Archiv des Monats: März 2014

6 Tage Sydney

Am 23.03. klingelt mein Wecker früh, dummerweise wache ich mit starken Halsschmerzen auf. Oh nein, Krankwerden passt ganz besonders gar nicht! Ich bin ein aufgeregt und freue mich auf Neues.

Roger bringt mich sehr lieberweise wieder zum Flughafen. Der Abschied von ihm, Miriama und von Neuseeland fällt schwer. Es hat mir so gut gefallen! Wer weiß, ob ich da jemals wieder hin komme, es ist so weit weg ….

Der Flug ist ruhig, die Einreise nach Australien wider Erwarten absolut (!) unkompliziert. Dank Neele ( sie hat mir einen kleinen Sydney – Reiseführer geschickt ) kann ich schon im Vorfeld den Stadtplan studieren und weiß genau, wo ich hin muss und wie ich dort hinkomme. Auch weiß ich schon, dass es 7 Tage Kombi – Tickets gibt. Mit denen kann man soviel Bus, Bahn und Fähre fahren, wie man möchte, Das kaufe ich mir gleich am Flughafen und freue mich eine ganze Woche lang, dass ich es habe.IMG_7868

Alles ist ganz einfach und super organisiert. Mein Hostel liegt direkt neben dem Hauptbahnhof, ist groß, sehr sauber und wirklich gut. Dafür, dass ich hier mit sehr großem Abstand die Älteste bin und mich alle etwas irritiert mustern, kann das Hostel ja nichts.  Das ist die Aussicht von der tollen Dachterrasse:IMG_7875Ich beziehe schnell meinen Dorm ( auch der groß und geräumig ) und mache mich auf, um die Stadt zu erkunden.IMG_8096IMG_8214

Der hier begegnet mir auf einem kleinen Grünstreifen in direkter Bahnhofsnähe. Claudi, wer ist das ???? IMG_7870

Na klar, als erstes dorthin, wo alle anderen auch hinfahren, zum Circular Quai:IMG_7878Ich schnapp mir gleich ziemlich planlos eine der Fähren und bewundere Oper, Harbour Bridge und Sydneys Skyline – sieht schon begeisternd cool aus 🙂IMG_7885IMG_7892IMG_7902Nach einer kurzen, aber wunderschönen Fahrt steige ich im Darling Habour aus und laufe durch die Stadt wieder zurück. Zufällig komme ich am Observatory Hill vorbei, von dem aus man eine wunderschönen Blick auf die Brücke und den Norden von Sydney hat:IMG_7931Ich spaziere durch das alte Viertel „The Rocks“, bummele über den netten Sonntagsmarkt mit schönem Kunsthandwerk, esse einen Maiskolben und husche, wieder am Circular Quai angekommen,  gleich auf die nächste Fähre, diesmal Richtung Manly. Laut Reiseführer ist das „die schönste kleine Schiffsreise der Welt“. Das finde ich zwar reichlich übertrieben, aber schön ist es schon, vor allem die Rückfahrt im Abendlicht ist sehr stimmungsvoll.IMG_7957IMG_7989Müde und etwas angeschlagen mache ich mich auf den Weg in mein Hostel, esse und gehe früh schlafen. Meine fünf Mitbewohnerinnen sind alle noch nicht da, aber ich bin so kaputt, dass ich tief und fest schlafe und mich nicht mehr stören lasse.

Am nächsten Morgen erzählt mir Judith aus meinem Dorm, dass um halb elf an der Town Hall eine kostenlose Stadtführung beginnt. also nichts wie hin! Die Guide zeigt auf sehr unterhaltsame Weise schöne Orte im Innenstadtbereich.IMG_7997 Das Wetter ist ziemlich kühl ( um 20 Grad und regnerisch ), ich finde es für eine Stadtführung ganz angenehm. Gestern war es deutlich wärmer und sehr schwül. Einen Aufstieg auf den Sydney Tower kann man sich heute aber wohl sparen.

IMG_8004Ist das nicht schön? IMG_8000IMG_8002Diese Straße kenne ich schon von Fotos, die Käfige sollen an die 50 Vogelarten erinnern, die hier mal gelebt haben. IMG_8013Das ist die Mafalda von Sydney 😉 Trotz zahlreicher Flirtversuche der anwesenden Frauen zeigt sich dieser Herr recht abweisend ……

IMG_8015Später laufe ich am Museum für zeitgenössische Kunst vorbei, dass direkt am Circular Quai liegt. Und stelle fest, juchu, hier hat vor vier Tagen die Biennale Sydney ( you imagine what you desire ) angefangen. Der Eintritt ist an allen Ausstellungsorten umsonst. Kann man sich für Deutschland gar nicht vorstellen!

Glück gehabt und nichts wie rein!

