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3. Woche in Buenos Aires

Ein Kommen und Gehen im Hotel – aber alle bleiben lange genug, um nach der Abreise vermisst zu werden. Am Samstag, 28.10. verabschieden wir Mariann, später spazieren wir durch die Straßen, besuchen den Markt in der Nähe des Recoleta – Friedhofs. Das Wetter ist schön, die Tangotänzer sind unterwegs, um ein paar Pesos zu verdienen, Touristen und Einheimische genießen den milden Frühlingstag.IMG_2375IMG_2373IMG_2378

Sonntag schaffe ich es endlich, mich mal rauszuziehen. Ich freue mich darüber, dass ich am Nachmittag ganz allein in dem großen Haus bin, liege stundenlang auf der schönen Dachterrasse, döse, schlafe, lese.

Abends gehe ich alleine auf die Milonga „El beso“. Ich bin ziemlich früh dort, die Practica ist gerade vorbei. Auf den Milongas in BsAs kann man sich nicht einfach irgendwo hinsetzen, man muss warten, bis man einen Platz zugewiesen bekommt. Noch ist kaum jemand da, trotzdem warte ich ziemlich lange, bis die zuständige Dame zu mir kommt und mich auf einen ungünstigen Platz abseits in der dritten Reihe plaziert. Dazu muss man wissen, dass es auf einer Milonga ziemlich wichtig ist, wo man sitzt. Da alles über Blickkontakt läuft, sollte man, um tanzen zu können, dort sitzen, wo man sehen und gesehen werden kann! Ich muss etwas energisch werden, um einen anderen Platz zu bekommen. So langsam füllt sich der Saal, schließlich sind bestimmt 60 Frauen da, alles aufgebretzelte Touristinnen. Sie sitzen an zwei gegenüberliegenden Seiten des Raumes, an den anderen beiden Seiten sitzen etwas weniger zahlreich meistens argentinische Männer. Und jetzt erinnere ich mich: hier war ich vor vier Jahren schon einmal ….. und fand die Situation genauso bescheuert wie heute. Damals bin ich gar nicht zum Tanzen gekommen, heute klappt es trotz allem gut. Das Auffordern bzw. aufgefordert werden per Cabezeo liegt mir, und tanzen kann ich inzwischen viel besser. Ich habe viele sehr schöne Tänze, bin irgendwann ganz müde getanzt. Freue mich darüber, dass ich es geschafft habe, so gut für mich zu sorgen, bestelle mir einen Wein, schaue den anderen beim Tanzen zu und gehe zufrieden nach Hause.

Abends erreicht mich noch eine mail von Gertrud aus Bremen. Wir kennen uns nicht, kennen aber beide Cordula, die uns vermittelt hat. Gertrud ist seit einem Tag in BsAs und sofort ausgeraubt worden. Einer jungen Frau aus unserem Hotel passiert am gleichen Tag dasselbe. Man wird auf der Straße von einer freundlichen Person auf Flecken auf der Kleidung aufmerksam gemacht. Diese reicht ein Papiertuch und hilft beim Säubern … hinterher fehlen Geld und Kreditkarte. Alle kennen diese Masche, aber wenn es einen trifft, denkt man nicht dran und reagiert  falsch ….. für mich ist es eine Mahnung, wieder besser aufzupassen. Ich hatte bislang viel Glück – mir ist noch gar nichts passiert!

Ich treffe mich am nächsten Tag mit Gertrud auf einen Kaffee. Abends gehen wir in einer größeren Gruppe in die Bendita-Milonga, möchten noch einmal El Afronte und die Showtänze sehen. Gertrud kommt auch mit und ist trotz des blöden BsAs-Einstieges am Ende die Lustigste von uns!

Ich bin ziemlich erkältet. Alle Milongas sind klimatisiert, und wenn man Pech hat, muss man im eiskaltem Zug sitzen – besonders schön, wenn man vom Tanzen verschwitzt ist. Tuch und Jäckchen sind Pflicht, reichen aber auch nicht immer!

