archiv des Monats: Oktober 2013

Highlights und ganz viel Großstadt

Die Zeit ( das Leben ) rast hier ganz verrückt – das muss einfach mit dieser Stadt zu tun haben! Eine Galapagosstunde ist etwa so lang wie 10 von diesen seltsamen Zeiteinheiten, die hier Stunde genannt werden ….

Unglaublich, dass ich schon 14 Tage in Buenos Aires bin. Schöne 14 Tage, viele Gespräche, viel Tango und viel Spaß. Und manchmal auch große Sehnsucht nach Natur, guter Luft und ganz viel Ruhe.

In der letzten Woche hatte ich drei Doppelstunden Englisch, aber ich bin keine fleißige Schülerin und könnte sicher schon viel weiter sein. Es gibt ( hier ) einfach Schöneres, als Hausaufgaben zu machen.

Dienstag, 22.10., stehen Mariann und ich sehr früh auf. Das Teatro Colon vergibt Freikarten für ein Konzert am Donnerstag – aber man muss früh dort sein, um welche zu bekommen. Wir haben Glück und kommen sogar noch rechtzeitig genug zurück ins Hotel, um frühstücken zu können.

Am frühen Abend gehen wir auf eine schöne Milonga ( Nuevo Chique ) , die zu Fuß zu erreichen ist. Wir kommen viel und gut zum Tanzen und gehen sehr zufrieden nach Haus.

Mittwoch klingelt der Wecker wieder ( zu ) früh – Jacqueline und ich wollen nach Colonia in Uruguay fahren. Dafür muss man mit der Fähre über den Rio de la Plata fahren, was etwa eine Stunde dauert.IMG_2209Colonia ist schön, klein und sehr grün. Der historische Teil ist Weltkulturerbe und wirklich  sehenswert.IMG_2288Wir spazieren durch den Ort, gehen sehr teuer und sehr schlecht ( aber mit Blick aufs Wasser – schöööön! ) frühstücken und genießen Sonne, Luft und Großstadtpause.IMG_2226IMG_2227IMG_2262Später besteigen wir den kleinen Leuchtturm und schauen uns den Ort von oben anIMG_2231IMG_2233IMG_2241IMG_2239Mit dem Stadtbus fahren wir zur Plaza de Toros , die mitten in einem weitläufigen  Wohngebiet liegt. Die Stierkampfarena ist 1910 gebaut worden. Schon zwei Jahre später sind die Stierkämpfe in Uruguay verboten worden, so wurde diese Arena nur wenige Male benutzt. Heute ist sie verfallen, aus Sicherheitsgründen abgesperrt und wirkt in dieser Umgebung wie ein sehr seltsamer Fremdkörper.IMG_2272Anschließend geht’s zum Strand – hier sieht es ja aus wie an der Ostsee! Schön!IMG_2275Ganz plötzlich wird es sehr stürmisch, später auch viel kühler und ungemütlicher.IMG_2276Nach einem schlichten Abendessen sehen wir uns den Sonnenuntergang und ganz aus der Ferne die Wolkenkratzer von Buenos Aires an – ich muss aufpassen, dass ich nicht nur fotografiere, sondern auch einfach nur mal schaue! So schön! IMG_2310IMG_2342IMG_2321IMG_2343IMG_2324Später nehmen wir die Fähre zurück nach Buenos Aires – das war ein schöner Tag, nur etwas zu kalt. Nach dem Temperatursturz vom letzten Wochenende war die ganze Woche kühl und unbeständig.

Am Donnerstag geht es nachmittags zu viert zum Konzert ins Teatro ColonIMG_2350IMG_2353IMG_2356IMG_2354Das Orquesta Academica del Instituto Superior de Arte del Teatro Colon ( Abschlussklasse der Musikstudenten ) spielt Debussy, Ravel und Saint-Saens. Zu einigen Stücken spielt die Solistin Virginie Roblliard, die wohl recht bekannt ist. IMG_2361IMG_2367Ich hab zwar keine Ahnung, finde Musik und Akustik aber toll und freue mich, mal in diesem wunderschönen Theater gewesen zu sein.

