Am 03.05. geht nachts um eins der Flieger gen Peking. An Bord viele Menschen, die so wie ich eigentlich woanders hin wollen, und nach stundenlangem Warten recht genervt sind. Wasser wird gereicht, anderes gibt es nur auf Nachfrage, zu essen erst mal nichts. Na toll. Zum Essen werden wir später erbarmungslos um 5.00 geweckt. Es gibt asiatiisches Frühstück, d.h. warmes Essen, schwere Kost. Um 6.30 landen wir in Peking, was für ein Smog!
Beim Aussteigen lerne ich die Estländerin Britt kennen, die in Australien lebt und auf Heimatbesuch gen Tallinn reist. Sie ist nett und lustig, spricht gut deutsch und vertreibt mir ein bisschen die stundenlange Warterei auf unseren Anschlussflug.
Den Pekinger Flughafen hatte ich mir altmodischerweise völlig anders vorgestellt – als erstes sehe ich Starbucks und Pizza Hut ……. na denn.

Irgendwann geht’s weiter, und, große Freude, ich bin ( zusammen mit einigen Leidensgenossen ) in die Business – Class gesetzt worden. Von einem Upgrade träum ich schon seit Jahren!
Britt sitzt nur durch den Gang getrennt neben mir, und so werden die nächsten Flugstunden ( acht! ) ganz gemütlich. Ich schlafe ( man kann sich richtig hinlegen, wie toll! ), schau zwei Filme und manchmal auch aus einem meiner Fenster. Staune, wie schön fliegen sein kann.
Blick auf die chinesische Mauer ( etwas trübe Sicht )
und tolle Berge …..
Hasi fliegt Business 🙂
Bald geschafft!
Pünktlich um 14.30 landen wir in Helsinki – juchu Europa! Die Einreiseformalitäten dauern für mich als EU- Bürgerin keine 15 Minuten. Ich spendier mir ein Shuttle – Taxi in mein Hostel, besichtige mein Zimmerchen, such mir den nächsten Supermarkt, wasche einen Haufen Wäsche und geh recht früh ( gefühlt sehr spät – meine innere Uhr tickt ja noch völlig anders ) ins Bett. Glücklicherweise bin ich müde genug, um von der deutschen Schülergruppe, die auf dem Flur für Stimmung sorgt, nichts mehr mitzubekommen.
Sonntag, 04.05., fahr ich ein bisschen Straßenbahn und schau auf einem netten Markt vorbei. Das Wetter ist ganz fein, aber so, so, so kalt!


Ich friere!!!! ( ja, ich weiß, genau DAS wollte ich. Hatte nur vergessen, wie blöd sich das anfühlt! ) Nachmittags haben trotz Sonntag die Geschäfte auf – ich kauf mir Handschuhe, und das im Mai! Die Natur hier ist frühes Bremer Frühjahr: die Osterglocken blühen, auch die Tulpen. Die Birken zeigen erstes Grün, die meisten Bäume haben noch keine Blätter. Ich freu mich – ich kann ein bisschen Vorfrühling nachholen!

Am Montag bleib ich bis Spätmittags im Hostel – es schneit und regnet und ist ziemlich bäh. Nachmittags geh ich in das kleine Yrjönkadun Uinahalli Bad, und das ist wirklich zauberhaft. Mitten in der Stadt gelegen und im schönsten Jugendstil 1928 erbaut. Hier baden Mo, Mi und Fr die Damen; Di, Do und Sa sind die Herren dran. Schwimmen und Saunen kann man mit oder ohne Badeanzug. Man zieht sich direkt in der Halle um, wer ausruhen möchte, kann sich ein kleines Kabinchen auf der Empore im ersten Stock mieten. Ich schwimme meine Bahnen und gehe später ganz zufrieden in die Unterkunft.
Helsinki gefällt mir sehr! Es ist vertraut europäisch, gleichzeitig aber auch ganz fremd. Die Sprache liest sich lustig und hört sich nett an. Ableiten lässt sich rein gar nichts ( jedenfalls nicht von mir…. ). Im Supermarkt muss ich mir helfen lassen, mein Obst abzuwiegen. Ich weiß nicht, welches Wort zu welchem Gemüse gehört. Aber alle, wirklich alle Finnen sprechen bestens Englisch, zum Glück!
Die Stadt ist großzügig und weitläufig, es gibt viele ganz tolle Jugendstilfassaden!