Dienstag fahren Angelika, Jacqueline und ich ins Tigre – Delta. Dort kann man auf Ausflugsschiffen kleine Rundfahrten machen. Schon auf der Bahnfahrt nach Tigre bin ich so müde, später auf dem Schiff schlafe ich einfach ein – der wenige Schlaf und die beginnende Erkältung haben mich geschafft. Abends geht’s dann einfach mal früh ins Bett.DSCN4580 - Kopie (2) DSCN4579 - Kopie (2)DSCN4583 - Kopie (2)DSCN4596DSCN4588 - Kopie (2)IMG_2380

Mittwoch gehe ich mit neuen Hotelgästen ins Sueño Porteño, das war vor vier Jahren meine Lieblingsmilonga. Diesmal bin ich nicht so begeistert, aber am späteren Abend singt Juan Carlos Godoy, ein sehr berühmter Tangosänger. Er ist 92 und ziemlich klapprig, singt mit erstaunlich voller und wunderschöner Stimme von Liebe und Leidenschaft. Das ist sehr anrührend!

Donnerstag bin ich mit Jacqueline kurz auf einer Nachmittagsmilonga, später sind wir dann in Sachen Kneipe mit Live-Musik unterwegs und haben einen absolut schönen und lustigen Abend.

Freitag abend geht’s in der Gruppe ins Gricel, das ich zu meiner Lieblingsmilonga 2013 erkläre. Der Saal ist voll, Stimmung und Tanzniveau sind gut, traditionell, aber nicht steif, wenig touristisch. Da wir erst nach 23.00 losgehen, wird es spät – mit Giselas Absackerwein ist es vier, bis ich im Bett bin – aber was soll man schlafen, wenn man in Buenos Aires tanzen kann!

Was ich tagsüber mache? Freitag schüttet es den ganzen Tag, das kommt mir ganz gelegen, ich packe, sortiere meine Sachen und organisiere meine Weiterreise. Und sonst? Ich weiß es nicht mehr so genau …. Englisch war dabei, verschiedenen Einkäufe, noch ein Friseurbesuch, Weihnachtskekse in einer fantastischen Konditorei fotografieren, essen gehen, viele Gespräche …. IMG_2390IMG_2392

Ich denke lange darüber nach, warum ich die Stadt diesmal so anstrengend finde. Da ist der unglaubliche Lärm, der Verkehr, diese Hektik, unzählige gestresste Menschen, die einem auf der Straße entgegen hetzen.DSCN4606DSCN4609

Hundeausführer … für die, die sich einen Hund halten, aber gar keine Zeit haben. BsAs hat eine große Hundedichte, und, so hörte ich, weltweit die größte Dichte an Psychologen und Psychotherapeuten 😉IMG_2389

Entscheidender ist aber wohl der selbstgemachte Stress: möglichst viel tanzen zu gehen, möglichst alles zu besorgen, was es in den kleinen Orten vielleicht nicht gibt, möglichst viel mit anderen zu machen, möglichst viel viel viel von allem, was später  rar werden könnte. Bedauern darüber, was ich noch alles hätte machen können, aber nicht geschafft habe.

Spüren zu können, wonach mir gerade ist, ist mir manchmal schwer gefallen. Wenn es so viel Schönes gibt, muss man auswählen können …… so war die Zeit in BsAs toll, aber nicht immer ganz einfach für mich.

Aber eins ist sicher: das Tangofieber hat mich wieder! Acht Wochen lang ist das Tanzen in den Hintergrund gerückt, und ich war gespannt darauf, wie es mir in BsAs ergehen wird und ob ich wieder tanzen mag.

Und ob ich mag!

Nun hab ich schon geschaut, ob bzw. wo man in Ushuaia, Bariloche, Valparaiso und Santiago tanzen kann 😉 …..

Samstag packe ich eben fertig und frühstücke noch gemütlich mit den anderen. Marion vom Hotel hat Geburtstag, es gibt Sekt und Ständchen – und ich weiß nicht, ob ich traurig bin, weil ich noch nicht weg möchte, oder ob ich mich auf Neues freue ….. Ushuaia ( die südlichste Stadt der Welt ), ich bin unterwegs!IMG_2411IMG_2439

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Highlights und ganz viel Großstadt

Die Zeit ( das Leben ) rast hier ganz verrückt – das muss einfach mit dieser Stadt zu tun haben! Eine Galapagosstunde ist etwa so lang wie 10 von diesen seltsamen Zeiteinheiten, die hier Stunde genannt werden ….