Abends gehen wir in einer größeren Gruppe in die bemerkenswerte „Undergroundmilonga“ La Catedral. Das Publikum ist sehr jung, das Ambiente sehenswert schräg. Es gibt ganz viel zu schauen: Chacareraeinlagen ( das ist ein Volkstanz ), Livemusik und Showtänzer ( nein, kein Tango, eher Folklore mit Steppeinlagen ), sehr bewegliche Salsa- und richtig gute Tangotänzer . Am sehr späten Abend kommen wir noch ein wenig zum Tanzen. Für uns ältere Damen war es eher eine Schau-und-Staun-Milonga als eine Tanzmilonga, aber trotzdem sehr schön. Schade, dass ich meinen Fotoapparat nicht mitgenommen habe!

Freitag geht’s wieder zum Englisch, ich nehme eine Tangostunde und dungel den restlichen Tag so vor mich hin. Abends gehen wir in einer kleinen Gruppe ins Gricel, das ist die Milonga, die mir schon neulich so gut gefallen hat, Freitags geht sie von 22.30 bis 4.00 Uhr. Der Saal ist voll, die Stimmung klasse, die Musik sehr fein, und ich habe Glück: sehr sehr viele ganz wunderbare Tänze für mich!

 

Alles rast hier – vor allem die Zeit!

Ich weiß nicht warum, die Zeit vergeht hier so so schnell – ist nicht allein meine Beobachtung, das geht auch anderen so!

Ich mache wenig dies und wenig das und schwups ist schon wieder ein Tag vergangen ……. vielleicht liegt es auch daran, dass wir manchmal bis Mittags beim Frühstück sitzen. Es gibt immer andere Gäste, die ich am gemeinsamen Frühstückstisch treffe, man berichtet von der gestrigen Milonga oder erzählt alles mögliche.

Am Donnerstag, 17.10., habe ich meine erste Englisch – Einzelstunde. Die ist für mich ziemlich anstrengend, weil alles auf Spanisch erklärt wird und ich mich auf zwei Fremdsprachen gleichzeitig einstellen muss. Aber ich bin froh, dass ich mich endlich überwunden habe ( zu Hause hab ich mich vorm Kurs gedrückt …. ) Englisch ist einfach nicht meine Sprache, aber ein bisschen muss ich unbedingt dazulernen, damit ich in Neuseeland und in Asien einigermaßen zurechtkommen kann.

Abends gehen wir zu fünft auf eine Milonga ins Gricel. Das wird ein sehr schöner Tanzabend. Wir kommen alle viel zum Tanzen, die Stimmung ist gut, der Saal ist voll, die Leute nett.

Am Freitag habe ich nach dem Frühstück ( also so gegen halb eins ) eine weitere Englischstunde.  Englisch fällt heute noch schwerer, vielleicht hätte ich mich doch besser nicht bis nachts um drei festquatschen sollen …. Nachmittags machen wir uns auf den Weg nach Palermo, wir haben dort einen Friseurtermin. Marion vom Hotel hat uns Edu empfohlen, der nicht nur gut schneiden kann, sondern auch ziemlich lustig ist. Zum Schluss gibt’s noch ein Erinnerungsfoto:IMG_2134Am Abend gehen wir in das Lokal, in dem wir schon vor vier Jahren immer waren und hervorragend gegessen habe. Hier ist es immer brechenvoll, man trifft nur Einheimische. Kugelrund und viel zu satt laufen wir später nach Haus. Heute geht Tanzen wirklich nicht mehr, ich wiege gefühlte 100 kg mehr 😉IMG_2137Für Sonntag ist Regen und ein Temperatursturz angesagt, deswegen nutzen wir am Samstag das schöne und ziemlich warme Wetter aus, mieten uns Fahrräder und fahren in den Parque Natural. Dieses Naturschutzgebiet liegt zwischen Puerto Madero und Rio de la Plata ( der hier so breit ist, dass man das andere Ufer nicht sehen kann ) . Ein bisschen Ruhe und Natur mitten im Weltstadtwahnsinn bekommen mir sehr gut!IMG_2144IMG_2152IMG_2149Auf dem Rückweg schauen wir noch bei Mafalda vorbei, die wahrscheinlich am meisten fotografierte Dame der Stadt:IMG_2164Abends gehen Mariann und ich auf eine Milonga, die in nur zwei Blocks Entfernung von unserem Hotelito liegt  ( Milonga en Rojo, Alsina 2540 ). Stimmung und Publikum könnten einem Tanzteenachmittag im Altersheim entsprungen sein – nach einer Stunde gehen wir einfach ( gähnend und seeehr müde ) nach Haus.