IMG_7937IMG_8034IMG_8040IMG_8047IMG_8045IMG_8054IMG_8056Diese hier haben mir besonders gut gefallen – sie sind groß, sehr zart und sehen aus wie Wasser! Anfassen strengstens verboten, aber fotografieren ( ohne Blitz ) kann man überall. Auch das kenne ich anders ….IMG_8078IMG_8080Das Museum gefällt mir sehr, auch das Cafe ist wunderbar:IMG_8084 (2)IMG_8086Und den hier der Vollständigkeit halber 😀IMG_8087Abends gehe ich zum Tango. Der findet im Hinterzimmer einen eher rustikalen Kneipe statt, ist klein und fein und ich hab Spaß. Tango ist so toll!

Am Dienstag, 25.03. spaziere ich ein bisschen durch Chinatown, bin aber früh dran – alle Läden und Restaurants sind noch geschlossen. Was soll’s, Asien hab ich ja demnächst genug!IMG_8091IMG_8092Ich spaziere wieder gen Hafen, frage unterwegs nach ner Karte für den „König der Löwen“ ( leider ausverkauft ) und setze mich in die Fähre zur Watson Bay. Von dort aus fahre ich mit dem Bus weiter zum legendären Bondi Beach: Sydneys Naherholungsgebiet und Surfertraum.IMG_8099IMG_8108Und das ist mein persönlicher Traum! Das ist zwar ein privater Club, aber zum Schwimmen kann jeder kommen – und im Schlossi muss man mehr bezahlen! Da dieser Ausflug sehr spontan und völlig ungeplant ist, hab ich doofe Nuss keine Badesachen dabei. Mist!IMG_8119IMG_8123Stattdessen spaziere ich den Coast Walk zum Bronte Beach entlang. Ist auch schön, zum Schauen gibt es jedenfalls genug …..IMG_8133IMG_8135IMG_8147IMG_8159IMG_8162Am Ende vom Bronte Beach gibt es wieder einen Pool,  frei zugänglich und auch sehr nett. Ach Menno, hier muss ich nochmal hin!IMG_8172Abends schau ich wieder beim Tango vorbei, diesmal nennt es sich Experimentaltango …… Ort und Musik gefallen mir sehr, leider ist nur sehr wenig los. Der Tanzlehrer erbarmt sich meiner und tanzt ein paar Mal mit mir – das wiederum ist sehr schön!

Mittwoch muss ich umziehen. Ich wollte von Anfang an in die Jugendherberge am Hafen, leider war diese an den ersten drei Tagen ausgebucht. So bin ich den halben Tag damit beschäftigt, auf mein neues Zimmer zu warten. Seufz. Ich bin unausgeschlafen, meine Mitbewohnerinnen waren wenig rücksichtsvoll. Ich habe das Dormleben ziemlich satt und bin einigermaßen schlecht gelaunt. Dazu kommt, dass ich stark erkältet bin und mich krank und schlapp fühle ….

Und das ist die Aussicht von der Jugendherbergsterrasse! Ist das toll oder ist das toll?IMG_8177IMG_8218 IMG_8222

Nachmittags geht’s zur ( deutschsprachigen ) Führung in die Oper. Das Gebäude ist grandios!IMG_8209IMG_8196Die Oper und ihre Entstehungsgeschichte sind interessant. Kosten sollte sie mal 7 Millionen Dollar, 107 sind  daraus geworden. Das kommt einem irgendwie bekannt vor 😉

Führungsteilnehmer bekommen Opernkarten viel günstiger, und so kaufe ich mir doch noch für den nächsten Abend eine Karte für „Carmen“. Wenn ich schon mal hier bin …..

Mittwochabend muss ich endlich einsehen, dass ich zu fertig bin, um mein geplantes Programm stramm durchzuziehen. Also heute kein Tango und morgen nicht früh aufstehen, um in die Blue Mountains zu fahren. Stattdessen ausschlafen und es ruhig angehen lassen. Die Entscheidung fällt schwer. So krank kann ich nicht sein 😉

Donnerstag regnet es in Strömen und das den ganzen Tag lang. Im Reiseführer lese ich, dass es in Sydney etwa doppelt so viel regnet wie in Mitteleuropa. Was meine Woche hier betrifft, kann ich das bestätigen. Blauen Himmel sehe ich nur zweimal: am Tag der Ankunft und am Tag der Abreise. Aber immerhin erlebe ich warmen Regen.

Ich setze mich in die Fähre nach Cockatoo Island, im Hafen von Sydney gelegen. Diese kleine Insel wurde früher als Gefängnis benutzt, außerdem war sie Standort zweier Schiffswerften. Heute wird sie für kulturelle Ereignisse genutzt, so dient sie momentan als Ausstellungsort der Biennale.IMG_8242Diese Objekte gefallen mir unheimlich gut – besonders in dieser Umgebung! IMG_8261 (2)IMG_8255IMG_8276 (2)Besonders angerührt hat mich diese Installation, die so und ganz anders in verschiedenen Räumen eines alten Wohnhauses zu sehen ist. Die Künstlerin hat Gemälde, Projektion und Skulptur kombiniert. IMG_8285IMG_8288 (2)Ich schaue noch ein bisschen herum, was bei dem Regen nur begrenzt Spaß macht, und fahre am Nachmittag zurück. IMG_8244 IMG_8245Abends geht’s zu Carmen – ich dope mich mit Nasentropfen, Hustenbonbons und jeder Menge Taschentüchern. Sicher bin ich heute die Traumsitznachbarin aller Opernbesucher 🙂

