Archiv des Monats: November 2013

Fünf Tage Valparaiso

Sonntag, 24.11. fahre ich mit dem Bus von Mendoza gen Valparaiso. Die Fahrt ist nicht lang, nur etwa acht Stunden …. hier verschieben sich die Relationen. Meinen Lieblingsplatz bekomme ich nicht mehr, aber eine Reihe weiter hinten kann ich auch gut sehen – und es lohnt sich! Einen Teil der Stecke kenne ich von der gestrigen Tour, nun hab ich Gelegenheit, noch mal in Ruhe zu schauen ….. ich finde die Landschaft so toll!

Die Kontrollen an der chilenischen Grenze sind ziemlich langwierig. Natürlich müssen alle aussteigen, Handgepäck und sämtliche Koffer werden aufs genaueste kontrolliert. Man darf keine frischen Sachen, also Gemüse und Obst, mitnehmen, und manche müssen ganze Koffer voller Olivenöl auspacken ( scheint in Chile teuer zu sein ). IMG_3485Nach eineienhalb Stunden geht’s weiter, ich bin gepannt auf Chile! Nachmittags komme ich in Valparaiso an – allein dieser Name! Toll!! Und das Meer ….. hab ich ja auch schon ne Weile nicht mehr gesehen. Ziehe am Busbahnhof schnell Geld, schnappe mir ein Taxi und lasse mich in ein sehr schönes B&B ( Yellow House ) bringen. Außerhalb meines Limits, aber was solls. Chile soll ja sehr teuer sein. Und ja, so ist es…….das merke ich gleich an den Taxipreisen.

Nachmittags schaue ich mir ein bisschen die nächste Umgebung an. Valparaiso wurde auf knapp 40 Hügeln erbaut wurde. Es gefällt mir ganz gut! IMG_3496

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Die erste Nacht muss ich in einem benachbarten Apartment verbringen, das B&B ist ausgebucht. Die Qualen halten sich sehr in Grenzen! 🙂 IMG_3502Wow …. wie schön, was für eine tolle Aussicht auf Hafen und Meer. Und: Bad mit Badewanne. Das hatte ich bislang noch nicht. Nach dem ganzen Mendoza – Hosteloberschimmelgammel kann ich diesen Luxus sehr genießen! Da es hier deutlich kühler als in Mendoza ist (  etwa 18 Grad weniger …… ), gönne ich mir ein schönes Vollbad – genial. Ich schlafe schon in der Wanne ein, und später im Bett wie ein Stein. Reisen macht ( mich) doch sehr müde!

Am nächsten Tag schaue ich mir Valparaiso etwas genauer an, nebenbei suche ich mir eine Unterkunft ab Mittwoch, dann ist mein jetziges B&B ausgebucht. Hat für mich den Vorteil, dass ich mir etwas suchen kann, das zentraler liegt. Momentan mag ich abends gar nicht ausgehen ….. der Weg in die Innenstadt, so wird mir in der Touristeninfo gesagt, ist gefährlich. Und Taxifahren kostet hier richtig Geld!

Der Cerro Alegre ( Cerros heißen hier die Hügel, und alegre bedeutet fröhlich ) ist sehr nett, es gibt viele tolle Fotomotive:  – und man kann so schön auf den Cerro Artelleria schauen:  in dem gelben Haus wohne ich 🙂IMG_3534 IMG_3512 IMG_3519 IMG_3523 IMG_3526IMG_3518IMG_3578 Am nächsten Morgen mache mich auf den Weg nach Viña del Mar, das ist ein Badeort, der direkt an Valparaiso angrenzt. Beide Orte zusammen haben etwa 300000 Einwohner. Viña del Mar ist nicht gerade eine Schönheit, aber der Strand ist nett:IMG_3550IMG_3563 IMG_3561 (2)Das Wasser ist total kalt, dafür soll der Humboldtstrom verantwortlich sein. Manche baden trotzdem, aber nie lange. Und ich finde es ganz schön, die Füße mal wieder in den Pazifik zu halten.

Ich genieße meinen Strandtag, kümmere mich um meine weitere Reiseplanung und muss abends schon wieder zusammen packen – morgen geht’s in mein nobles Boutique – Hotel auf dem Cerro Alegre. Dort gibt’s neben sehr schönen, großen und superteuren Zimmern ( 300 US Dollar oder so ) auch Schlafsäle. Außer mir gibt’s kaum Gäste, ich hab mein geteiltes Zimmer für mich alleine.IMG_3566IMG_3568Seit Tagen versuche ich rauszufinden, wo man denn in Valparaiso so schön Tango tanzen gehen kann, wie mir berichtet wurde. Die Interneteinträge sind uralt, ich schreibe einen Tanzlehrer an, der mir auch antwortet. Leider schreibt er, dass es in dieser Woche keine einzige Milonga in Valparaiso gibt, stattdessen möchte er mich in seine Tanzstunde am Abend einladen.

Tja ….. nun gut, mache ich mich also auf in die Tanzstunde. Den Ort finde ich, es ist ein völlig (!)runtergekommenes Haus, ich wär nie darauf gekommen, dass hier Unterricht stattfinden kann. Schade, dass ich meinen Fotoapparat nicht dabei habe!

So langsam trudeln die Leute ein, die meisten fangen gerade erst mit dem Tango an, wir sind ungefähr 15. Am Anfang gibt es Übungen – jeder geht für sich allein, übt Schritte, Drehungen ….. das kenne ich schon von der Tanzschule in Buenos Aires, in die ich vor vier Jahren tapfer immer mal wieder besucht habe – tapfer deshalb, weil es eher zum Abgewöhnen als zum Spaßhaben war. Nun gut, ich übe fleißig mit, später wird mir ein ganz guter Tänzer zugeteilt, und es fängt an, Spaß zu machen. In der Pause gibt es Wein und Cola, ich unterhalte mich nett und finde die Leute sehr herzlich. Nach dem Unterricht werde ich sogar noch nach Haus gefahren, ich bin ganz froh, weil Valparaiso besonders nachts nicht ungefährlich sein soll. Und ich freue mich über den schönen Abend! Dafür ist Tango besonders toll: Leute vom Ort kennen zu lernen und alleine in einer fremden Stadt schön ausgehen zu können!

Am nächsten Morgen holt mich Michael, ein Guide, im Hotel ab – ich habe zusammen mit zwei ganz netten amerikanischen Pärchen einen Tag Stadtrundgang gebucht. Und das lohnt sich! Michael wohnt seit Jahren hier und kennt viele Leute, wir besuchen Privathäuser und hören viele interessante Geschichten. Wandbilder und Graffiti sehen wir unzählige, ich hab mindestens hundert fotografiert – dafür gibt es  später einen extra Blogbeitrag.

IMG_3608 IMG_3628 (2) IMG_3646IMG_3677 IMG_3686IMG_3614 IMG_3583 IMG_3574IMG_3572Die elektrischen Leitungen sind atemberaubend ……  IMG_3729IMG_3622Und die liegen hier auch unzählig herum ….. ich glaub ich hab noch nie so viele herrenlose Straßenhunde gesehen – die sind aber hier alle recht entspannt.IMG_3743Und das ist einer der über 100 Jahre alten Fahrstühle, die einen in die höher oder tiefer gelegenen Stadtviertel bringen – gewöhnungsbedürftig, aber bequem 🙂IMG_3492IMG_3697IMG_3700Mittags gehen wir im Cinzano essen, einem uralten Traditionslokal. Später schlendern wir noch ein bisschen weiter, trinken einen Kaffee, und dann ist der schöne Tag auch schon wieder vorbei.

Für mich heißt es schon wieder Sachen packen. Valparaiso ist atemberaubend, nicht nur schön, aber auf jeden Fall anders und sehenswert. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Aber ich habe nur einen kleinen Teil gesehen, es wird davon abgeraten, die höher gelegenen Cerros zu besuchen. Besonders entspannt konnte ich hier nicht spazieren, die nettesten Viertel sind Cerro Alegre und Cerro Concepcion – dort sind die meisten Fotos entstanden. Hier sind auch die vielen Touristen unterwegs. Es gibt hinter alten Fassaden erstaunlich luxeriöse Hotels und Restaurants, diese Viertel gelten als sicher. Unterhalb der Hügel in dem modernen Zentrum mit breiteren Geschäftsstraßen merkt man deutlich, dass es sehr viele bitterarme Menschen gibt.