Sonntag schauen Jacqueline und ich ins Museum für Moderne Kunst, eigentlich darf man nicht fotografieren, wir tun es trotzdem und haben jede Menge Spaß:IMG_2176IMG_2178IMG_2179IMG_2182 IMG_2184IMG_2167 IMG_2169 (2)Auf dem Weg nach Hause streifen wir kurz den Sonntagsflohmarkt in San Telmo und hören ein bisschen dem tollen Tangoorchester El Afronte zu – superschön!IMG_2166Einen Tag später sehen wir die Truppe in voller Besetzung in der Milonga Bendita wieder, dort spielen sie jeden Montag und Mittwoch. Auch der Sänger ist toll!IMG_2190IMG_2191Später gab es feinen ShowtanzIMG_2197 IMG_2205Und zwischendurch konnte man natürlich auch selber tanzen. Das Publikum war gemischt, es gab sehr, sehr viele Touristen  – auf der Tanzfläche am Tanzstil zu erkennen 😉

 

 

Großstadt, Tango, schlechte Laune …..

Dienstag ( 15.10. ) gibt es bei mir recht viel zu erledigen. Der Tag fängt damit an, dass ich versuchen muss, meinen Sachbearbeiter für Bezüge, Kindergeld und Trallala in Aurich anzurufen. Herr H. hatte mir  ( bzw. meiner Homebasis in Bremen – Dietrich danke dir vielmals!!!  ) ein Formular zukommen lassen, welches ich zusammen mit verschiedenen Nachweisen innerhalb von vier Wochen einzureichen habe. Dazu muss man wissen, dass ich noch von Bremen aus versucht habe, Herrn H. telefonisch zu erreichen, was mir leider nicht gelungen ist ( entweder besetzt oder AB ) Aber mit einer Frau M. hatte ich gesprochen, außerdem hab ich diverse mails geschrieben. Leider hat sich Herr H. nie zurück gemeldet, bis auf die oben erwähnte Formulare.

Da die Zeit drängt, spreche ich für viel, viel Geld Herrn H. per Handy aufs Band  ( ja, man kann auch in einen der vielen Telefonläden hier gehen, ist viel billiger. Ist nur nicht möglich, wenn man auf dem Amt in Deutschland nur bis zwölf anrufen kann und es fünf Stunden Zeitverschiebung gibt ). Leider kann man Herrn H. auch nur sehr kurz aufs Band sprechen, so muss ich halt zweimal anrufen und mich zweimal durch mindestens zwei Minuten telefonischer Ansage quälen ….. grrrrrrrrrrrmpffffffffffff

So habe ich dann schon vorm Frühstück reichlich schlechte Laune …..

Später buche ich in der Sprachschule den Englischunterricht, besorge allerlei Sachen, finde keine Schuhe. Na toll.

Buenos Aires ist atemberaubend, aber auch sehr gewöhnungsbedürftig. Vor vier Jahren, das fällt mir jetzt wieder ein, waren die ersten Tage auch furchtbar anstrengend. Es ist unglaublich laut, hektisch, voll und stellenweise ziemlich dreckig und heruntergekommen. Mitten im Großstadttreiben und – lärm liegen an einigen Stellen einzelne Obdachlose schlafend auf dreckigen Matratzen, als Passant macht man eben einen kleinen Bogen und kümmert sich nicht weiter. Das gab es damals auch schon, es schockiert mich immer wieder! Aber klar, auch in Bremen hab ich in den letzten Jahren am Bahnhof Leute gesehen, die in den Abfalleimern nach Essbarem suchen …… das schockiert mich auch!

Und plötzlich ist es heiß, der Frühling ist da. Das Foto habe ich mittags gegen eins gemacht, ein paar Grad ist das Thermometer noch gestiegen. Hier ist die Wärme anders als in der Pampa, die Luft ist viel feuchter – ich schwitze!IMG_2069Gegen Nachmittag schaue ich auf einen Kaffee in das berühmte Tortoni, eines der vielen wunderbaren Cafes in dieser Stadt:IMG_2072Aber auch hier bin ich tendenziell genervt, es ist einfach ziemlich voll, die Leute ( meist Touristen )stehen Schlange und warten darauf, dass ein Tisch frei wird. Am frühen Nachmittag fahre ich in der ( wie könnte es anders sein) rappelvollen U – Bahn  ( Sardinenbüchse ist nichts dagegen ) ziemlich fertig Richtung Hotel. Ich hab nicht alles geschafft, was ich schaffen wollte, ich will  nur noch meine Ruhe und Füße hochlegen.