Das Ambiente ist einfach so schön! IMG_8300IMG_8298IMG_8295IMG_8304Die Oper….. nun ja. Ich find’s ganz schön, und viele Melodien kenne ich. Aber drei Stunden lang? Nö, heute nicht. In der Pause geh ich einfach. Ich darf das 😀

Freitag Morgen um fünf packen die beiden Asiatinnen in meinem Dorm ihre Koffer. Seufzdolle. Mit den Dorms bin ich nicht ziemlich, sondern komplett durch. Jedenfalls fürs Erste. Ich freue mich auf Bali und auf hoffentlich schöne Hotelzimmer.

Nach ein bisschen Reiseorganisation ( das braucht für diese Reise  doch viel Zeit – ich bin so froh, dass ich mein Tablet dabei habe und nicht in irgendwelchen Internetcafés oder Hostellobbys hängen muss ) mache ich mich auf den Weg zur Art Gallery. Auch in Sydney gibt es richtig schöne U (?) – Bahnstationen:IMG_8331In der Art Gallery gibt’s ….. natürlich Biennale, aber auch Altbekanntes und sehr Bekanntes zu sehen. Und auch hier: fotografieren gern gesehen!IMG_8332IMG_8345IMG_8343IMG_8337IMG_8349Nach den ziemlich kunstlastigen Tagen ist mir nach Natur. Der botanische Garten liegt direkt nebenan, ein Spaziergang lohnt!IMG_8353IMG_8354IMG_8358IMG_8363Auf einer Parkbank hole ich ein bisschen Schlaf nach. Hier darf man das, und man darf, nein man soll über die schönen Rasenflächen laufen – na, dann los!

Später geh ich auf die Habour Bridge, das steht noch auf meiner Unbedingt-noch-tun-Liste. Besonders weit laufe ich zwar nicht, aber wenigstens war ich mal drauf.IMG_8372IMG_8375Gegen Abend packe ich meine Sachen und mach mich tangofertig. Heute möchte ich unbedingt auf die Freitagsmilonga. Die ist ganz schön und findet in einem eleganten Rahmen statt. Ich komme zum Tanzen, aber eher mittelprächtig. Beim Tango ist es wie im richtigen Leben: es gibt solche und andere Tage. Dieser ist leider ein anderer. Die allerallerletzte Tanda versöhnt mich dann doch noch – die ich tanz ich mit dem tollen Tänzer, den ich schon von neulich kenne. Schwelgundfreudolle!

Sydney. Hat mir wirklich gut gefallen. Mit den Tagen hier bin ich trotzdem nicht zufrieden. Ich wollt so viel mehr, nicht nur Kultur ….. Zoo, Fischmarkt, Bummeln gehen, Blue Montains, in DEM Pool schwimmen, Känguruh und  Koala sehen undundund ……

Die Zeit war zu kurz, das Wetter zu schlecht und ich zu erkältet. Seufz. ( jetzt gerade ist Samstagvormittag. Ich schreibe diese Zeilen, schau aus dem Fenster und was sehe ich: knallblauen Himmel….. Unverschämtheit! )

Tja, da muss ich wohl doch noch mal wiederkommen!

 

 

Waiheke und Abschied von Neuseeland

Den 18.03. verbringe ich fast nur ( aber schwer beschäftigt ) im Haus von Roger und Miriama. Wäsche waschen, Sachen aussortieren, ein Paket nach Deutschland vorpacken, Koffer und Rucksack abwaschen, den Ausflug nach Waiheke planen, ein Hotel in Singapur suchen und buchen und noch ziemlich viel mehr.

Solche Tage müssen sein, und es ist toll, dass ich mich hier nach Herzenslust ausbreiten kann. Danke euch sehr!

Und 60 Sekunden nach meiner Ankunft sieht es so aus:IMG_7764Am nächsten Tag stehe ich früh auf, ich möchte nach Waiheke. Das ist eine kleine Insel, 35 Fährminuten von Auckland entfernt. Waiheke war früher ein Aussteiger- und Hippieparadies. Mittlerweile ist diese wunderschöne Insel von wohlbetuchten Neuseeländern entdeckt worden, was man leicht an den vielen Villen in traumhafter Alleinlage erkennen kann.

Waiheke hat ein warmes, trockenes Klima und ist bekannt für seine guten Weine. So gibt es viele Tagestouristen, die für eine Weintour von Auckland aus anreisen. Und: Waiheke ist wunderschön!