Mit dem chilenischem Spanisch komme ich nicht so gut zurecht – es ist noch schwieriger als in Argentinien. Und was auch ein bisschen nervt – ich werd hier ständig übers Ohr gehauen. Das ist mir weder in Ecuador noch in Argentinien passiert ( oder die Leute haben es dort so schlau angestellt, dass ich es nicht gemerkt habe …. ).

Nach langen Überlegungen und Hin und Her bin ich mit mir übereingekommen, ein paar weitere Sehenswürdigkeiten auszulassen ( z.B.: die  Atacamawüste ….. aber immerhin habe ich sie ja schon vom Flugzeug aus gesehen ) und an den Ort zurückzukehren, an dem es ganz sicher jede Menge Tango und Milongas gibt ….. hey, wann kommt man denn sonst für 70€ nach BsAs ????????  😉

 

 

 

 

Vom Frühling in den Hochsommer …..

Mittwoch, 20.11. komme ich morgens um halb neun nach 17 Stunden Busfahrt In Mendoza an. Die Fahrt ist so schön! Ich mache ganz viele Fotos vom Bus aus, es ist faszinierend zu beobachten, wie sich die Landschaft verändert. Schade, vom fahrenden Bus aus werden die meisten Bilder ein bisschen unscharf ….IMG_3091 IMG_3096 IMG_3103IMG_3106 IMG_3108 IMG_3112IMG_3117 IMG_3124 IMG_3160IMG_3164IMG_3169IMG_3186 IMG_3264Das ist kurz vor Mendoza – hier kommt also der gute, argentinische Wein her: IMG_3306Auch sonst gibt es das eine oder andere schöne Fotomotiv …. und alle paar hundert Kilometer mal ein Dorf:IMG_3199 IMG_3200 IMG_3197IMG_3192Und so sieht es aus, wenn man oben vorne sitzt. Die Füße gehören zu meinen Sitznachbarinnen, ich habe einen Einzelplatz. Ich bin sogar einen Tag später als geplant in Bariloche losgefahren, damit ich genau diesen Platz bekomme – den find ich so cool! Coche Cama ( Cama = Bett ) fährt sich prima, die Sitze sind breit und bequem, und man hat viel Platz für die Beine. So ist die lange Busfahrt wirklich gut auszuhalten.IMG_3214In Mendoza – Busbahnhof angekommen, schnapp ich mir ein Taxi und mach mich auf zu meiner AirBnB – Unterkunft. Nach zwei Minuten dort sein weiß ich: da hab ich voll daneben gegriffen. Es ist keine Privat-Unterkunft, sondern ein ganz schäbiges Hotel, dreckig, ungepflegt, dunkel, schlecht riechend, ekeliger Besitzer, alles bäääh. Total (!!) teuer dazu. Niemand dort, nur ich. Bin abgenervt, Geh erst einmal duschen ( iiih ) und frühstücken. Seufzziemlichdolle.

Nach meiner kleinen Stadterkundung komme ich an einem Hostel vorbei, das mir auf Anhieb sehr gut gefällt.IMG_3350 Ich lasse mir ein Zimmer zeigen und reservier für die nächsten Nächte. Fragt sich nur, wie ich aus der anderen Reservierung  herauskomme – AirBnB bucht ja immer gleich von der Kreditkarte ab. Ich kann die verbleibenden Nächte stornieren, ziehe aber den Zorn des indischen….. ääähja…. Hoteliers auf mich. Wir haben reichlich Stress miteinander, blöd auch, dass ich der einzige Gast in dem riesigem, stinkigen und  düsteren Haus bin….. abends geh ich zum Ausgleich richtig nett ( allein ) essen, sehr häufig habe ich das auf meiner Reise noch nicht gemacht. Inzwischen habe ich damit aber gar kein Problem mehr.  Man kann lernen, das sogar schön zu finden! 🙂

Am nächsten Morgen packe ich meine Sachen und will kurz vor acht das Hotel verlassen – geht leider nicht, alles ist zugeschlossen, der Besitzer ist nicht auffindbar. Ich glaub es nicht … und die Situation wird mir zunehmend unheimlich … nach ner halben Stunde Suchen, Rufen, an tausend Türen Klopfen kommt er dann doch und lässt mich raus.

Zu meinem neuen Hostel kann ich bequem laufen, dort ist alles nett und freundlich, und es gibt andere Menschen…. allerdings, und das merke ich jetzt erst, ist es auch nicht besonders sauber. Oh Mann. Wieso muss ich erst sagen, dass ich nicht in der dreckigen Bettwäsche von meinen Vorgängern schlafen möchte?

Vormittags mache ich eine Stadtrundfahrt mit einem Touribus, um mir einen Überblick zu verschaffen – Mendoza gefällt mir sehr gut! Das liegt vor allem an einem über 500 km langen Bewässerungssystem, so ist diese Stadt wunderbar grün, und es gibt viele, viele Bäume – ich war noch nie in einer Stadt mit so vielen Alleen, einfach wunderbar.IMG_3337 Obwohl es hier deutlich über 35 Grad sind, macht mir die Hitze nicht so viel aus wie befürchtet. Die Luftfeuchtigkeit ist ganz gering ( man muss aber aufpassen, dass man nicht zu Staub zerfällt – also trinken, trinken, trinken. Und eincremen! ), der viele Schatten in der Stadt und ja klar, ich muss ja nicht arbeiten!! Zwischen 14.00 und 17.30 geht nicht viel, aber alles davor und danach ist total okay!IMG_3311IMG_3345Mendoza hat unterschiedlich viele Einwohner, je nachdem, wen man fragt. Die Angaben schwanken zwischen 90.000 und 4 Millionen ….. für mich sind es gefühlte 130 000, die Innenstadt ist klein und überschaubar.

Die Stadt ist sehr schön und weitläufig angelegt. In der Mitte liegt ein riesiger, quadratischer Platz, die Plaza Independencia. Ein paar Blogs entfernt gibt es in jede Richtung etwas kleinere Plätze, die Espana, Peru, Chile und Italia heißen. Außerdem hat Mendoza viele sehr große Parks. Alles ist wunderbar schattig, man kann sich leicht zurechtfinden, nur ich verlaufe mich immer mal wieder 😉IMG_3323 IMG_3339Die Stadtrundfahrt ist besonders nett, weil man an den unterschiedlichen Stationen aus- und ein, zwei Runden später wieder zusteigen kann.IMG_3336Von einem Berg in einem Park kann man einen Blick auf die Umgebung werfen, hier sieht man, wie es in Mendoza aussehen würde, wenn es nicht das tolle Bewässerungssystem geben würde – Vollewüste!IMG_3328IMG_3329Abends gehe ich auf eine Milonga, die laut Internet um 23 Uhr anfängt. Der Unterricht geht fast bis 24 Uhr, dann geht der Tanzabend so langsam los. Heute läuft es nicht ganz so gut – ich komme zwar hin und wieder zum Tanzen, bin aber mit dem Abend nicht so zufrieden. Die Szene ist jung, viele tanzen auf sehr hohem Niveau und sind sehr unter sich. Aber auch sonst ist Mendoza mir wenig zugewand – erst der Stress mit dem Vermieter, ich werde in vielen Lokalen so schlecht bedient, das zweite Hostel ist es auch nicht wirklich, die wenig angenehme Milonga usw.

Komisch, obwohl die Stadt so schön ist, fühle ich mich nicht besonders wohl. Jeden Tag wird es heißer, Samstag sind wir laut Vorhersage schon bei 38 Grad. Ich beschließe, meinen Aufenthalt abzukürzen und mich schon am Sonntag auf den Weg nach Valparaiso zu machen.

Freitag buche ich eine Wein – Tour. Mit einem Kleinbus geht es zu zwei sogenannten Bodegas. Dort wird Wein angebaut und hergestellt. Der erste Betrieb ist eher industriell ( San Huberto ), den Wein kann man hier in jedem Supermarkt kaufen. Der zweite Betrieb ist klein und sehr exklusiv, hier werden eher süße Weine produziert. Zu guter Letzt besuchen wir noch ein kleines Landgut, in dem Oliven angebaut werden. Alle Betriebe werden besichtigt, natürlich mit anschließender Verkostung und Verkaufsprogramm 😉IMG_3353IMG_3356IMG_3363IMG_3367 IMG_3370Weil ich abends noch tanzen gehen möchte ( ja, ich geb Tango Mendoza noch ne zweite Chance 😉 ….. ) und es so heiß ist, halt ich mich bei den Weinen ziemlich zurück. ( die süßen Weine schmecken erstaunlich gut. Ist scheinbar weniger eine Frage von süß oder trocken, sondern eher eine von Anlass und Qualität. Und die in bestem Öl eingelegten, getrockneten Tomaten sind genial!!! Die andern kaufen ganz viel ein, für mich macht es leider wenig Sinn.