Jacqueline geht’s genau so … vielleicht braucht man einfach ein paar Tage, um sich an diese  wunderbar – schreckliche Stadt zu gewöhnen?

Abends melden sich aber meine Lebensgeister wieder – ich gehe mit Mariann auf eine sehr traditionelle Milonga ganz in der Nähe. Jeden Abend hat man die Auswahl zwischen sieben und etwa fünfzehn Milongas. Manche beginnen schon nachmittags und enden abends, manche fangen erst um 23.00 an, dort kann man bis morgens um drei oder vier tanzen.

Kaum sitzen wir, werden wir schon zum Tanzen aufgefordert und kommen auch später viel zum Tanzen. Eine traditionelle Milonga hat in Argentinien sehr (!) feste Regeln, die alle Sinn machen.

Man bekommt einen bestimmten Sitzplatz zugewiesen, dabei sitzen die Männer auf der einen, die Frauen auf der anderen Seite.  Aufgefordert wird per Cabezeo – man schaut sich an und stimmt durch ein leichtes Nicken zu. Ablehnen kann man, indem man einfach wegschaut – niemand anderes merkt es und niemand wird bloß gestellt. Hier wird jeweils nur eine Tanda ( 3 – 4 Musikstücke ) zusammen getanzt, dann werden alle Damen zurück an den Platz begleitet, neue Tanzpaare bilden sich. So wird viel häufiger als auf den Milongas in Deutschland gewechselt, das finde ich schön. Das Verhältnis Tänzer – Tänzerinnen ist recht ausgelichen, das finde ich noch schöner 😉

Ganz zufrieden gehen wir nach Haus – die schlechte Laune ist weg und wird unter „Eingewöhnung“ abgeheftet!

Heute morgen finde ich  ( endlich! ) eine mail von Herrn H. in meinem elektronischen Briefkasten …… alles ist in Ordnung, die Formulare und die Aufforderung, Nachweise zu erbringen, sind einfach nur automatisch versendet worden ….. ( hä????? )

Na, abgesehen davon, dass ich mindestens 15 € vertelefoniert habe, bin ich froh, der Tag fängt eindeutig besser an.

Nach dem Frühstück habe ich eine Einzelstunde bei Fabian  – eigentlich wollte ich nur ganz manchmal eine Stunde haben – wenn man aber so einen tollen Tanzraum und einen fantastischen Tanzlehrer direkt im Haus hat, ist es gar nicht so einfach, sich zu beschränken 😉 IMG_2082IMG_2099IMG_2087Fabian hat ein entzündetes Auge, deswegen die Sonnenbrille ….

Nachmittags fahren Jacqueline und ich zum Bummeln nach Palermo Soho, quasi das Ostertorviertel ( oder : Prenzlauer Berg ) von Buenos Aires. Wir bummeln durch vergleichsweise ruhige, schöne Straßen, überall gibt es feine  Boutiquen und nette Cafes.IMG_2116IMG_2122IMG_2125Den Abend beschließen wir ganz ruhig auf der Dachterrasse unserer Unterkunft mit Wein ( ich ), Keksen ( Jacqueline ) und fast vollem Mond. So schön!

Morgen hab ich meine erste Englisch – Stunde. Seufzdolle ……

Und morgen Abend wird getanzt!

 

Ankunft in Buenos Aires

Etwas später als erwartet treffe ich in Buenos Aires ein …. die Busfahrt von Santa Rosa ist nicht ganz so nett wie die Hinfahrt …. das liegt sicher auch daran, dass ich beschlossen hatte, ein bisschen zu sparen und deswegen die etwas weniger luxuriöse Busvariante ausgesucht habe. Vor der Abfahrt waren Elke und ich noch schön essen – an Hunger oder Durst kann der schlechte Schlaf wirklich nicht gelegen haben …..