IMG_7769 IMG_7770Ich kaufe als erstes ein paar Lebensmittel ein und mache mich auf die Suche nach meinem Hostel. Angeblich liegt es nur 35 Gehminuten vom Fähranleger, ich würde es eher 135 Minuten nennen ( und DAS ist typisch für Neuseeland – entweder gehen neuseeländische Uhren anders oder die Gehzeiten berechnen sich nach der Luftlinie…. ). Zum Glück habe ich nur meinen kleinen Tagesrucksack dabei, aber der Weg zieht sich trotzdem ganz schön.

Ja, wo ist denn das Hostel?

IMG_7771IMG_7824IMG_7823Aber irgendwann und nach fünfmaligen nach dem Weg fragen ( das kann ich inzwischen, nur verstehe ich die Antwort nicht immer so ganz genau ) komme ich an. Mein kleines Zimmer ist ganz schön, das restliche Hostel bzw. seine Bewohner sind äääh …. doch sehr Hippie. Das erinnert sehr an längst vergangene Zeiten, nur gehöre ich nicht mehr dazu. ( gut so!!! ). Die Jungs und Mädels machen einen ziemlich bekifften Eindruck, hängen träge rum und müllen den langen Esstisch ziemlich voll.

Ich mach, dass ich schnell weiterkomme. Mit meinem Tagesticket für den Bus kann ich so viel rumfahren wie ich möchte. Als erstes habe ich mir Onetangi ausgeguckt, das an der Nordküste liegt. Ich warte eine ganze Weile auf den Bus, der einfach nicht kommen will. Irgendwann beschließe ich, zu trampen ( Neele, das macht man wirklich nicht !!! ) : diesmal hält gleich das erste Auto, eine alte Mercedes Heckflosse. Auch das erinnert an längst vergangene Zeiten!

Der ältere Herr am Steuer ist ungefähr in meinem Alter, war früher auch mal Hippie und ist total nett. Er bringt mich bis zum Strand nach Onetangi – ist das schön hier! Schwimmen – hier hab ich richtig Lust drauf. Das Meer ist spiegelglatt und nicht zu kalt, die Luft ganz warm ….. tja, meine Badesachen liegen sehr sicher und schön trocken in Auckland 🙁IMG_7773 (2) IMG_7780 IMG_7779Stattdessen laufe ich den langen Strand entlang, schaue mir  wunderschöne Muscheln an und fühle mich ……. ja, wie soll ich es nennen? Ich bin überzeugt davon, dass Orte etwas mit mir machen, und dieser Strand ist einfach …. Frieden. Ich fühle mich ruhig, geborgen, friedvoll und genau am richtigen Ort. Seltsam.

Trotzdem fahre ich bald weiter, besuche Rockys Bay an der Südküste, wo es auch schön, aber ganz anders ist:IMG_7787 IMG_7789 IMG_7795Und das ist Segelschiff an Weinberg: IMG_7792Eigentlich möchte ich nach Ostend, das sieht aber so langweilig aus, dass ich einfach im Bus bis  Oneroa sitzen bleibe. Oneroa ist recht beschaulich, und auch hier: tolle Strände!IMG_7785IMG_7805 IMG_7804 IMG_7819Ich spaziere gemütlich zu meinem Hostel, koche mir Spaghetti mit Pesto und bin ab acht in meinem Zimmer. Um halb neun bin ich so müde, dass mir die Augen zufallen – und ich schlafe von neun bis um halb acht wie ein Stein. Unglaublich!

Am nächsten Morgen mache ich mich möglichst schnell auf den Weg – mich zieht es noch einmal an den Strand von Onetangi. Es ist wieder magisch, und es scheint nicht nur mir so zu gehen – alle, die ich treffe, schauen sehr, sehr glücklich aus.

IMG_7833 IMG_7834 (2)Mehr Zeit als einmal den Strand hoch und runter nehme ich mir nicht, ich möchte noch eine der kleinen Küstenwanderungen in der Nähe des Fähranlegers machen.

Das muss aber dennoch sein:IMG_7836Die Wanderung ist meine letzte auf neuseeländischem Boden. Es  geht Hügel hoch und runter, ich verlaufe mich ein bisschen und strenge mich noch einmal ziemlich an.IMG_7841 IMG_7845IMG_7842IMG_7852IMG_7839IMG_7857Auckland ist zwar in Sichtweite, doch ist die Welt eine komplett andere ……IMG_7856Tja, das war’s. Tschüss Waiheke.IMG_7859Zurück in Auckland schau ich noch mal eben beim Outdoorausrüster Kathmandu rein. Die haben jetzt allerallerletzte Sommerschlussverkaufsschnäppchen. Ich find ne klasse Reisehose für die Hälfte, und eine schöne Jacke ( die ich eigentlich nicht brauche, jedenfalls nicht hier und jetzt ) für weniger als ein Drittel des Originalpreises. Freudolle!

Den Rest der Neuseelandzeit bin ich mit Rückschau, Vorschau und Organisation beschäftigt. Ich packe und schicke ein Paket nach Deutschland, um ein bisschen Gepäck loszuwerden. Pirihira, die Tochter des Hauses, fährt mich zur Post und hilft mir beim Ausfüllen des Zollformulars.