Abends mache ich mich auf den Weg zu zur Open – Air Milonga …. ich find sie nicht. Sie soll auf einem Platz in DER Partystraße Mendozas stattfinden. Dort ist eine Bar neben der anderen, alle sind sehr gut besucht. Keine Milonga weit und breit. Ich frage einen Kellner im Haus nebenan, ob das der Platz ist, auf dem Freitags Tango getanzt wird. Jaja, das ist er. Wann fängt es an? So elf, halb zwölf….. Aha. Ich geh noch was trinken, schau wieder vorbei. Kein Mensch. Inzwischen geht meine Laune gen Null, mache mich gefrustet auf den Heimweg. Drei Ecken weiter …. ich hör Tango ….. und da ist sie, die schöne Milonga, die ich den ganzen Abend gesucht habe! Und schön ist sie wirklich!

Wenn man hier jemanden etwas fragt, hört man nie: ich weiß es nicht. Alle antworten sehr überzeugend, egal, ob sie die Antwort wissen oder nicht. Ich falle immer wieder drauf rein, und ich hasse es!!!

Auf der Milonga werde ich von einigen mit Küsschen rechts begrüßt …… oh, ich nehm alles zurück, was ich oben geschrieben habe. Heißt jetzt zwar nicht, dass ich viel mehr aufgefordert werde, aber ich fühle mich gleich wohler und vier oder fünf Tandas tanze ich sehr nett. Die Vals – Tanda mit dem jungen und sehr großen Tänzer in Flip-Flops (!) ist sogar ausgesprochen sehr nett 🙂 Weil ich morgen eine Anden-Tour gebucht habe und sehr früh aufstehen muss, kann ich nicht so lange bleiben.

Stelle mal wieder fest: ich muss lernen, den Dingen mehr Zeit zu geben, bin viel zu ungeduldig. Wie alt muss ich denn noch werden, um endlich gelassener zu werden …….? ( Herr, gib mir Geduld, aber schnell!!)

Am nächten Morgen geht es mit einem Kleinbus in die Berge. Der Tag ist toll, wenn man mal davon absieht, dass ich Rudeltouren ein bisschen peinlich finde. Aber sie sind praktisch, man kommt schnell an besondere Orte und muss nichts selber organisieren. Hier ist es jetzt so heiß, dass ich die Planung gerne anderen überlasse. Ich werde im Hostel abgeholt und muss mich einfach nur in den klimatisierten Bus setzen. Der Guide weiß viel, die Gruppe ist ganz nett, ein deutschsprachiges, weltreisendes Paar in meinem Alter ist auch dabei. Und zu schauen gibt es ganz, ganz viel:  Guanacos, ein Fuchs und jede Menge toller Landschaft. Auf den ersten Blick: Wüste. Auf den zweiten Blick: tollste Farben!IMG_3427IMG_3385 IMG_3395 IMG_3409 IMG_3416IMG_3422IMG_3449 IMG_3477Und so sieht es aus, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist:IMG_3426IMG_3389Ja, Argentinien …… ich werd nicht zum letzten Mal hier sein, da bin ich mir ganz sicher!

Das Land ist grandios und voller Gegensätze. Ich mag Buenos Aires so, da will ich unbedingt wieder hin! Tango, Tango, Tango, Tangooooooo!!!! Zu lange dort tut mir jedoch nicht gut, trotz aller Faszination.

Ein absolutes Highlight waren die Tage in der Pampa – magische Momente, und diese Weite! Unglaublich. Und sowieso, die Entfernungen! Auch unglaublich! Das Land ist riiiiiesig!

Auch die Gegend um Bariloche herum hat mir sehr gut gefallen – fast zu schön um wahr zu sein!

Schade, ich hab nicht alles gesehen, was ich sehen wollte ….. aber ein guter Grund, um bald wieder zurückzukehren! ( Hab ein paar argentinische Pesos nicht mehr ausgeben können … vielleicht sind sie ja bei meinem nächsten Besuch noch was wert !? )

Noch knapp drei Wochen, bis ich nach Neuseeland fliege – so bleibt noch etwas Zeit für Chile. Heute bin ich in Valparaiso angekommen – und hier ist es einfach …. wow!

 

 

 

Zauberhafter Frühling und Tango in Bariloche

Freitag, 15.11., komme ich abends wieder im Green House Hostel an – ist fast wie nach Hause kommen! Ich freue mich, dass ich mich gleich auskenne und beziehe mein kleines, aber sehr gemütliches Einzelzimmer. Abends spät geht’s auf die Milonga. Als ich in dem schönen Restaurant ankomme, ist noch nicht viel los, die meisten sind noch beim Abendessen. Anders als in Buenos Aires gibt es keine Touristen, ich falle auf! Aufgefordert werde ich sehr viel, und von allen werde ich gefragt: wo kommst du her, wo hast du tanzen gelernt, tanzen die Argentinier anders als die Deutschen ( ja! ) ….. mit manchen klappt das Tanzen ganz gut, mit anderen sehr gut und ein paar Traumtänze gibt es an dem Abend auch für mich. Mir wird erklärt, wo ich am nächsten Abend tanzen gehen kann und so gegen zwei fahre ich müde und zufrieden nach Haus.

Am nächsten Morgen steht etwas Unangenehmes an … ich muss das Auto zurück bringen, leider hat es eine sehr tiefe Schramme an der Fahrertür, die Karrosserie ist wie aufgeschnitten. Mir ist das nicht passiert, da muss jemand das parkende Auto gestreift haben. In Deutschland wäre das ein Schaden von mindestens (!!!) 300€ … ich habe eine Selbstbeteiligung von 500 Dollar und mache mir etwas Sorgen um meine Reisekasse.IMG_2876IMG_2877Der Schaden wird in der Autovermietung mit den Worten begutachtet: ach, das ist nicht schlimm, da fehlt nur ein bisschen Farbe, das berechnen wir nicht. Glück gehabt 🙂 Die Latinos sehen manches wohl etwas lässiger!

Nachmittags erwandere ich mir weitere schöne Ausblicke, kühle meine heißen Füße in kalten Bergseen, suche mir einen schönen Pausenplatz und bewundere ein nettes Bushäuschen im Hunderwasserstil:IMG_3004 IMG_3009 IMG_3011 IMG_3021IMG_2726Abends bin ich müde und zu verzagt, um auf die Milonga zu gehen. Nachdem ich ne Stunde mit mir gerungen habe ( gehe ich, gehe ich nicht …. ) geh ich einfach schlafen. Schade!

Sonntag mache ich eine Tour mit dem Schiff auf die Isla Victoria.IMG_3037Das Wetter ist toll, und es gibt viele, meist argentinische Touristen. Ich lerne eine Psychologie – Professorin aus Buenos Aires kennen, die in Bariloche einen Vortrag gehalten und noch einen Urlaubstag genießen möchte. Sie ist Fachfrau für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, reist beruflich sehr viel, auch in Europa und Nordamerika. Mit Erstaunen stellen wir fest, dass die Probleme weltweit die gleichen sind. Alle, die in der Schule arbeiten oder im weiteren Sinne mit Erziehung zu tun haben, wissen sofort, wovon man redet….

Die Isla Victoria ist grandios schön. Für mich ist Ausruhtag, ich laufe in der ganzen Gruppe mit, lasse mir von einem Guide die Pflanzen erklären und bin mit einem kleinen Spaziergang zufrieden.IMG_3044IMG_3050IMG_3047IMG_3062Später geht’s mit dem Schiff noch weiter auf die Halbinsel zum Parque Nacional Los Arranyanes – dort komme ich an die Stelle, die ich mir zwei Tage zuvor 13 km lang erwandert habe. An diesem bezaubernd schönen Ort sieht es diesmal so aus:IMG_3065Menschenmassen wie auf dem Bremer Freimarkt ….. furchtbar. Neben unserem Schiff haben noch ein paar andere Boote angelegt. Ich freu mich, dass ich hier schon mal allein war und geb mir ganz viel Mühe, nicht genervt zu sein 🙂

Auf dem Rückweg kommt plötzlich Wind auf, es gibt plötzlich richtig Seegang … das ist doch nur ein See! Der Guide erklärt, dass es sehr oft viel Wind gibt, die Wellen können bis zu 2m hoch werden!IMG_3067Am Abend raff ich mich dann auf und geh auf eine Milonga, die Sonntags im Casino Bariloche stattfindet. Kaum komme ich herein, werde ich schon an den Tisch gewinkt, an dem der Tanzlehrer sitzt, und auf ein Glas Wein eingeladen. Mit einigen habe ich auch am Freitag schon getanzt. Auch heute werde ich gleich wieder aufgefordert, manche fragen, wo ich denn gestern gewesen bin ….. ach ist das nett. Das kenne ich von deutschen Milongas gar nicht …. dort muss man ja ne ganze Weile tanzen gehen, bevor man auch nur gegrüßt wird ( wenn überhaupt….). Hier ist es nett und familiär! Margit, weißt du noch, in Granada war es auch so nett!