Am Busbahnhof in Buenos Aires stelle mich an die Taxischlange an ( hier stehen nicht die Taxis in der Schlange, sondern die Leute, die eins brauchen) und bin kurz darauf im Apassionata Tango, ein schönes, kleines Tango-Hotel in der Nähe der Plaza Congreso. Mein Zimmer ist prima, und besonders Spaß macht es mir, meine Sachen komplett auszupacken 🙂 hier bleibe ich drei Wochen, und ich habe Zeit und Lust, mich häuslich einzurichten. Alle Zimmer haben hier ein Thema, meines heißt „Tango-Bar“…. ( zweite Tür von links )IMG_2038Blick von der Galerie auf den Innenhof ( Frühstücksplatz und Gästeküche )IMG_2036

Nach dem Duschen, Frühstück und Auspacken zieht es mich in die Innenstadt … ich flaniere die Florida ( Fußgängerzone ) hoch und runter, kaufe mir ein Kleid ( bin momentan so gar nicht nicht zum Tanzen gehen ausgerüstet) und staune. Ich hatte vergessen, wie laut, quirlig und anstrengend Buenos Aires ist! Heute wird auch die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus gefeiert, der 12.10. ist ein wichtiger Festtag in ganz Südamerika! So sehe ich jede Menge Musikgruppen und viel Fiesta.IMG_2007IMG_2015Abends fragt mich Marion ( Marion und Fabian leiten das Tango – Hostel, organisieren Tangoferien, Fabian gibt genialen Tango-Unterricht ), ob ich mit ihr, der kleinen Maya und dem Aupair Sarah zu einem Umsonst-und-Draußen Musicalevent kommen möchte – klar möchte ich! Vor dem Planetarium ist eine große Bühne aufgebaut, ein riesiges Orchester spielt, Solisten treten auf. Die Musicalkomponisten Cibrian und Mahler werden für 30 Jahre und viele Musicals geehrt – sie sind anwesend, ebenso wie sehr viele tolle Künstler, die einzelne Stücke aus den verschiedenen Musicals spielen und singen. Marion erzählt, dass es in Buenos Aires immer wieder tolle Veranstaltungen gibt, die für die Bevölkerung umsonst sind – allen soll der Zugang zu Kultur und Kunst möglich sein. Auch ins Theater Colon kann man einmal im Monat gehen, ohne Eintritt zu zahlen.

Ich genieße den Abend sehr, auch wenn ich nach dreieinhalbstündiger Aufführung ziemlich durchgefroren bin. Der Frühling fängt hier ja erst an!IMG_2021IMG_2034Am nächsten Morgen trifft auch schon Jacqueline ein, ach, ich freu mich! Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg nach San Telmo, dort findet jeden Sonntag ein riesengroßer Flohmarkt statt.IMG_2043Straßenmusik …. die schönsten Tangos werden gespielt – und das wirklich gut!IMG_2046

Viele Läden sind geöffnet, und wir finden unseren Lieblingsladen von vor vier Jahren wieder:IMG_2048Ganz am Ende kommen wir auf die Plaza Dorrego, dort findet jeden Sonntag gegen Abend eine Open-Air Milonga statt. Diesmal schauen wir ( aus dem ersten Stock – dort gibt es eine Bar ) nur zu ….IMG_2057Buenos Aires ist einfach toll ( aber auch: laut, hektisch, dreckig ….)

Heute schlafen wir aus, und: ich hab meine erste Tangoeinzelstunde bei Fabian. Ich bin sehr nervös, aber ich merke schon: es geht doch noch!! Abends gehen Jacqueline, Mariann ( supernett, wohnt in unserem Hostal ) und ich auf eine Milonga, die in einem großen Pavillion in einem Park stattfindet. Am Anfang fremdeln wir noch ein bisschen, aber hinterher macht es so viel Spaß! Es gibt viele Tänzer, und wir kommen alle drei gut zum Tanzen. Ich glaub das Tangofieber hat mich wieder 😉

Morgen möchte ich zur Sprachschule und schauen, ob ich ein paar Englischstunden nehmen kann. Und ansonsten: Ich freu mich auf viel Großstadt und viel Tango!

Santa Rosa

Heute ( 11.10.) ist der fünfte Tag in Santa Rosa.

Santa Rosa ist die Hauptstadt der Provinz La Pampa, 600 km südwestlich von Buenos Aires. Santa Rosa hat 110 000 Einwohner und ist ein sehr beschauliches Städtchen – nett, gepflegt und ruhig, kaum Kriminalität. Es gibt eine Universität und viele schöne,  kleine Geschäfte. Die Plaza San Martin ist ein großer, weitläufiger Platz, um den sich einige Cafés und Läden gruppieren. IMG_1977IMG_1973IMG_1979 IMG_1975Am westlichen Stadtrand findet man eine künstlich angelegte Lagune, hier trifft man viele Freizeitsportler.IMG_1982Und viel mehr kann ich von Santa Rosa nicht erzählen, auch Wikipedia verrät kaum mehr….