Unglaublich, dass ich schon 14 Tage in Buenos Aires bin. Schöne 14 Tage, viele Gespräche, viel Tango und viel Spaß. Und manchmal auch große Sehnsucht nach Natur, guter Luft und ganz viel Ruhe.

In der letzten Woche hatte ich drei Doppelstunden Englisch, aber ich bin keine fleißige Schülerin und könnte sicher schon viel weiter sein. Es gibt ( hier ) einfach Schöneres, als Hausaufgaben zu machen.

Dienstag, 22.10., stehen Mariann und ich sehr früh auf. Das Teatro Colon vergibt Freikarten für ein Konzert am Donnerstag – aber man muss früh dort sein, um welche zu bekommen. Wir haben Glück und kommen sogar noch rechtzeitig genug zurück ins Hotel, um frühstücken zu können.

Am frühen Abend gehen wir auf eine schöne Milonga ( Nuevo Chique ) , die zu Fuß zu erreichen ist. Wir kommen viel und gut zum Tanzen und gehen sehr zufrieden nach Haus.

Mittwoch klingelt der Wecker wieder ( zu ) früh – Jacqueline und ich wollen nach Colonia in Uruguay fahren. Dafür muss man mit der Fähre über den Rio de la Plata fahren, was etwa eine Stunde dauert.IMG_2209Colonia ist schön, klein und sehr grün. Der historische Teil ist Weltkulturerbe und wirklich  sehenswert.IMG_2288Wir spazieren durch den Ort, gehen sehr teuer und sehr schlecht ( aber mit Blick aufs Wasser – schöööön! ) frühstücken und genießen Sonne, Luft und Großstadtpause.IMG_2226IMG_2227IMG_2262Später besteigen wir den kleinen Leuchtturm und schauen uns den Ort von oben anIMG_2231IMG_2233IMG_2241IMG_2239Mit dem Stadtbus fahren wir zur Plaza de Toros , die mitten in einem weitläufigen  Wohngebiet liegt. Die Stierkampfarena ist 1910 gebaut worden. Schon zwei Jahre später sind die Stierkämpfe in Uruguay verboten worden, so wurde diese Arena nur wenige Male benutzt. Heute ist sie verfallen, aus Sicherheitsgründen abgesperrt und wirkt in dieser Umgebung wie ein sehr seltsamer Fremdkörper.IMG_2272Anschließend geht’s zum Strand – hier sieht es ja aus wie an der Ostsee! Schön!IMG_2275Ganz plötzlich wird es sehr stürmisch, später auch viel kühler und ungemütlicher.IMG_2276Nach einem schlichten Abendessen sehen wir uns den Sonnenuntergang und ganz aus der Ferne die Wolkenkratzer von Buenos Aires an – ich muss aufpassen, dass ich nicht nur fotografiere, sondern auch einfach nur mal schaue! So schön! IMG_2310IMG_2342IMG_2321IMG_2343IMG_2324Später nehmen wir die Fähre zurück nach Buenos Aires – das war ein schöner Tag, nur etwas zu kalt. Nach dem Temperatursturz vom letzten Wochenende war die ganze Woche kühl und unbeständig.

Am Donnerstag geht es nachmittags zu viert zum Konzert ins Teatro ColonIMG_2350IMG_2353IMG_2356IMG_2354Das Orquesta Academica del Instituto Superior de Arte del Teatro Colon ( Abschlussklasse der Musikstudenten ) spielt Debussy, Ravel und Saint-Saens. Zu einigen Stücken spielt die Solistin Virginie Roblliard, die wohl recht bekannt ist. IMG_2361IMG_2367Ich hab zwar keine Ahnung, finde Musik und Akustik aber toll und freue mich, mal in diesem wunderschönen Theater gewesen zu sein.