Am Montag geh ich mal wieder ne Runde Fahrrad fahren ….. ich möchte die Tour machen, die ich in meiner ersten Bariloche – Runde wettertechnisch nicht machen konnte. Gut so, denn heute ist es grandios. Der Circuito Chico ist 25 km lang. Ich bin etwas besorgt, ob meine Kondition reicht, es geht nur bergauf und bergab. Bergauf schieb ich dann meistens, schaffe die Tour aber ganz gut. Wolfgang, das wär auch was für dich gewesen! Du hättest die Runde ja  zweimal ( oder dreimal? ) machen können ……IMG_3071IMG_3073Abends kommt eine Frau in meinem Alter im Hostel an. Sie lebt seit vielen Jahren in Israel, kommt eigentlich aus Argentinien, die Kinder sind erwachsen. Ihren Job als Kunsttherapeutin hat sie aufgegeben, um reisen zu können. Wir bedauern es beide, dass wir uns nicht ein paar Tage eher getroffen haben. Außerdem treffe ich die beiden deutschen Frauen wieder, die mir neulich mit der Reiseplanung so gut weiter geholfen haben. So wird es ein netter und sehr interessanter Abend für mich.

Heute heißt es packen, nachmittags startet der Bus nach Mendoza – 16 Stunden Busfahrt stehen mir bevor. Ich freu mich drauf, ich möchte die Zeit nutzen, mich ein bisschen zu sortieren, Eindrücke sacken zu lassen, aus dem Fenster schauen und ein Gefühl für die riesigen Entfernungen in Argentinien zu bekommen.

Tschühüs Bariloche!IMG_3003IMG_3002

 

 

Villa La Angostura

Mittwoch ( 13.11 ) mache ich mich wieder auf den Rückweg Richtung Bariloche. Die Strecke kenne ich ja, fahre mittlerweile etwas sicherer, werde nicht mehr von jedem Fahrzeug überholt und weiß, wo ich windtechnisch besser nicht aussteigen sollte 😉

In Bariloche angekommen fahre ich gleich weiter in Richtung Villa La Angostura. Von dem Ort weiß ich nichts, vermute aber aufgrund seiner Lage am Nahuel Huapi See, dass er sehr schön sein muss. Und das ist er, jedenfalls ist die Lage toll!

Der Ort ist Geschmackssache, mir gehen die gediegenen Dörfer im Schweizer Stil etwas auf die Nerven – ich merke kaum, dass ich in Südamerika bin.

Alle Orte in der Nähe der Nationalparks haben hervorragende Touristeninformationen. Dort kann man sich gleich bei der Ankunft einen Stadtplan holen und  genaue Informationen zu den Übernachtungs- und Wandermöglichkeiten bekommen.IMG_3031

Ich lasse mir zeigen, wo ich die Hostels finde, gleich das erste ( eine Jugendherberge ) gefällt mir und ich checke für zwei Nächte ein. Das ganze Haus ist voller Läufer, die am Wochenende an einem Marathon teilnehmen möchten. Nun gut, es gibt unangenehmere Mitbewohner 😉

Abends schaue ich mir noch ein bisschen den Ort an, koche ( ich finde Gefallen am Hostelleben! ) und klöne ein bisschen mit der jungen Frau, die mit mir ein Zimmer teilt. Sie ist Argentinierin, hat gerade eine Lehrerstelle bekommen und ist auf der Suche nach einem Appartement. Außerdem hat sie Heimweh,  sie ist das erste Mal von zu Hause weg und bekommt ganz viele Anrufe von Mama ( mit Tochterweh ). Ich finde sie süß und bin fast ein bisschen traurig, als sie mich am nächsten Tag verlässt.

Nachts fängt es an zu regnen, nein zu schütten. Und es schüttet 24 Stunden ohne Unterbrechung durch.  Und kalt ist es! Ach nööö. Nachmittags halte ich es nicht mehr aus und mache trotzdem einen Spaziergang, bin aber ziemlich schnell ziemlich nass. Seufz. So zwingt mich der Regen, innezuhalten …..

Ich bin unzufrieden mit dem Tag und damit, dass ich nicht so richtig weiß, wie ( wo ) es weiter gehen soll. Die Gegend hier ist wunderwunderschön, der Frühling toll. Aber habe ich wirklich Lust, von Nationalpark zu Nationalpark zu reisen, überall ein bisschen zu wandern und die schönen Berge zu bewundern ? ( zumal man in Neuseeland ja auch wandert und schöne Berge bewundert ….. )

Abends komme ich mit zwei deutschen Frauen ins Gespräch, mit denen ich gut über meine Planlosigkeit sprechen kann. Das Gespräch wird ganz wichtig für mich. Ich beschließe, nicht wieder in den Süden zu reisen, einiges wird mir dann entgehen und darf für später aufgehoben werden: der Pepito Moreno – Gletscher, Fitz Roy und auch die Fahrt mit der Navimag – Fähre von Puerto Natales nach Puerto Montt durch chilenische Fjorde und Gletscherlandschaften. Letzteres hätte ich sehr, sehr gerne gemacht, doch leider fährt die Fähre in diesem Jahr nicht, Konkurrenzanbieter gibt es nicht. So schade!

Werde wohl für alles, was ich nachholen möchte, bald die nächste Sabbatzeit beantragen müssen! 😉

Jetzt aber steht mir der Sinn nach anderem. Ich möchte nordwärts ziehen und mich am 19.11.  in den Bus nach Mendoza setzen. Mir ist nach Kultur, Stadt und Wärme. Ob ich von dort aus Richtung Santiago und Valparaiso , Atacama oder Bolivien reise, entscheide ich vor Ort.

Der Tag nach dem Regentagt ist herrlich, klar, sonnig, warm. Abends bin ich in Bariloche in meinem schönen grünen Hostel angemeldet, tagsüber bleibt mir genug Zeit für eine lange Wanderung: ich werde von Villa La Angostura aus die Halbinsel Quetrihue durchqueren ( 13 km eine Strecke ). Bevor man losläuft, meldet man sich in der Parkaufsicht an, zahlt ( in diesem Fall ) Eintritt und bekommt eine Karte für den Weg mit.IMG_2996

IMG_3032Der erste Kilometer ist sehr schweißtreibend, der Rest lässt sich prima laufen. Und es gibt ein paar grandiose Aussichtspunkte:IMG_2954 IMG_2962Alle zwei Kilometer gibt’s ein Schild, damit man weiß, wo man ist, manchmal auch genauere Hinweise ….. IMG_2966IMG_296713 km ziehen sich dann doch ganz schön, obwohl mir der Weg unheimlich gut gefällt. Ich mag momentan so gerne allein laufen, hänge meinen Gedanken nach, manchmal denke ich auch einfach … nichts.IMG_2993IMG_2992 IMG_2986Nach drei Stunden bin ich aber doch ganz froh, als dieses Schild auftaucht:IMG_2971Und das ist die Belohnung:IMG_2972 IMG_2976IMG_2983 Und das auch 🙂IMG_2979Zurück geht’s den gleichen Weg, und nach insgesamt sieben Stunden bin ich kaputt, aber glücklich, wieder am Auto. Nicht in allen Nationalparks ist so viel Infrastruktur wie hier, aber Wanderkarten und Wegweiser gibt es immer ( jedenfalls dort, wo ich bislang war). So viel Mut gehört also nicht dazu, die Wege zu gehen …. Brücken aller Art mal ausgenommen …. 😉

In Bariloche angekommen, besorg ich mir am Busbahnhof das Ticket nach Mendoza. Coche Cama ( mit Liegesitzen, in denen sich gut schlafen lässt ) und bekomme noch  meinen Lieblingsplatz : oben ganz vorne mit Panoramablick. Neben dem Busbahnhof ist der alte Bahnhof, heute ein schönes Restaurant. Und was seh ich da für ein Schild???IMG_3001Na, das lass ich mir doch nicht zweimal sagen!