Mir fallen die großen Unterschiede zu Ecuador auf. Die Menschen in diesem Teil Argentiniens sehen aus wie in Deutschland, ich falle überhaupt nicht auf. Mich erinnert alles sehr an Europa, allerdings auch die Preise. Manches ist so teuer wie in Deutschland, anderes noch teurer. Argentinien hat derzeit eine Inflation von über 25% …….

Das Spanisch hört sich hier wie Italienisch an, mir fällt es schwer, die Menschen zu verstehen.

Für mich sind es schöne, ruhige Tage. Ich habe ein Zimmer mit eigenem Bad und Gartenzugang, kann immer lange ausschlafen und alles sehr ruhig angehen lassen. Dreimal war ich bei Jenny in der Zahnarztpraxis, ein paar Mal in der Innenstadt zum Bummeln, an der Lagune zum Spazieren, zum Einkaufen im Supermarkt, einmal waren wir essen. Meistens bin ich einfach zu Hause, sitze im Garten ( es ist Frühling hier! ), nutze die Waschmaschine, sortiere meine Sachen, genieße freien Zugang zu Kühlschrank und Kaffeemaschine …… jeden Abend werde ich wunderbar bekocht, was ich sehr (!!!!!) genieße. Nach den vielen dicken Bohnen in Soße  und dem ewigen Reis freue ich mich hier über frische Salate, Fisch und Fleisch, Elkes selbstgebackenes Brot und den tollen, selbstangesetzten Joghurt.IMG_1984

Die Abende sind ebenso schön – es gibt leckeren Wein und viele lange Gespräche, auch mit Tochter Wiese, die viel von dem argentinischen Lehrerdasein berichtet ( auch nicht einfacher als bei uns ).

So genieße ich die großzügige Gastfreundschaft und komme so richtig zur Ruhe – was mir nach acht auch anstrengenden Reisewochen ziemlich gut tut.

Heute Abend geht’s aber wieder los – ich setz mich in den Nachtbus nach Buenos Aires und freu mich auf meine Freundin Jacqueline, sehr viel Tango, Weltstadtluft …..

 

 

Zwei Tage auf der Rinderfarm

Nachdem Elke mich am Busbahnhof abgeholt hat, fahren wir als erstes zu Tochter Jenny, einer Zahnärztin – das ist für mich ziemlich praktisch, weil ich seit ein paar Tagen leichte Beschwerden habe. Nach dem Zahnarzttermin bringt Elke mich zum Haus am Stadtrand von Santa Rosa. Elke ist die Schwester meiner Schwägerin, sie lebt zusammen mit ihrem Mann Hubert seit über 30 Jahren in Argentinien. Die beiden sind etwa in meinem Alter und haben drei erwachsene Kinder.

Gegen Abend geht’s dann gleich weiter: Elke und Hubert arbeiten an den meisten Wochenenden auf ihrer Rinderfarm mitten in der argentinischen Pampa. Dort gibt es eine beeindruckende Weite, große Weiden, viele Rinder, 12 Pferde, eine Katze und ein großes Haus, in dem man gerne sein mag. Nach etwa zwei Stunden Fahrt sind wir da. Nach dem Auspacken, Öfen anzünden, Kochen, Essen, Wein trinken ist es spät geworden.

Am nächsten Morgen stellt Elke mir ihre zwölf Pferde vor:IMG_1844IMG_1851IMG_1862Zwei Pferde werden eingefangen, ich darf Reni nehmen, eine liebe, ruhige Stute. Ich bin ziemlich aufgeregt, habe ja seit über zwanzig Jahren nicht mehr auf einem Pferd gesessen. Vor dem Satteln ist die Körperpflege dran, und dann geht’s im gemütlichen Schritt ( Reni ) und zitternden Knien ( ich ) hinaus in die Weite. So ganz entspannt bin ich noch nicht, aber total beeindruckt. Was für eine tolle Landschaft!IMG_1864Nach dem Ausritt werden die Pferde geduscht und auf die Weide gebracht.IMG_1867Inzwischen ist es auch ziemlich warm geworden. Nachts ist es kalt, tagsüber heiß und trocken, jedenfalls für mich. Es ist Frühling, im Sommer ist es noch viel, viel heißer und viel, viel trockener. Und ich habe Glück: vor einer Woche lag noch Schnee, was Ende September absolut ungewöhnlich ist.