Abends gehen wir in einer größeren Gruppe in die bemerkenswerte „Undergroundmilonga“ La Catedral. Das Publikum ist sehr jung, das Ambiente sehenswert schräg. Es gibt ganz viel zu schauen: Chacareraeinlagen ( das ist ein Volkstanz ), Livemusik und Showtänzer ( nein, kein Tango, eher Folklore mit Steppeinlagen ), sehr bewegliche Salsa- und richtig gute Tangotänzer . Am sehr späten Abend kommen wir noch ein wenig zum Tanzen. Für uns ältere Damen war es eher eine Schau-und-Staun-Milonga als eine Tanzmilonga, aber trotzdem sehr schön. Schade, dass ich meinen Fotoapparat nicht mitgenommen habe!

Freitag geht’s wieder zum Englisch, ich nehme eine Tangostunde und dungel den restlichen Tag so vor mich hin. Abends gehen wir in einer kleinen Gruppe ins Gricel, das ist die Milonga, die mir schon neulich so gut gefallen hat, Freitags geht sie von 22.30 bis 4.00 Uhr. Der Saal ist voll, die Stimmung klasse, die Musik sehr fein, und ich habe Glück: sehr sehr viele ganz wunderbare Tänze für mich!

 

Alles rast hier – vor allem die Zeit!

Ich weiß nicht warum, die Zeit vergeht hier so so schnell – ist nicht allein meine Beobachtung, das geht auch anderen so!

Ich mache wenig dies und wenig das und schwups ist schon wieder ein Tag vergangen ……. vielleicht liegt es auch daran, dass wir manchmal bis Mittags beim Frühstück sitzen. Es gibt immer andere Gäste, die ich am gemeinsamen Frühstückstisch treffe, man berichtet von der gestrigen Milonga oder erzählt alles mögliche.

Am Donnerstag, 17.10., habe ich meine erste Englisch – Einzelstunde. Die ist für mich ziemlich anstrengend, weil alles auf Spanisch erklärt wird und ich mich auf zwei Fremdsprachen gleichzeitig einstellen muss. Aber ich bin froh, dass ich mich endlich überwunden habe ( zu Hause hab ich mich vorm Kurs gedrückt …. ) Englisch ist einfach nicht meine Sprache, aber ein bisschen muss ich unbedingt dazulernen, damit ich in Neuseeland und in Asien einigermaßen zurechtkommen kann.

Abends gehen wir zu fünft auf eine Milonga ins Gricel. Das wird ein sehr schöner Tanzabend. Wir kommen alle viel zum Tanzen, die Stimmung ist gut, der Saal ist voll, die Leute nett.

Am Freitag habe ich nach dem Frühstück ( also so gegen halb eins ) eine weitere Englischstunde.  Englisch fällt heute noch schwerer, vielleicht hätte ich mich doch besser nicht bis nachts um drei festquatschen sollen …. Nachmittags machen wir uns auf den Weg nach Palermo, wir haben dort einen Friseurtermin. Marion vom Hotel hat uns Edu empfohlen, der nicht nur gut schneiden kann, sondern auch ziemlich lustig ist. Zum Schluss gibt’s noch ein Erinnerungsfoto:IMG_2134Am Abend gehen wir in das Lokal, in dem wir schon vor vier Jahren immer waren und hervorragend gegessen habe. Hier ist es immer brechenvoll, man trifft nur Einheimische. Kugelrund und viel zu satt laufen wir später nach Haus. Heute geht Tanzen wirklich nicht mehr, ich wiege gefühlte 100 kg mehr 😉IMG_2137Für Sonntag ist Regen und ein Temperatursturz angesagt, deswegen nutzen wir am Samstag das schöne und ziemlich warme Wetter aus, mieten uns Fahrräder und fahren in den Parque Natural. Dieses Naturschutzgebiet liegt zwischen Puerto Madero und Rio de la Plata ( der hier so breit ist, dass man das andere Ufer nicht sehen kann ) . Ein bisschen Ruhe und Natur mitten im Weltstadtwahnsinn bekommen mir sehr gut!IMG_2144IMG_2152IMG_2149Auf dem Rückweg schauen wir noch bei Mafalda vorbei, die wahrscheinlich am meisten fotografierte Dame der Stadt:IMG_2164Abends gehen Mariann und ich auf eine Milonga, die in nur zwei Blocks Entfernung von unserem Hotelito liegt  ( Milonga en Rojo, Alsina 2540 ). Stimmung und Publikum könnten einem Tanzteenachmittag im Altersheim entsprungen sein – nach einer Stunde gehen wir einfach ( gähnend und seeehr müde ) nach Haus.