 

Trevelin und der Nationalpark Los Alerces

Am Montag ( 11.11.) mache ich mich von El Bolson aus auf den 150 km langen Weg nach  Esquel und dem Nationalpark Los Alerces. Der Abschied vom Hostel fällt mir leicht, obwohl die anderen Reisenden nett sind, es gibt sogar eine Frau in meinem Alter 😉

Nachdem ich anfangs noch durch liebliche Landschaft und viel Grün fahre, kommt plötzlich das:IMG_2817IMG_2838IMG_2831IMG_2830IMG_2846Irgendwo möchte ich mal anhalten und aussteigen, um nicht nur Bilder vom Auto aus zu machen ….. nach drei Sekunden hab ich voll die Sturmfrisur  😉 IMG_2822Was für ein ( kalter!! ) Wind, unglaublich. Ist hier in der Hochebene bestimmt normal, mich hats eiskalt erwischt ( und die Autotür aus der Hand gerissen ). Ich verzichte auf weitere Fahrtunterbrechungen, obwohl ich eigentlich zwischendurch mal einen Kaffee trinken gehen möchte. Vielleicht an der Raststätte zum Gibtshiernicht???

Fahre also 150 km durchs Nirgendwo, ab und an überholt mich ein Auto oder kommt mir eins entgegen. Autofahren macht hier Spaß, wobei ich mich noch daran gewöhnen muss, dass ich nicht alle zehn Minuten durch ein Dorf komme und nach dem Weg fragen kann.

In Esquel angekommen stelle ich fest: ich mag Esquel nicht, auch wenn dort wunderbare Rotdornbäume blühen ( die mag ich! ) :IMG_2848Das Gute am Auto haben ist, dass man gleich weiter fahren kann, wenn man an einem Ort nicht sein möchte. Und das tue ich, das 25 km entfernte Trevelin wollte ich mir sowieso noch anschauen. Das ist eine alte wallisische Siedlung, es soll dort landschaftlich schön und wunderbar grün sein, und ein hochgelobtes Hostel hat es auch. Also nix wie hin.

Oh, ich bin entzückt, nach dem kargen Esquel liegt das kleine Trevelin wunderbar. Leider gibt es das einzige Hostel nicht mehr, seufz. Dabei ist mein Lonley Planet ganz aktuell.

Ich lasse mir in allen drei Hotels am Ort ein Zimmer zeigen, eins gefällt mir gut, ist aber reichlich über meinem Budget ( die anderen beiden sind auch teuer, aber ätzend ). Seufz, also doch wieder zurück nach Esquel, ein Hostel suchen. Hostel Nr. 2 und 3 gibt es auch nicht mehr ( was ist denn heute los???? ), Hostel Nr. 4 ist weder billig noch schön.  Was tun? Ich eß erst mal ein paar Kekse ( immer wenn ich nicht mehr weiter weiß, muss ich was essen … ), dann fahr ich zurück nach Trevelin und check in dem schönen Hotel ein. Nachdem ich dem Besitzer anbiete, in Dollar zu zahlen, ist das Zimmer auch ganz gut bezahlbar. Argentinien hat eine Inflation von über 25%, alle versuchen, Dollar zu bekommen, es wird viel schwarz und zu einem dann für mich  guten Kurs getauscht. Ich rede viel mit den Leuten und habe noch niemanden getroffen, der mit der Regierung einverstanden ist. Besonders trifft die Inflation natürlich die Selbstständigen.

Am Dienstag mache ich mich auf, um in den Parque Nacional Los Alerces zu fahren. Der Nationalpark ist über 100 km lang und ist nur zu einem kleinen Teil öffentlich zugänglich. Ohne  Auto würde es gar nicht gehen. Nach 35 km Teerstraße habe ich die ersten schönen Ausblicke und mache mich zu einem zweistündigen Spaziergang auf:IMG_2860IMG_2862IMG_2867Später muss ich 20 km fiese Schotterpiste fahren, um dort anzukommen, wo ich eigentlich hin möchte. Die Ausblicke auf Berge und Seen sind fantastisch. Nachdem ich ungefähr die Hälfte des unangenehmen Weges geschafft habe, kommt, oh nein, das:IMG_2874IMG_2875Eine riesige Pfütze und ein kleiner Bach, der direkt über den Weg fließt. Mist.

Klar, die Geländewagen haben hier noch nicht einmal im Ansatz ein Problem, aber woher weiß ich, ob die Pfütze nicht zu tief für mein kleines Auto ist? Was mach ich jetzt? Also gut, erst mal was essen und dann in Ruhe nachdenken 😉

Irgend wann kommt ein Kleinwagen vorbei, fährt mutig durchs Wasser, ich kann mir anschauen wie es geht und beschließe: das kann ich auch.

Nach langer und ziemlich anstrengender Fahrt komme ich endlich am Lago Verde an. Dort gibt es eine Hängebrücke ( aber keine zum Angst haben ), tolle Seen, fantastische Natur. IMG_2929IMG_2881IMG_2888IMG_2894IMG_2930IMG_2934IMG_2916 (2)IMG_2901IMG_2908IMG_2938Ich geh eine ganze Weile spazieren, es sind viele Gruppen unterwegs, schön ist es trotzdem. Schade, die Fotos zeigen nicht, WIE toll es ist.

Ich bin ziemlich spät wieder im Hotel, schaffe noch die Dusche, essen gehen ( das geht hier erst ab neun ) nicht mehr. Morgen steht viel Autofahren an, ich möchte erst zurück nach Bariloche, dann im Seengebiet und dem Nationalpark Nahuel Huapi Richtung Villa La Angostura fahren.

 

 

 

El Bolson

Gestern ( 9.11. ) hole ich gegen Mittag das Auto ab. Der versprochene Neuwagen entpuppt sich als etwas gammeliger Suzuki mit 80 000 km auf dem Tacho ….. bei der Autovermieterin hab ich sowieso ein schlechtes Gefühl, ich glaub die lügt, wo sie nur kann. Ich hab gestern schon unterschrieben und bezahlt ( ich bin blöd, ich weiß ) und hab keine Lust auf Stress. Hoffen wir, dass alles gut geht, auf jeden Fall fährt das kleine Autochen.

Ich hole schnell mein Gepäck aus dem Hostel. Der Abschied fällt leicht, weil ich mich für Freitag schon wieder in diesem netten grünem Haus angemeldet habe, diesmal aber in einem schönen Einzelzimmer unterm Dach. Dann hoffe ich auf besseres Wetter, möchte die Radtour nachholen und auf die Isla Victoria fahren, die mir von Elke und Claudia ans Herz gelegt wurde.

Auf der Routa 40 tuckere ich durch den Nationalpark Richtung El Bolson, dem legendären Hippieort 130 km südlich von Bariloche. Was für eine tolle Landschaft!IMG_2738

Am frühen Nachmittag checke ich im Hostel ein ( diesmal ist es keine ganz so gute Wahl, aber die anderen Reisenden sind sehr nett ) und schaue mir ein bisschen den Ort an. In der Ortsmitte ist heute Markt, es gibt viele Stände mit allerlei Kunsthandwerk.  Es fällt schon auf, dass sich hier viele Hippies niedergelassen haben, auch junge! Es werden Pfeifchen verkauft, Räucherstäbchen, Biomarmeladen, pflanzengefärbte Schafwollkleidung und anderer Kram. Junge langhaarige- und bärtige Männer sitzen auf den Bordsteinen, schnitzen Flöten und knüpfen Freundschaftsbänder.

Und, es gibt ganz viel Jugendliche, die an Straßenecken abhängen. Am nächsten Morgen seh ich die immer noch rumstehen, dann aber reichlich alkoholisiert. Naja, vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass Wochenende ist. Ganz angenehm fühle ich mich hier nicht, das habe ich in einem so kleinen Ort  nicht erwartet.

Abends koche ich wieder, sitze noch ein bisschen in der Küche und klöne. Für zwei Minuten bin ich der Star des Abends …. Ich habe ein Auto, möchte am nächsten Tag in den Nationalpark fahren und habe noch vier Plätze zu vergeben. An die Ausgangspunkte für die Wanderungen zu kommen, ist oft gar nicht so einfach, weil keine öffentlichen Busse dorthin fahren. Die jungen Leute beschließen dann aber doch recht schnell, dass sie anderes vorhaben. Mir ist das auch ganz recht…..