Ja, und sonst? Ich bin ein bisschen traurig, Neuseeland zu verlassen. Ich habe mich total wohl gefühlt! Die Landschaft ist unglaublich vielfältig und hat mir wirklich gefallen, besonders die unzähligen tollen und menschenleeren Strände. Das Reisen hier ist einfach, entspannt und wunderbar organisiert. Aber ja, das Leben ist sehr mitteleuropäisch, ich habe mich nie wirklich fremd gefühlt. Vorteil oder Nachteil? Je nachdem. Große Abenteuer in der Fremde – nicht so sehr. Für mich war es genial und sehr entspannend, jetzt ist es gut, wenn auch noch was anderes kommt.

Wenn ich auswandern müsste ( zum Glück muss ich nicht! ) – ich würd nach Neuseeland gehen. Warum? Siehe oben. Und: ich war noch nie in einem Land, in dem es so sauber ist. Nirgendwo (!) liegt Müll, und man kann auf der Straße einfach laufen, ohne in Hundescheiße, Kaugummi oder Hingerotztes zu treten ( bin ich jetzt spießig??? ). Ich habe mich immer sicher gefühlt. Neuseeländer selber beurteilen die Sicherheit in ihrem Land ganz anders. Bestimmt gibt es auch böse Ecken – ich war nicht dort.

Die Menschen sind freundlich, hilfsbereit und sehr tolerant. Vieles ist vielleicht auch Floskel, manches gewöhnungsbedürftig ( warum will die Verkäuferin wissen, wie mein Wochenende war? ). Ausländern, die schon lange hier leben, berichten, dass es schwer ist, wirklich anzukommen – vieles bleibt doch eher Oberfläche.

Neuseeland glänzt auf den ersten Blick. Wenn man genauer hinschaut, sieht man auch Probleme. Die meisten Einheimischen sind unzufrieden mit ihrer Regierung, und alle sind unzufrieden mit den unerfreulichen Veränderungen in ihrem Land.

Trotzdem und auch im Vergleich – Neuseeland ist einfach großartig!

 

 

Zwischenzeiten

Am 06.03 komme ich wieder in Nelson an. Diesmal bin ich in einem anderen Hostel, nicht so nett, weil recht groß und ein bisschen hektisch. Dafür liegt es zentral, ich habe ich ein kleines Zimmer für mich, und – das ist der Grund, warum ich hier bin – Angelika wohnt ab morgen auch hier.

Ich wasche meine Sachen, bügele schon mal meine Tangofähnchen und beschließe den Abend ziemlich ruhig. Am nächsten Tag mache ich das, was in (m)einem Leben als Weltreisende manchmal ein bisschen zu kurz kommt:  Augenbrauen zupfen, Finger- und Fußnägel feilen und zum Friseur gehen. Letzteres ist unterwegs wie ein Lotteriespiel – diesmal habe ich Glück, Preis und Schnitt sind voll okay.

Später sehe ich Angelika wieder und freue mich über ein vertrautes Gesicht. Am frühen Abend werden wir und ein paar andere Tangueros abgeholt – Dinner und Milonga finden heute außerhalb statt. Ich freue mich, dass so gut für mich gesorgt wird: die Veranstalterin fragt per email eigens nach, ob mich jemand mitnimmt. Angelika hat den Transport für mich mitorganisiert und für mich auch einen Platz an ihrem Tisch reservieren lassen.IMG_7612 (2) IMG_7617

Ich fremdel trotzdem ein bisschen – die neuseeländischen Tänzer kennen sich alle, begrüßen sich mit großem Hallo, reden und tanzen miteinander, Ich bin sehr froh, dass ich nicht alleine sitzen muss. Später wird es besser, es gibt viele schöne Tänze und einen insgesamt sehr netten Abend.

Am nächsten Vormittag schaue ich mal wieder auf den schönen Samstagsmarkt von Nelson : Kunsthandwerk, feine ( Bio- ) Lebensmittel, Obst und Gemüse. Mittags gibt es wieder Tango, diesmal Open – Air bei herrlichstem Wetter im Queensgarden – wundertoll!IMG_762520140308_152636_1

Gegen fünf geht’s zurück ins Hostel. Ich möchte ein bisschen die Beine hochlegen, die ja am Abend noch viel mehr Tango tanzen sollen. Gut so, denn klasse wird’s! Ich habe viele sehr schöne Tänze und einen wirklich tollen Abend. Fotografieren? Nö, heute mal nicht…….

Sonntagnachmittag gibt es die Abschiedsmilonga in feinem Ambiente.IMG_7632 IMG_763420140309_143450Inzwischen habe ich mich richtig eingewuppt und kann mich wirklich nicht beschweren, ich komme viel und gut zum tanzen – und es macht ganz viel Spaß!