Sonntag schauen Jacqueline und ich ins Museum für Moderne Kunst, eigentlich darf man nicht fotografieren, wir tun es trotzdem und haben jede Menge Spaß:IMG_2176IMG_2178IMG_2179IMG_2182 IMG_2184IMG_2167 IMG_2169 (2)Auf dem Weg nach Hause streifen wir kurz den Sonntagsflohmarkt in San Telmo und hören ein bisschen dem tollen Tangoorchester El Afronte zu – superschön!IMG_2166Einen Tag später sehen wir die Truppe in voller Besetzung in der Milonga Bendita wieder, dort spielen sie jeden Montag und Mittwoch. Auch der Sänger ist toll!IMG_2190IMG_2191Später gab es feinen ShowtanzIMG_2197 IMG_2205Und zwischendurch konnte man natürlich auch selber tanzen. Das Publikum war gemischt, es gab sehr, sehr viele Touristen  – auf der Tanzfläche am Tanzstil zu erkennen 😉

 

 

Großstadt, Tango, schlechte Laune …..

Dienstag ( 15.10. ) gibt es bei mir recht viel zu erledigen. Der Tag fängt damit an, dass ich versuchen muss, meinen Sachbearbeiter für Bezüge, Kindergeld und Trallala in Aurich anzurufen. Herr H. hatte mir  ( bzw. meiner Homebasis in Bremen – Dietrich danke dir vielmals!!!  ) ein Formular zukommen lassen, welches ich zusammen mit verschiedenen Nachweisen innerhalb von vier Wochen einzureichen habe. Dazu muss man wissen, dass ich noch von Bremen aus versucht habe, Herrn H. telefonisch zu erreichen, was mir leider nicht gelungen ist ( entweder besetzt oder AB ) Aber mit einer Frau M. hatte ich gesprochen, außerdem hab ich diverse mails geschrieben. Leider hat sich Herr H. nie zurück gemeldet, bis auf die oben erwähnte Formulare.

Da die Zeit drängt, spreche ich für viel, viel Geld Herrn H. per Handy aufs Band  ( ja, man kann auch in einen der vielen Telefonläden hier gehen, ist viel billiger. Ist nur nicht möglich, wenn man auf dem Amt in Deutschland nur bis zwölf anrufen kann und es fünf Stunden Zeitverschiebung gibt ). Leider kann man Herrn H. auch nur sehr kurz aufs Band sprechen, so muss ich halt zweimal anrufen und mich zweimal durch mindestens zwei Minuten telefonischer Ansage quälen ….. grrrrrrrrrrrmpffffffffffff

So habe ich dann schon vorm Frühstück reichlich schlechte Laune …..

Später buche ich in der Sprachschule den Englischunterricht, besorge allerlei Sachen, finde keine Schuhe. Na toll.

Buenos Aires ist atemberaubend, aber auch sehr gewöhnungsbedürftig. Vor vier Jahren, das fällt mir jetzt wieder ein, waren die ersten Tage auch furchtbar anstrengend. Es ist unglaublich laut, hektisch, voll und stellenweise ziemlich dreckig und heruntergekommen. Mitten im Großstadttreiben und – lärm liegen an einigen Stellen einzelne Obdachlose schlafend auf dreckigen Matratzen, als Passant macht man eben einen kleinen Bogen und kümmert sich nicht weiter. Das gab es damals auch schon, es schockiert mich immer wieder! Aber klar, auch in Bremen hab ich in den letzten Jahren am Bahnhof Leute gesehen, die in den Abfalleimern nach Essbarem suchen …… das schockiert mich auch!

Und plötzlich ist es heiß, der Frühling ist da. Das Foto habe ich mittags gegen eins gemacht, ein paar Grad ist das Thermometer noch gestiegen. Hier ist die Wärme anders als in der Pampa, die Luft ist viel feuchter – ich schwitze!IMG_2069Gegen Nachmittag schaue ich auf einen Kaffee in das berühmte Tortoni, eines der vielen wunderbaren Cafes in dieser Stadt:IMG_2072Aber auch hier bin ich tendenziell genervt, es ist einfach ziemlich voll, die Leute ( meist Touristen )stehen Schlange und warten darauf, dass ein Tisch frei wird. Am frühen Nachmittag fahre ich in der ( wie könnte es anders sein) rappelvollen U – Bahn  ( Sardinenbüchse ist nichts dagegen ) ziemlich fertig Richtung Hotel. Ich hab nicht alles geschafft, was ich schaffen wollte, ich will  nur noch meine Ruhe und Füße hochlegen.