Am nächsten Morgen stell ich mir den Wecker auf sechs. Duschen, eben frühstücken, ab geht die Post. Ich muss ne Dreiviertelstunde Schotterpisten fahren und sehe weder Mensch noch Straßenschild ….. einerseits schön, aber wen kann ich denn nach dem Weg fragen? Auf meinen Orientierungssinn kann ich mich nicht wirklich verlassen, dass weiß ich ja.IMG_2739

Ich finde dann aber doch ganz gut den Ausgangspunkt meiner Wanderung – ich möchte zum Refugio  El Cajon Azul. In der Touristeninfo hat man mir erklärt, dass ich für einen Weg vier Stunden brauchen werde. Acht Stunden Wandern ist ja nicht nichts, zumal das Gelände nicht eben ist ….. hoffentlich schaffe ich das!

Nach einer guten halben Stunde komme ich zum Rio Azul, und ach je, ich muss über zwei Hängebrücken. Umkehren und unbewandert zurückfahren? Ne, auch blöd.IMG_2805Die erste ist für mich schon reichlich unangenehm, die zweite ist noch viel schlimmer. Abgesehen davon, dass die Bretter nicht sehr vertrauenserweckend aussehen und auch welche fehlen, wackeln und schwanken beide Brücken enorm – ich überwinde mich und hangele mich an den Drahtseilen entlang ….. immer bemüht, nicht darüber nachzudenken, dass ich eigentlich Angst habe.IMG_2804Abgesehen von den Brücken ist die Wanderung aber klasse – die Landschaft fantastisch, das Wetter toll. Da ich morgens so früh los bin, treffe ich auf dem Hinweg keinen Menschen – und finde auch das ganz, ganz schön.

Nein, stimmt nicht ganz, an einer Stelle werde ich von ( einer Art ) Robin Hood zu Pferde überholt – unglaublich. Ich glaub ich steh im Märchen. Wenn ich nicht so damit beschäftigt gewesen wäre, meinen Mund wieder zuzuklappen, hätte ich ein Foto machen können.

Nach ungefähr zweistündigem Bergauf- und ab komme ich zum Refugio „La Playita“ – einer kleinen bewirtschafteten Hütte an einem besonders schönem Platz … ich bestelle mir einen Kaffee, beiße von meinem Käsebrötchen ab und finde alles nur schön.IMG_2758IMG_2752IMG_2761Nun fehlt mir noch etwa eine Stunde bis zum Cajon Azul – dieser Teil der Wanderung ist leichter, weil er am Ufer des Rio Azul entlang verläuft, also ziemlich eben ist. IMG_2765IMG_2792Der Cajon Azul, landschaftlich einmalig gelegen, wird richtig bewirtschaftet. es gibt Schafe, ein Pferd, mehrere Katzen, ein bisschen Gemüseanbau, und jemanden, der das ganze Jahr dort wohnt. Im Sommer kommen viele Wanderer vorbei, im Winter muss es sehr einsam sein, zumal es weder Telefon noch Handyempfang gibt, natürlich auch kein Internet.IMG_2775Für mich gibt es eine kleine Pause und noch einen Kaffee, bevor ich mich wieder auf den Rückweg mache.IMG_2777Am kleinen Strand kühle ich meine heißgelaufenen Füße ( hätte ich doch Leder statt Goretex nehmen sollen? ). Das Wasser ist so kalt, dass ich nach fünf Sekunden genug Erfrischung habe. IMG_2790Unterwegs gibt es noch ein paar schöne Ausblicke:IMG_2798IMG_2745Der Rückweg kommt mir viel kürzer als der Hinweg vor, aber das geht mir fast immer so. Seltsam. Nun geht es wieder über die Hängebrücken ( seufzdolleundwiederganzvielangsthab ), den Berg hinauf und mit dem Auto zurück Richtung El Bolson. Ich bin ziemlich kaputt, aber sehr zufrieden mit diesem schönen Tag, und auch ein bisschen stolz auf mich 🙂IMG_2813IMG_2810Ich glaub, ich fang das Wandern an, das gefällt mir!

Ja, bin ich denn in der Schwyz und der zweite Frühling

Seit ein paar Tagen ( genauer: seit dem 6.11. ) bin ich in Bariloche, nach einem langen Reisetag abends um halb elf gelandet. Falls mal jemand mit LAN fliegen möchte – nehmt euch ne Stulle mit. Ich bin in den letzten Tagen drei Mal mit LAN geflogen, und jedes Mal gab es exakt das Gleiche zu essen: 1 Zitronenkeks, 1 Mini – Alfajores ( so eine Art Doppelschokokeks ), eine Minitüte Salzgebäck ( zum Größenvergleich mein zierliches Handy ) Nun gut, nach dem ersten Hungerflug wusste ich dann ja, dass ein Käsebrötchen hilfreich ist 🙂IMG_2693Der Flughafen in Bariloche liegt 20 km außerhalb, es gibt keinen Bus mehr, Taxis eigentlich auch nicht, dafür jede Menge Regen und kalt. Seufz. Gemeinsam mit zwei jungen Männern hab ich dann doch noch ein Taxi erwischt – Geld gespart, und  lustig ist es.

Mein Hostel, das erste meiner Reise, bislang hab ich mich ein bisschen davor gedrückt und mir doch immer lieber ein Hotel oder eine Pension oder eine AirBnB-Unterkunft gesucht. Aber Bariloche ist ziemlich teuer, da liegt es nahe, gleich mal ein bisschen für Neuseeland zu üben 🙂

Als ich ankomme, stehen ein paar sehr junge Männer vor der Tür und rauchen, drinnen ist nicht mehr viel los. Und so sieht das Green House aus:IMG_2684IMG_2689Mein Zimmer darf ich heute Nacht allein beziehen, Glück gehabt. Hier sieht es wie in einer Jugendherberge aus, ich könnte auch auf Klassenfahrt sein …..  Es ist ganz sauber, aber trotzdem etwas gewöhnungsbedürftig. Am nächsten Tag kommt eine junge Amerikanerin mit asiatischem Aussehen dazu, da mein Englisch immer noch ziemlich unterentwickelt ist und sie kein Spanisch spricht, ist die Verständigung nicht ganz einfach.

Abends nervt mich das gemeinschaftliche Wohnen doch ein bisschen ( obwohl wir nur zu zweit sind  ), meine Mitbewohnerin skypt stundenlang sehr schrillstimmig, und ist auch sonst nicht gerade rücksichtsvoll. Leider ist sie so klein, dass sie sich aus dem oberen Bett quasi runterplumpsen lassen muss, was auf dem Holzboden ziemlich laut ist. Seufz.

Den Gemeinschaftsbereich hingegen finde ich ziemlich gemütlich. Nette Musik, gegen Abend wird es voll, alle kochen sich was, die meisten sitzen vor ihren Laptops, manche klönen, lesen, planen ihre Weiterreise. Ich hebe den Altersdurchschnitt erheblich, die meisten sind … na, sagen wir …. höchstens Mitte zwanzig.IMG_2687Ich find es hier ganz schön und auch schön billig ( etwa 10 € mit Frühstück ), zumal ich mich hier auch selber bekochen kann und nicht essen gehen muss ( nach drei Monaten unterwegs sein kann man das sehr genießen! )  Also gerne wieder Hostel, aber doch besser mit Einzelzimmer. Die gibt’s auch hier, waren aber schon vergeben.

Am ersten Morgen schau ich mir Bariloche an. Es ist nett hier, sehr gepflegt, sehr sauber, langweilig europäisch, sehr touristisch. Landschaftlich toll zwischen den drei Seen Nahuel Huapi, Gutiérrez und Mascardi gelegen. IMG_2675IMG_2679Passend zur Schweizer Landschaft gibt es In der Haupteinkaufsstraße viele, viele Schokoladenläden ( neben vielen, vielen Outdoorläden ) und jede Menge Konditoreien. An vielen Namen kann man die Herkunft der zahlreichen Einwanderer erkennen ( ja doch, ich weiß wohl, dass Tirol nicht in der Schweiz liegt …. )IMG_2712Für die Fotos erwische ich die wenigen Sonnenminuten, den restlichen Tag regnet es. Ich fahre mit einem Stadtbus zum etwa zwanzig Kilometer außerhalb und wunderschön gelegenen, sehr noblen Hotel Llao Llao. Früher hätte ich mich gar nicht getraut, heute hab ich mich trotz Gammeljeans in die edlen Hallen gesetzt und mir von einem Gelbbefrackten einen Cafe con Leche reichen lassen. Der hat zwar für hiesige Verhältnisse stolze 48 Pesos ( 6 €  ) gekostet, wurde aber mit drei feinen Pralinen und Spitzendeckchen gereicht. Ich genieße und bewundere die fantastische Aussicht.  Irgendwie erinnert mich die Landschaft sehr an den Teppich, den ich mit 18 bei der Bildteppichkünstlerin Müller-Ortloff am Bodensee knüpfen musste …..IMG_2682 IMG_2681Später fahre ich ins Hostel, mache mir was zu essen, trinke nen Wein und starre gemeinsam mit vielen jungen Menschen in den PC. Schon sehr merkwürdig …..