Gegen fünf ist die Abschiedsmilonga vorbei, manche bleiben noch und gehen gemeinsam Pizza essen. Ich schleich mich traurig ( so schade, dass es schon vorbei ist ) zurück ins Hostel und packe meine Sachen. Wenn ich geahnt hätte, dass in der Pizzeria noch stundenlang und mit ganz viel Freude getanzt wird …

Am 10.03. muss ich früh raus, ich möchte meinen Bus und später die Fähre zurück auf die Nordinsel schaffen. Auf der Fähre treffe ich Kevin, den ich vom Tango kenne. Er erklärt mir vieles über Neuseeland und erzählt mir auch, was ich in Wellington noch unternehmen könnte. Ich verstehe zwar nur die Hälfte, aber es ist trotzdem nett, einen „Bekannten“ zu treffen.

Nach einem langen Reisetag treffe ich abends meine Bremer Freundin Claudia, mit der ich mich  in Wellington verabredet habe.IMG_7642 Es ist schon schön, mal wieder einen richtig vertrauten Menschen zu treffen! Wir teilen uns für zwei Nächte ein Zweibettzimmer ( die Jugendherberge ist mir auch noch sehr vertraut ), erzählen viel und machen am nächsten Tag mit dem Bus einen kleinen Ausflug zur Peninsula Miramar.IMG_7648 IMG_7653IMG_7645Dort gehen wir spazieren, und das nette Cafe am Wegesrand muss einfach sein …..

Meine Vogelkundlerin habe ich jetzt endlich mal direkt dabei und lasse mir alles, was wir sehen und fliegen kann, erklären.IMG_7650Das Wetter ist nicht ganz so toll, aber zumindest regnet es nicht. Gegen Abend essen wir gemeinsam und beenden den Tag ruhig,  wir müssen am nächsten Tag beide recht früh aufstehen.

Für Claudia geht es weiter nach Rotarua, ich muss meinen Flieger nach Tauranga bekommen. Der Flughafen ist übersichtlich, meine Maschine wieder ganz, ganz klein. Und ich weiß auch noch, wie es geht: eigenständig einchecken, Banderole ausdrucken und am Koffer befestigen, den Koffer alleine aufs Band legen und zum Gate gehen. Handgepäckkontrolle? Nö. Diesmal nehme ich mein Wasser mit, Nagelschere und Nagelfeile bleiben auch dort, wo sie immer wohnen…..IMG_7658Manchmal kann man  gleich sehen, ob der Koffer auch mitkommt 😀IMG_7660Die meiste Zeit fliegen wir über den Wolken, ganz hinten schaut der Tongariro raus ….IMG_7664Die Küste zeigt sich später wolkenfrei: IMG_7665IMG_7676Ich komme gut an, Tauranga liegt ein gutes Stück weiter nördlich – und es ist deutlich wärmer und schwüler. Der Shuttlebus in die Stadt fährt mir direkt vor der Nase weg, der nächste kommt erst in zwei Stunden. Nun gut, es ist ja nicht der Frankfurter Flughafen ……. seufzdolle.

Ein Taxifahrer hat Mitleid- er bietet mir an, mich zum Shuttlebuspreis direkt bis zu meiner Jugendherberge zu fahren ( mal wieder Schwein gehabt ). In anderen Ländern hätte ich jetzt sicher überlegt, ob wirklich kein Bus kommt und/oder was ein Taxi normalerweise kostet und ob bzw. wer mich gerade abzocken möchte. Vielleicht hätte ich auch gehandelt oder andere Fahrer gefragt. In Neuseeland – und das ist das Tolle hier – muss man nicht lange nachdenken. Die Leute sind einfach nett, um nett zu sein…….

Die Jugendherberge ist so lala, der Ort auch nicht  besonders herausragend. Ich bin hier nur auf der Durchreise, zu müde, um neugierig zu sein. Trotzdem gehe ich am Nachmittag etwas spazieren,  schaue kurz in die Kunstgalerie, bringe in Erfahrung, ob es hier heute Tango gibt ( leider nein ), gehe Einkaufen.

IMG_7680IMG_7684Der Hostelabend ist ganz lustig – ich unterhalte mich lange mit einer deutschen Künstlerin, die ein Stipendium in Neuseeland bekommen hat, und mit zwei munteren Abiturienten vom Bodensee.