Jacqueline geht’s genau so … vielleicht braucht man einfach ein paar Tage, um sich an diese  wunderbar – schreckliche Stadt zu gewöhnen?

Abends melden sich aber meine Lebensgeister wieder – ich gehe mit Mariann auf eine sehr traditionelle Milonga ganz in der Nähe. Jeden Abend hat man die Auswahl zwischen sieben und etwa fünfzehn Milongas. Manche beginnen schon nachmittags und enden abends, manche fangen erst um 23.00 an, dort kann man bis morgens um drei oder vier tanzen.

Kaum sitzen wir, werden wir schon zum Tanzen aufgefordert und kommen auch später viel zum Tanzen. Eine traditionelle Milonga hat in Argentinien sehr (!) feste Regeln, die alle Sinn machen.

Man bekommt einen bestimmten Sitzplatz zugewiesen, dabei sitzen die Männer auf der einen, die Frauen auf der anderen Seite.  Aufgefordert wird per Cabezeo – man schaut sich an und stimmt durch ein leichtes Nicken zu. Ablehnen kann man, indem man einfach wegschaut – niemand anderes merkt es und niemand wird bloß gestellt. Hier wird jeweils nur eine Tanda ( 3 – 4 Musikstücke ) zusammen getanzt, dann werden alle Damen zurück an den Platz begleitet, neue Tanzpaare bilden sich. So wird viel häufiger als auf den Milongas in Deutschland gewechselt, das finde ich schön. Das Verhältnis Tänzer – Tänzerinnen ist recht ausgelichen, das finde ich noch schöner 😉

Ganz zufrieden gehen wir nach Haus – die schlechte Laune ist weg und wird unter „Eingewöhnung“ abgeheftet!

Heute morgen finde ich  ( endlich! ) eine mail von Herrn H. in meinem elektronischen Briefkasten …… alles ist in Ordnung, die Formulare und die Aufforderung, Nachweise zu erbringen, sind einfach nur automatisch versendet worden ….. ( hä????? )

Na, abgesehen davon, dass ich mindestens 15 € vertelefoniert habe, bin ich froh, der Tag fängt eindeutig besser an.

Nach dem Frühstück habe ich eine Einzelstunde bei Fabian  – eigentlich wollte ich nur ganz manchmal eine Stunde haben – wenn man aber so einen tollen Tanzraum und einen fantastischen Tanzlehrer direkt im Haus hat, ist es gar nicht so einfach, sich zu beschränken 😉 IMG_2082IMG_2099IMG_2087Fabian hat ein entzündetes Auge, deswegen die Sonnenbrille ….

Nachmittags fahren Jacqueline und ich zum Bummeln nach Palermo Soho, quasi das Ostertorviertel ( oder : Prenzlauer Berg ) von Buenos Aires. Wir bummeln durch vergleichsweise ruhige, schöne Straßen, überall gibt es feine  Boutiquen und nette Cafes.IMG_2116IMG_2122IMG_2125Den Abend beschließen wir ganz ruhig auf der Dachterrasse unserer Unterkunft mit Wein ( ich ), Keksen ( Jacqueline ) und fast vollem Mond. So schön!

Morgen hab ich meine erste Englisch – Stunde. Seufzdolle ……

Und morgen Abend wird getanzt!

 

Ankunft in Buenos Aires

Etwas später als erwartet treffe ich in Buenos Aires ein …. die Busfahrt von Santa Rosa ist nicht ganz so nett wie die Hinfahrt …. das liegt sicher auch daran, dass ich beschlossen hatte, ein bisschen zu sparen und deswegen die etwas weniger luxuriöse Busvariante ausgesucht habe. Vor der Abfahrt waren Elke und ich noch schön essen – an Hunger oder Durst kann der schlechte Schlaf wirklich nicht gelegen haben …..