Am nächsten Tag möchte ich eine Radtour machen, 25 nicht ebene Kilometer ….. kaum stehe ich vor der Fahrradvermietung, fängt es wieder an zu regnen. Ist wohl so wie in Bremen, nur nennt man es hier Frühling …..  und den erkennt man vor allem an den Pflanzen: Tulpen und Ginster blühen, Flieder, meine Lieblingsclematis, sogar eine blühende Magnolie habe ich heute gesehen ….. das ist also mein zweiter Frühling !!IMG_2685 IMG_2686Statt Radtour klettere ich ziemlich sportlich ( die meisten nehmen die Seilbahn ) auf den Cerro Camanario, oben hat man eine tolle Aussicht: IMG_2707IMG_2694Mittags kümmere ich mich um mein neues Luxusprojekt: ich habe beschlossen, mir für sieben Tage ein Auto zu leihen. Die Landschaft hier ist so schön – ich mag einfach mal nach Lust und Laune herum fahren, auch mal jenseits der Bushaltestellen anhalten, mir schöne, wenig überlaufene Stellen in den Parks suchen und  freue mich darauf, meine Sachen völlig chaotisch ins Auto schmeißen zu können.

Später wandere ich  am See Guitierrez bis zu den Wasserfällen, schön ist es, trotz Regen.IMG_2715IMG_2723Morgen Mittag geht’s weiter!

Zwei schöne Tage am Ende der Welt

Montag, 4.11., habe ich eine Ganztagestour gebucht. Guide Alejandro holt mich mit dem Jeep zu Hause an, mit dabei sind außerdem sechs andere Menschen aus Argentinien, Brasilien und Italien. Die Verständigung auf Spanisch klappt ganz gut!

Auf der Routa 3, der berühmten Panamericana, fahren wir eine ganze Weile.IMG_2497Irgendwo im Nirgendwo biegen wir ab und fahren Wege, die ich zu Fuß nicht hätte gehen mögen: überknietiefe Pfützen, tiefe Schlammlöcher ….. zur allgemeinen Belustigung werden wir ordentlich durchgeschüttelt. IMG_2505IMG_2513IMG_2530Die Fahrt macht Spaß, ist aber ein reines Tourispektakel – zum See Fagnano ( der fünftgrößte Südamerikas ) gibt es bessere Wege, die wir auf dem Rückweg auch nehmen.

Die Landschaft ist einfach wunderschön. IMG_2528Gegen Mittag kommen wir zu einem kleinen Häuschen, das dem Guide gehört. Hier wird gegrillt, dazu gibt es Brot, Salat und Wein. Wie die meisten Mahlzeiten in Argentinien ist das Essen ziemlich fleischlastig, Neele, du hättest es schwer!IMG_2598IMG_2545IMG_2565

IMG_2566Gegen Mittag lässt sich auch manchmal die Sonne blicken, Wald und See sind superschön!IMG_2605IMG_2557IMG_2538Nach dem Essen legt Alejandro die Reste an den Waldrand – zwei kleine Füchse kennen das wohl und holen sich abwechselnd und sehr vorsichtig die EssensresteIMG_2576IMG_2580Es war ein schöner und lustiger Tag, aber ich merke, dass diese organisierten Rudeltouren für mich nur ab und an das Richtige sind.

Deswegen mache ich mich am nächsten Morgen alleine auf, um im Nationalpark Tierras del Fuego  ( Feuerland ) ein bisschen zu wandern. Allein in der Natur bin ich nicht – der Park ist gut besucht. Bewegung und frische Luft tun mir gut, ich bin begeistert – ist das schön hier! Leider kommt das auf den Fotos nicht so genial rüber wie es ist  ….IMG_2609IMG_2628IMG_2660IMG_2620IMG_2659IMG_2654IMG_2614Und diese Fotos sind speziell für Claudi:IMG_2646IMG_2643Morgen geht’s auch schon wieder weiter, ein oder zwei Tage mehr hätt ich für Ushuaia noch gut haben können. Und wieder heißt es Abschied nehmen – diesmal von meiner warmherzigen Gastfamilie, Carlos, Wilma und Tochter Jasmin. IMG_2662 Mir steht ein langer Reisetag mit zwei Flügen ( Ushuaia – Buenos Aires und Buenos Aires – Bariloche ) und langem Zwischenaufenthalt bevor. Streckentechnisch ist das ziemlicher Schwachsinn, aber so habe ich das nun mal gebucht. Und das ist der Nachteil an den ( günstigen ) Weltreisetickets: wenn man sich einmal  für eine Streckenführung entschieden hat, muss diese auch abgeflogen werden.

Aber auch blödsinnige Strecken kann man schön finden: ich verabschiede mich von der tollen Landschaft und genieße ( mal wieder ) den Landeanflug auf Buenos Aires 🙂IMG_2665IMG_2669IMG_2671

In Bariloche gibt’s ne Premiere: ich gehe das erste Mal in ein Hostel 🙂

 

Voll das Kontrastprogramm ……. Ushuaia

Samstag, 2.11. muss ich mich von Buenos Aires und meiner lieben Gesellschaft dort verabschieden, was mir wie erwartet schwer fällt. Um 13.20 geht mein Flugzeug vom Aeroparque, dem Inlandsflughafen mitten in der Stadt.IMG_2411Der Flug ist ziemlich unruhig, ich bin aber so müde, dass ich die meiste Zeit vor mich hin döse. Kurz vor der Landung gibt es schöne Aussichten auf schneebedeckte Berge:IMG_2412 IMG_2413 IMG_2414 IMG_2415 Ushuaia bietet schönstes Wetter, vielleicht ein paar Grad zu kühl ???!! Meine neuen Airbnb – Hosts Wilma, Jorge und Tochter Jasmin holen mich ab und bringen mich „nach Haus“. Alles ist  gemütlich und zum Glück sehr gut beheizt!IMG_2486

Nach einer kurzen Kaffee – Pause mache ich mich gleich auf den Weg in den Ort. Ushuaia hat knapp 60.000 Einwohner, jede Menge Touristen ( alle in North Face oder Jack Wolfskin ) und scheint recht beschaulich zu sein. Mein erster Gang: ich kaufe mir eine Mütze! Und stelle fest: auf der Haupteinkaufsstraße gibt es einen Outdoorladen neben dem anderen. Alle haben Mützen, Handschuhe und hunderte von Fleecejacken. Warum hab ich nur in Santa Rosa und in Buenos Aires tagelang nach einem Fleece gesucht? In Ushuaia gibt’s die große Auswahl!

Neben den vielen Läden gibt es auch jede Menge schöner Fotomotive!IMG_2428 IMG_2429 IMG_2424Gegen Abend finde ich eine Bar, die mir gut gefällt. Dort gibt’s leckere Kürbissuppe und guten Wein:IMG_2436 IMG_2434Ich bin früh zu Haus und schnell im Bett. Was ist es ruhig hier – ich schlafe tief und fest, trotz Sturm ( und etwas Neuschnee!!! ) ……. das ist der Blick aus meinem Zimmerfenster heute morgen:IMG_2443Plötzlich habe ich Heimweh – ich bin soooo weit weg! Nach vier Wochen netter Gesellschaft, guten Gesprächen und viel, viel Tango kann ich mir hier nicht aus dem Weg gehen …. wird wohl ein, zwei Tage brauchen, bis ich das Alleinesein wieder genießen kann.

Morgens vergleiche ich die Angebote verschiedener Anbieter und plane die kurze Zeit, die ich hier am Ende der Welt habe: heute Nachmittag möchte ich eine Katamaranfahrt in den Beagle – Kanal, morgen eine Tour in die Berge machen. Dienstag geht’s auf eigene Faust in den nahegelegenen Nationalpark ( wenn das Wetter hält ).