Mittags war Siesta angesagt, auch Katze Moods schließt sich an.IMG_1871Am Nachmittag mussten Rinder in verschiedene Corrale und von dort aus durch eine Manga getrieben werden, weil sie mit bestimmten Ohrmarken gekennzeichnet werden sollten. Das war vielleicht ein Schauspiel! Ein bisschen habe ich beim Rindertreiben mitgeholfen, war aber ganz froh, als meine Hilfe nicht mehr notwendig war. So ganz geheuer sind mir diese Viecher nicht!IMG_1887IMG_1888IMG_1895IMG_1901Später durften die Rinder wieder in die Weite ziehen …. und für mich gab es schöne Fotomotive.IMG_1910IMG_1915IMG_1914IMG_1924Am nächsten Tag gab es wieder einen Ausritt, diesmal fühle ich mich sicherer, auch Galopp geht wieder, und Spaß machts! Unterwegs sehen wir Gürteltiere, patagonische Hasen, viele verschiedene Vögel und natürlich Kühe und Kälber, auch einige Stiere. Nachmittags gehe ich fotografieren, endlich erwische ich auch die Sittiche ( Cotorras ), die zu Hunderten in den Bäumen rund ums Haus leben.IMG_1953IMG_1957IMG_1949IMG_1946Sonntag Abend fahren wir zurück nach Santa Rosa – was für ein schönes Wochenende 🙂

 

Weltenwechsel

Gestern ( 3.10. ) bin ich morgens von Guayaquil gen Buenos Aires bzw. Santa Rosa ( La Pampa ) aufgebrochen – das war eine lange Reise!

Eigentlich sitze ich im Flugzeug am liebsten am Gang, damit ich zwischendurch immer mal wieder aufstehen kann und mich nicht so eingeengt fühle – diesmal habe ich nicht aufgepasst und komme doch ans Fenster. Den Platz kann auch nicht tauschen, das Flugzeug ist rappelvoll. Was für ein Glück, denn sonst wäre mir Blick auf die Atacama-Wüste und Anden entgangen:IMG_1802IMG_1805IMG_1806IMG_1811IMG_1812Knubbelwolken über Buenos AiresIMG_1815IMG_1817Und darauf freue ich mich schon länger und das musste auch gleich am Flughafen sein: schnell Geld ziehen und dann ein anständiger Cafe con leche mit Medialunas 🙂IMG_1821Auf der Taxifahrt zum Busbahnhof: ich erkenne so viel wieder und  freu mich total, wieder in Buenos Aires zu sein! IMG_1825Links die Casa Rosada, das RegierungsgebäudeIMG_1827Aber ich will ja gleich weiter. Am Retiro, dem riesigen und quirligen Busbahnhof, treffe ich einen Bekannten zum Abendessen, und um 22.45 geht’s in den Nachtbus nach Santa Rosa. Hier schwelge ich in Luxus, hab mir einen Bus Cama Suite gegönnt: breite, weiche Liegesitze! Im Oberdeck habe ich die Panoramaaussicht ganz für mich alleine – die Fahrt durchs nächtliche Buenos Aires: einfach toll!

Irgendwann schlafe ich ein, sogar ganz gut. Und schlage meine ( erstaunten ) Augen kurz vor Santa Rosa ( La Pampa ) wieder auf: IMG_1828IMG_1829 IMG_1830 IMG_1831Nun bin ich für eine Woche bei Elke und Hubert, heute Abend geht’s auf deren Rinderfarm aufs Land. Ich bin gespannt!

 

Hätte, hätte, Fahrradkette …..

Liebe Gudrun,

ab sofort werde ich immer gleich das machen, was du sagst …. Also, wenn ich auf dich gehört HÄTTE, wäre ich gleich an DEM Strand in DEM Hostal gelandet 😉IMG_1790

Montañita ist toll – und  der Strand grandios. Ich bin eine ausdauernde Strandläuferin, aber bis zum Ende hab ich es heute nicht geschafft. Der Ort? Tut meiner alten Hippie-Seele gut – wobei, in der Saison und am Wochenende möchte ich nicht unbedingt hier sein, jetzt gerade ist es prima! Die Unterkunft? Superschön, allerdings auch hier: ganz leer. Was in diesem Fall den Vorteil hat, dass ich für sehr wenig Geld ( knapp 15€ inclusive Frühstück) ein super Zimmer mit einem tollen Meerblick habe (auf dem Bild oben das Fenster ganz rechts)IMG_1776 IMG_1781IMG_1784So bleiben für mich noch eineinhalb Tage zum Strandlaufen, den Surfern zuschauen, im Ort bummeln, was trinken gehen, mich von Ecuador verabschieden …..