Dienstag, 06.05. weckt mich der Sonnenschein. Auf geht’s, ich miete mir ein Fahrrad und dreh ne Runde am Wasser entlang. Es ist so schön hier!
In einem schnuckeligen, kleinen Cafe am Wasser bleib ich zwei Kaffeelängen lang und find es wunderbar. Am frühen Nachmittag bin ich schon wieder im Hostel ( und verkriech mich für den Rest des Tages dort ) – mir ist so kalt!
Mittwoch, 07.05., wird ein ganz besonderer Tag für mich: Neele kommt, um mich zu besuchen – ich freue mich schon seit Wochen darauf. Morgens kann ich es ruhig angehen lassen, am späten Vormittag mache ich mich auf den Weg zum Flughafen ( wie es so meine Art ist, bin ich sehr pünktlich da – die letzten Minuten ziehen sich ganz schön in die Länge ). Doch dann ist sie da! Wie freuen uns beide riesig!

Das Wetter ist dem Anlass entsprechend super. Nachdem wir das Gepäck ins Hostel gebracht und ein bisschen was gegessen haben, machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Wir schauen uns den tollen Dom an und spazieren eine kleine Runde. Abends wird gekocht, ausführlich erzählt und ein bisschen geblödelt.




Am nächsten Tag haben wir wenig Glück mit dem Wetter. Wir haben keine fünf Grad, außerdem regnet es von morgens bis abends ohne Unterbrechung. Oooch nöö. Wir lassen uns die Laune nicht verderben, kaufen uns Tageskarten für den öffentlichen Nahverkehr und fahren den halben Tag kreuz und quer durch Helsinki. Zwischendurch steigen wir auch mal aus, schlendern durch die Markthalle, gehen einen Kaffee trinken oder in das eine oder andere Geschäft. Für den Abend haben wir uns Karten für die Seven Fingers, die im Rahmen des Zirkusfestivals im finnischen Staatstheater auftreten, besorgt. Die Artistik – Truppe kommt aus Kanada und bietet eine tolle Show. Was für ein schöner Abend!

Freitag, 09.05. ist es – juchu – trocken und viel wärmer. Nach dem reichlich späten Frühstück ( wann hab ich das letzte Mal bis halb zehn geschlafen? ) leihen wir uns Fahrräder und machen eine kleine Tour auf zwei Halbinseln in Innenstadtnähe ( Mustikkama – Korkeasaari ). Die Bewegung tut gut, die Luft ist frisch und ab und an blinzelt sogar ein bisschen die Sonne hervor. Wir können auf einer Bank sitzen, Brötchen essen, Fotos machen.
Zurück in der Stadt gibt’s Kaffee und einen kleinen Bummel durch die Geschäfte. Später möchte ich Neele gern das kleine Cafe zeigen, dass mir vor ein paar Tagen auf meiner Fahrradtour so gut gefallen hat. Gesagt, getan.
Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg zurück ins Hostel. Unterwegs erwischt es uns eiskalt – es schüttet, innerhalb von wenigen Minuten sind wir pitschnass. Jetzt gerade finden alles so richtig scheiße. Mit der Brille und dem Regen kann ich nicht wirklich sehen, und so nehmen wir auch leider nicht den kürzesten Weg nach Haus, sondern fahren noch einen tüchtigen Umweg. Endlich angekommen, geht’s für uns sofort unter die heiße Dusche und für die Klamotten in den Wäschetrockner. Den restlichen Tag bleiben wir wo wir sind und versuchen, unsere Körpertemperatur wieder hochzufahren.
In dieser Nacht haben wir Pech mit den Hostelnachbarn – es gibt Party und ziemlich viel Lärm. Wenn man nicht gerade selber feiert, macht das ein bisschen aggressiv …..
Auch der Samstag hat seine Höhen und Tiefen. Am Vormittag radeln wir zwar müde, aber noch ganz guter Dinge durch die Stadt. Später erwischt uns beide eine Übelkeit, die wir nicht recht erklären können. Kann ein Milchkaffee schlecht sein und Bauchweh machen? Den langen Rest des Tages liegen wir flach, so schade. Trotzdem, geteiltes Leid ist halbes Leid, und eigentlich finde ich die Situation auch ein bisschen gemütlich 🙂
Packen muss trotzdem sein, am frühen Sonntagmorgen möchte ich mich auf den Weg zum Flughafen machen. Neele nimmt einen anderen Flieger und darf etwas länger schlafen.
Mir hat Helsinki trotz Kälte und Regen sehr gut gefallen, und vor allem hat mir Helsinki mit Neele gut gefallen. Es war so schön, von ihr abgeholt zu werden. Wir hatten Zeit für uns, viele schöne Gespräche und so manche lustige Aktion. So sind die letzten Tage für mich das Sahnehäubchen auf einer tollen Reise 😀
Den finnischen Tango hab ich übrigens nicht gefunden, die Touristeninfo wusste auch von nichts. Merkwürdig ……
Die ( äußere ) Reise ist fast vorbei, ich fühle mich reichlich seltsam. Was hat sich verändert, hab ich mich verändert, wie wird es sein, wieder zu Haus zu sein?