Am nächsten Morgen geht’s mit dem Bus über Thames und Coromandel nach Whitianga. der Busfahrer legt eigens einen Fotostopp ein – und es lohnt sich, die Landschaft ist wunderschön!IMG_7689 IMG_7693 IMG_7695Whitianga ist ganz nett, mein Hostel liegt etwas außerhalb, aber wunderschön direkt am Strand – und da muss ich sofort hin:IMG_7696 IMG_7697 IMG_7704Am nächsten Morgen miete ich mir ein Fahrrad, um an den Hot Water Beach zu fahren. Ein etwas anhänglicher schwedischer Schulleiter im Ruhestand schließt sich mir an, ich bin so mittelbegeistert. Auch begeistert mich nur mittel, das sich Zyklon Lusi ( von Fidschi kommend ) ankündigt. Gegen Abend soll das Wetter ziemlich unangenehm werden, so heißt es schnell aufbrechen. Als erstes müssen wir auf eine kleine Fähre, sozusagen die Sielwallfähre von Whitianga 🙂IMG_7720Wir radeln 18 ziemlich anstrengende Kilometer bergauf und bergab, die merkwürdig schwüle Luft macht die Strampelei nicht gerade leichter.  IMG_7727Der Hot Water Beach ist ein langer Strand mit wunderschönen Surferwellen. An einer nur bei Niedrigwasser zugänglichen Stelle sprudelt unterirdisch heißes Wasser. Die Leute kommen mit einem Spaten hierher, buddeln sich ein Loch und sitzen kurz darauf in ihrem eigenen kleinen Thermalbad. Sachen gibt’s!

Wir buddeln nicht, sondern schauen eine Weile zu und machen uns dann zeitig auf den Rückweg, um nicht in den Sturm zu kommen.IMG_7728 IMG_7733Abends wird es furchtbar windig, in der Nacht fangen die Regengüsse an. Nun geht für eine ganze Weile nicht mehr viel. Das Foto gibt das leider nur sehr unvollkommen wieder ….. IMG_7740Die Luft ist tropisch warm und schwül, es schüttet, der Wind heult ums Haus. Ich versuche im Laufe des Tages zweimal, kurz an den Strand zu schauen. Beim ersten Mal bin ich nach 50 Metern total durchnässt und gebe auf, beim zweiten Mal schaffe ich es etwas weiter, werde aber so gesandstrahlt, dass ich es sehr schnell bleiben lasse. Gegen Abend gibt es eine Regenpause. Ich gehe mit Caro, einer total netten spanischen Meeresbiologin, kurz an den Strand und lasse mir angespülte Algen erklären:IMG_7741Hey, da schwimmt ja einer! IMG_7742

Da sich der Zyklon noch mindestens einen weiteren Tag halten soll und man hier bei diesem Wetter absolut nichts machen kann, ändere ich kurzentschlossen meine Pläne, buche für den 16.03. eine Busfahrt und ein Hostel in Auckland.

Dort treffe ich am nächsten Abend noch einmal Claudia. Das wunderschöne Hostel mit Traumaussicht auf Park und Skyline von Auckland ist superkomfortabel und liegt in unmittelbarer Nähe einer sehr netten Boutiquen- und Ausgehmeile – beides erinnert total an das Bremer Viertel. Claudia und ich fühlen uns absolut zu Hause und gehen gepflegt ein Bier trinken.IMG_7746Am nächsten Tag frühstücken wir gemütlich und marschieren in ziemlicher Hitze zur Art Gallery. Es gibt eine Sonderausstellung, in der Werke von fünf Maori – Künstlerinnen gezeigt werden. Eine davon  finde ich besonders ausdrucksstark:IMG_7756 (2)IMG_7753Aber auch diese Bilder gefallen mir ganz gutIMG_7752IMG_7762 (2)IMG_7751Gegen Nachmittag haben wir noch ein leckeres Muffin- statt Sushi-Essen. Jetzt heißt es Abschied nehmen, diesmal aber wirklich, Claudia fliegt morgen weiter nach Seoul. Ich treffe mich in der Innenstadt mit Roger, fahre mit ihm nach Haus und beziehe „mein“ altes Zimmer und fühle mich gleich wieder wie zu Hause.

Morgen heißt es ausruhen, Wäsche waschen und ein bisschen Sydney vorbereiten. Zwei Tage nach Waiheke – Island sind noch drin, bevor meine letzten Neuseeland – Stunden anbrechen – am 23. geht’s nach Sydney!

 

Golden Bay

Am 01.03. warte ich einen langweiligen Vormittag im Youth Hostel in Tekapo darauf, dass selbiger vorübergeht. Gegen Mittag kommt der Bus gen Christchurch, um vier Uhr nachmittags bin ich dort am Flughafen. Mein Flug nach Nelson geht erst um 18.30 – ich könnte ja den Nachmittagsflug noch schaffen, aber Air New Zealand zeigt sich unerbittlich. Mein Ticket ist fix und nicht umzubuchen. Na, macht nichts, der Flughafen hat freies WIFI und Kaffee bekommt man auch.

Einchecken muss ich selber, und sonst ….. nichtsnichtsnichts. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich schon jemals mal geflogen bin, ohne durch eine Handgepäckkontrolle zu müssen. Passkontrolle ….. nö. Gut, ist ja ein Inlandsflug und ansonsten: ich weiß ja, dass ich keine Bombe dabei habe. Den anderen geht’s hoffentlich genauso 😉

Die Maschine ist ungewohnt klein und der Flug für mich schon etwas abenteuerlich ….IMG_7287 IMG_7294Trotz leichter Anspannung kann ich diesen Teil der Reise aber auch ein bisschen schön finden 😀

Neben mir eine Neuseeländerin, mit der ich mich nett unterhalte. Da ich weiß, dass der Flughafen in Nelson außerhalb liegt, und ich keine Ahnung habe, wie ich abends ins Zentrum komme, frage ich sie, ob es einen Bus gibt. Brauche ich nicht, sagt sie …. sie wird von ihrem Mann abgeholt und sie nehmen mich natürlich mit. DAS ist Neuseeland! Ich werde dann also in einem riesigen Wagen von dem jungen Paar und drei süßen Kleinkindern direkt bis zum Hostel gefahren. Ist das toll oder ist das toll?! In Deutschland hätte mir wohl im besten Fall jemand gesagt, wo ich den Taxistand finden kann …..