Die Schiffstour heute entpuppt sich als großes Touri – Spektakel mit Kaffeefahrtambiente. Leider können wir nicht ablegen, der Hafen ist geschlossen, das Wetter weiter draußen wohl viel zu windig. Geld gibt’s zurück, und ich weiß nicht, ob ich traurig oder froh sein soll. Versuche, mir den Tag noch schön zu machen, gehe spazieren, fotografieren und fein Kaffee trinken, genieße Beschaulichkeit und wunderbar frische Luft!IMG_2449 IMG_2474 IMG_2468 IMG_2467IMG_2473 IMG_2482 IMG_2472 IMG_2489IMG_2460Hasi am Ende der Welt:IMG_2484

3. Woche in Buenos Aires

Ein Kommen und Gehen im Hotel – aber alle bleiben lange genug, um nach der Abreise vermisst zu werden. Am Samstag, 28.10. verabschieden wir Mariann, später spazieren wir durch die Straßen, besuchen den Markt in der Nähe des Recoleta – Friedhofs. Das Wetter ist schön, die Tangotänzer sind unterwegs, um ein paar Pesos zu verdienen, Touristen und Einheimische genießen den milden Frühlingstag.IMG_2375IMG_2373IMG_2378

Sonntag schaffe ich es endlich, mich mal rauszuziehen. Ich freue mich darüber, dass ich am Nachmittag ganz allein in dem großen Haus bin, liege stundenlang auf der schönen Dachterrasse, döse, schlafe, lese.

Abends gehe ich alleine auf die Milonga „El beso“. Ich bin ziemlich früh dort, die Practica ist gerade vorbei. Auf den Milongas in BsAs kann man sich nicht einfach irgendwo hinsetzen, man muss warten, bis man einen Platz zugewiesen bekommt. Noch ist kaum jemand da, trotzdem warte ich ziemlich lange, bis die zuständige Dame zu mir kommt und mich auf einen ungünstigen Platz abseits in der dritten Reihe plaziert. Dazu muss man wissen, dass es auf einer Milonga ziemlich wichtig ist, wo man sitzt. Da alles über Blickkontakt läuft, sollte man, um tanzen zu können, dort sitzen, wo man sehen und gesehen werden kann! Ich muss etwas energisch werden, um einen anderen Platz zu bekommen. So langsam füllt sich der Saal, schließlich sind bestimmt 60 Frauen da, alles aufgebretzelte Touristinnen. Sie sitzen an zwei gegenüberliegenden Seiten des Raumes, an den anderen beiden Seiten sitzen etwas weniger zahlreich meistens argentinische Männer. Und jetzt erinnere ich mich: hier war ich vor vier Jahren schon einmal ….. und fand die Situation genauso bescheuert wie heute. Damals bin ich gar nicht zum Tanzen gekommen, heute klappt es trotz allem gut. Das Auffordern bzw. aufgefordert werden per Cabezeo liegt mir, und tanzen kann ich inzwischen viel besser. Ich habe viele sehr schöne Tänze, bin irgendwann ganz müde getanzt. Freue mich darüber, dass ich es geschafft habe, so gut für mich zu sorgen, bestelle mir einen Wein, schaue den anderen beim Tanzen zu und gehe zufrieden nach Hause.

Abends erreicht mich noch eine mail von Gertrud aus Bremen. Wir kennen uns nicht, kennen aber beide Cordula, die uns vermittelt hat. Gertrud ist seit einem Tag in BsAs und sofort ausgeraubt worden. Einer jungen Frau aus unserem Hotel passiert am gleichen Tag dasselbe. Man wird auf der Straße von einer freundlichen Person auf Flecken auf der Kleidung aufmerksam gemacht. Diese reicht ein Papiertuch und hilft beim Säubern … hinterher fehlen Geld und Kreditkarte. Alle kennen diese Masche, aber wenn es einen trifft, denkt man nicht dran und reagiert  falsch ….. für mich ist es eine Mahnung, wieder besser aufzupassen. Ich hatte bislang viel Glück – mir ist noch gar nichts passiert!

Ich treffe mich am nächsten Tag mit Gertrud auf einen Kaffee. Abends gehen wir in einer größeren Gruppe in die Bendita-Milonga, möchten noch einmal El Afronte und die Showtänze sehen. Gertrud kommt auch mit und ist trotz des blöden BsAs-Einstieges am Ende die Lustigste von uns!

Ich bin ziemlich erkältet. Alle Milongas sind klimatisiert, und wenn man Pech hat, muss man im eiskaltem Zug sitzen – besonders schön, wenn man vom Tanzen verschwitzt ist. Tuch und Jäckchen sind Pflicht, reichen aber auch nicht immer!

Dienstag fahren Angelika, Jacqueline und ich ins Tigre – Delta. Dort kann man auf Ausflugsschiffen kleine Rundfahrten machen. Schon auf der Bahnfahrt nach Tigre bin ich so müde, später auf dem Schiff schlafe ich einfach ein – der wenige Schlaf und die beginnende Erkältung haben mich geschafft. Abends geht’s dann einfach mal früh ins Bett.DSCN4580 - Kopie (2) DSCN4579 - Kopie (2)DSCN4583 - Kopie (2)DSCN4596DSCN4588 - Kopie (2)IMG_2380

Mittwoch gehe ich mit neuen Hotelgästen ins Sueño Porteño, das war vor vier Jahren meine Lieblingsmilonga. Diesmal bin ich nicht so begeistert, aber am späteren Abend singt Juan Carlos Godoy, ein sehr berühmter Tangosänger. Er ist 92 und ziemlich klapprig, singt mit erstaunlich voller und wunderschöner Stimme von Liebe und Leidenschaft. Das ist sehr anrührend!

Donnerstag bin ich mit Jacqueline kurz auf einer Nachmittagsmilonga, später sind wir dann in Sachen Kneipe mit Live-Musik unterwegs und haben einen absolut schönen und lustigen Abend.

Freitag abend geht’s in der Gruppe ins Gricel, das ich zu meiner Lieblingsmilonga 2013 erkläre. Der Saal ist voll, Stimmung und Tanzniveau sind gut, traditionell, aber nicht steif, wenig touristisch. Da wir erst nach 23.00 losgehen, wird es spät – mit Giselas Absackerwein ist es vier, bis ich im Bett bin – aber was soll man schlafen, wenn man in Buenos Aires tanzen kann!

Was ich tagsüber mache? Freitag schüttet es den ganzen Tag, das kommt mir ganz gelegen, ich packe, sortiere meine Sachen und organisiere meine Weiterreise. Und sonst? Ich weiß es nicht mehr so genau …. Englisch war dabei, verschiedenen Einkäufe, noch ein Friseurbesuch, Weihnachtskekse in einer fantastischen Konditorei fotografieren, essen gehen, viele Gespräche …. IMG_2390IMG_2392

Ich denke lange darüber nach, warum ich die Stadt diesmal so anstrengend finde. Da ist der unglaubliche Lärm, der Verkehr, diese Hektik, unzählige gestresste Menschen, die einem auf der Straße entgegen hetzen.DSCN4606DSCN4609

Hundeausführer … für die, die sich einen Hund halten, aber gar keine Zeit haben. BsAs hat eine große Hundedichte, und, so hörte ich, weltweit die größte Dichte an Psychologen und Psychotherapeuten 😉IMG_2389

Entscheidender ist aber wohl der selbstgemachte Stress: möglichst viel tanzen zu gehen, möglichst alles zu besorgen, was es in den kleinen Orten vielleicht nicht gibt, möglichst viel mit anderen zu machen, möglichst viel viel viel von allem, was später  rar werden könnte. Bedauern darüber, was ich noch alles hätte machen können, aber nicht geschafft habe.

Spüren zu können, wonach mir gerade ist, ist mir manchmal schwer gefallen. Wenn es so viel Schönes gibt, muss man auswählen können …… so war die Zeit in BsAs toll, aber nicht immer ganz einfach für mich.

Aber eins ist sicher: das Tangofieber hat mich wieder! Acht Wochen lang ist das Tanzen in den Hintergrund gerückt, und ich war gespannt darauf, wie es mir in BsAs ergehen wird und ob ich wieder tanzen mag.

Und ob ich mag!

Nun hab ich schon geschaut, ob bzw. wo man in Ushuaia, Bariloche, Valparaiso und Santiago tanzen kann 😉 …..

Samstag packe ich eben fertig und frühstücke noch gemütlich mit den anderen. Marion vom Hotel hat Geburtstag, es gibt Sekt und Ständchen – und ich weiß nicht, ob ich traurig bin, weil ich noch nicht weg möchte, oder ob ich mich auf Neues freue ….. Ushuaia ( die südlichste Stadt der Welt ), ich bin unterwegs!IMG_2411IMG_2439