Am Busbahnhof in Buenos Aires stelle mich an die Taxischlange an ( hier stehen nicht die Taxis in der Schlange, sondern die Leute, die eins brauchen) und bin kurz darauf im Apassionata Tango, ein schönes, kleines Tango-Hotel in der Nähe der Plaza Congreso. Mein Zimmer ist prima, und besonders Spaß macht es mir, meine Sachen komplett auszupacken 🙂 hier bleibe ich drei Wochen, und ich habe Zeit und Lust, mich häuslich einzurichten. Alle Zimmer haben hier ein Thema, meines heißt „Tango-Bar“…. ( zweite Tür von links )IMG_2038Blick von der Galerie auf den Innenhof ( Frühstücksplatz und Gästeküche )IMG_2036

Nach dem Duschen, Frühstück und Auspacken zieht es mich in die Innenstadt … ich flaniere die Florida ( Fußgängerzone ) hoch und runter, kaufe mir ein Kleid ( bin momentan so gar nicht nicht zum Tanzen gehen ausgerüstet) und staune. Ich hatte vergessen, wie laut, quirlig und anstrengend Buenos Aires ist! Heute wird auch die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus gefeiert, der 12.10. ist ein wichtiger Festtag in ganz Südamerika! So sehe ich jede Menge Musikgruppen und viel Fiesta.IMG_2007IMG_2015Abends fragt mich Marion ( Marion und Fabian leiten das Tango – Hostel, organisieren Tangoferien, Fabian gibt genialen Tango-Unterricht ), ob ich mit ihr, der kleinen Maya und dem Aupair Sarah zu einem Umsonst-und-Draußen Musicalevent kommen möchte – klar möchte ich! Vor dem Planetarium ist eine große Bühne aufgebaut, ein riesiges Orchester spielt, Solisten treten auf. Die Musicalkomponisten Cibrian und Mahler werden für 30 Jahre und viele Musicals geehrt – sie sind anwesend, ebenso wie sehr viele tolle Künstler, die einzelne Stücke aus den verschiedenen Musicals spielen und singen. Marion erzählt, dass es in Buenos Aires immer wieder tolle Veranstaltungen gibt, die für die Bevölkerung umsonst sind – allen soll der Zugang zu Kultur und Kunst möglich sein. Auch ins Theater Colon kann man einmal im Monat gehen, ohne Eintritt zu zahlen.

Ich genieße den Abend sehr, auch wenn ich nach dreieinhalbstündiger Aufführung ziemlich durchgefroren bin. Der Frühling fängt hier ja erst an!IMG_2021IMG_2034Am nächsten Morgen trifft auch schon Jacqueline ein, ach, ich freu mich! Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg nach San Telmo, dort findet jeden Sonntag ein riesengroßer Flohmarkt statt.IMG_2043Straßenmusik …. die schönsten Tangos werden gespielt – und das wirklich gut!IMG_2046

Viele Läden sind geöffnet, und wir finden unseren Lieblingsladen von vor vier Jahren wieder:IMG_2048Ganz am Ende kommen wir auf die Plaza Dorrego, dort findet jeden Sonntag gegen Abend eine Open-Air Milonga statt. Diesmal schauen wir ( aus dem ersten Stock – dort gibt es eine Bar ) nur zu ….IMG_2057Buenos Aires ist einfach toll ( aber auch: laut, hektisch, dreckig ….)

Heute schlafen wir aus, und: ich hab meine erste Tangoeinzelstunde bei Fabian. Ich bin sehr nervös, aber ich merke schon: es geht doch noch!! Abends gehen Jacqueline, Mariann ( supernett, wohnt in unserem Hostal ) und ich auf eine Milonga, die in einem großen Pavillion in einem Park stattfindet. Am Anfang fremdeln wir noch ein bisschen, aber hinterher macht es so viel Spaß! Es gibt viele Tänzer, und wir kommen alle drei gut zum Tanzen. Ich glaub das Tangofieber hat mich wieder 😉

Morgen möchte ich zur Sprachschule und schauen, ob ich ein paar Englischstunden nehmen kann. Und ansonsten: Ich freu mich auf viel Großstadt und viel Tango!