Sieben Wochen Ecuador sind fast vorbei. Ein tolles Reiseland! Ecuador ist wunderschön, und hat von allem etwas! Die Berglandschaften – grandios. Galapagos – paradiesisch. Der Regenwald – von dem ich ja nur einen ganz kleinen Ausschnitt gesehen habe – beeindruckend. Die Strände – himmlisch. Quito und Cuenca – wunderschön. Die Leute – meistens sehr nett, zurückhaltend und hilfsbereit. Oft auch sehr, sehr arm.

Meine schönsten Unterkünfte waren die, die ich über Airbnb gefunden habe – einfach weil man gleich Kontakt zu Menschen findet, die vor Ort leben, das ist sehr hilfreich! Vielleicht hatte ich auch ganz viel Glück mit meinen Hosts?! Ach, und das Magic Stone war auch so toll, Aase und Ove sind lieb und herzlich, das war wie nach Hause kommen!

Das Essen superlecker, aber meist ziemlich fett und / oder sehr süß. Hoffentlich habe ich nicht so viel zugenommen! Die vielen Früchte, auch die Säfte – toll!. Meerschweinchen, Ameisen und Würmer habe ich nicht probiert. Und die Suppe mit ganzen Hühnerfüßen war auch nicht so mein Fall….

Essen kann man sehr, sehr günstig, wenn man möchte, und gar nicht mal schlecht. Mein billigstes Menue hat 1.50 Dollar in einer Markthalle auf dem Land gekostet. Für mein ein teuerstes Essen ( Galapagos ) musste ich leider über 20 Dollar zahlen – zur Rechnung kamen noch 24% Steuer und Servicegebühren, das kannte ich vorher noch nicht ….

Transporte – Bus und Taxi – sind extrem günstig, es sei denn, man wird von einem Taxifahrer abgelinkt, was häufiger vorkommt ( aber selbst dann ist es nicht teuer ), Übernachtungen von 4 bis 500 € – je nach Geschmack und Geldbeutel, ich hab im Durchschnitt 17€ bezahlt ( mit Galapagos ), habe aber fast immer schön und mit eigenem Bad gewohnt.

Manch einer wird sich fragen, wie ich mir das leisten kann?

Ich hab alles in allem, inklusive Galapagosflügen, dem Sprachunterricht, fünf Tagen mit Oscar und drei Tagen mit Luis sowie einigen geführten Tagesausflügen in der Gruppe pro Tag 55 € verbraucht. Ohne Touren, Sprachunterricht und Galapagos wären es 34 € gewesen.

Entscheidend ist, dass ich meine laufenden Kosten zu Hause so weit wie möglich reduziert habe: Haus vermietet, Auto abgemeldet usw. So gebe ich hier kaum mehr Geld aus als zu Hause. Ob das in den nächsten Ländern klappt, bleibt abzuwarten. Argentinien, Chile und Neuseeland sind sehr teure Reiseländer……

Alles in allem schaue ich auf glückliche sieben Wochen zurück, in denen ich wahnsinnig viel erlebt und gesehen habe.

In ein paar Tagen wird sich vieles ändern, nicht nur das Land, auch meine Art zu reisen. Zuerst eine Woche bei den Verwandten in der argentinischen Pampa, dann über drei Wochen Buenos Aires – mit Tango, Jacqueline und anderen netten Menschen sowie – jawoll !! –  Englischunterricht……

 

IMG_1768Ach, bevor ich es wieder vergesse:

Ich hab so einigen lieben Menschen eine schöne Karte von den Galapagos-Inseln geschrieben. Die einzige, die angekommen ist, ist die, die in die Schweiz gegangen ist. Seufz. Holt also morgen eine schöne Gedankenkarte ( wahlweise mit Leguan oder Seehund ) aus eurem Briefkasten und fühlt euch sehr gegrüßt!