Ich komme also mal wieder in „meinem“ kleinen Shortbread Cottage an – Mitarbeiterin Marine ist leider nicht mehr da, aber sie hat mir völlig unüblicherweise  das allerallerbeste Bett reserviert ( normalerweise geht es in den Hosteldorms nach dem Prinzip: wer zuerst kommt, sucht zuerst aus, wer zuletzt kommt, kriegt ein oberes Etagenbett direkt an der Klotür …. ) und mir einen lieben Brief aufs Bett gelegt. Nach fast sieben Monaten Reiseleben und vielen eher flüchtigen Begegnungen fühlt sich das ein bisschen wie Nachhausekommen an.

Am nächsten Tag ( 02.03. ) gilt es wieder, Zeit zu überbrücken. Nelson ist mir recht vertraut, ich gehe auf den Flohmarkt, hole mir bei der verrückten Kaffeefrau einen Cappuchino und komme endlich dazu, das zu essen, was ich schon lange mal ausprobieren wollte: einen der vielen Pies, die man hier überall kaufen kann. Wenn schon, denn schon – ich nehm dann das, was ich so gar nicht einordnen kann: Mince ……IMG_7297

Stellt sich als ein Irgendwas mit Hackfleisch raus ( hätte vorher äääh auf eine Minzefüllung getippt …. jaja, okay, ich oute mich hiermit eben als absoluter Dummie ) und ist ganz lecker.

Nachmittags um drei geht’s weiter Richtung Golden Bay – was für eine schöne Fahrt, aber lange nicht so flach, wie ich bei dem Namen vermutet hätte.IMG_7299Die Landschaft entspricht mir sehr – Collingwood ( 250 Einwohner ) und mein Hostel gefallen mir ebenfalls. Ich wohne etwas ausgelagert in einem Container … ungewohnt ruhig und so sehr schön für mich – nur bis zur nächsten Klotür ist es etwas weit 🙂IMG_7357 IMG_7302 IMG_7309 IMG_7315IMG_7314IMG_7313

Am nächsten Morgen nehme ich eins der kostenlosen Hostelfahrräder Marke „Alte Gurke“ und mache mich auf den Weg zum Farewell Split – das ist der letzte Zipfel der Golden Bay und Naturschutzgebiet. Die Landzunge selber darf man nur im Rahmen einer geführten Tour betreten, aber allein der Weg dorthin ist wunderschön.

Ich fahre 22 fantastische Kilometer ( mit gaaaanz viel Rückenwind ) direkt am Wasser entlang.IMG_7322 IMG_7325Im Farewell Split Cafe gibt es den üblichen Belohnungscappuchino. Wie viele Tassen von dem Zeugs habe ich eigentlich schon fotogarfiert und in den Blog gestellt?IMG_7328Später geht’s 22 bittere Kilometer mit viel Gegenwind und gelegentlichen Schauern wieder zurück. Landschaft und Wetter erinnern mich an die Nordseeinseln – das eine wunderschön, das andere luftig, kühl und reichlich wechselhaft. Ab und an muss ich mich unter einen Baum ( in diesem Fall ist der Baum ein Farn ) stellen, um nicht komplett nass zu werden …..

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Auch meine Stimmung passt zum Regenschauer. Es gibt sehr schlechte Nachrichten aus der Heimat, und zum ersten Mal auf dieser Reise fühl ich mich viel zu weit weg von Allem, was mir wirklich wichtig ist 🙁

Nach knapp fünf Stunden bin ich wieder in Collingwood und schaue noch schnell in Rosy Glows Chocolate Shop vorbei.IMG_7371IMG_7373  IMG_7370 Der Pralinenladen ist der Hammer! Ich darf Rosy und ihre Pralinen fotografieren und nehme ein kleines Stückchen Himbeermarzipan – Cake mit. Viel zu süß und eine echte Investition, aber das muss jetzt einfach sein!

Am nächsten Tag entscheide ich mich nach langem ( inneren ) Hin- und Her, eine völlig überteuerte Tour zum Farewell Spit zu buchen. Es ist leider die einzige Möglichkeit, diesen ganz besonderen Ort zu sehen …. die Tour beginnt um zwei  und geht wie so vieles hier nur bei Niedrigwasser. Zuerst fahren wir mit dem großen Geländebus zum nördlichsten Punkt der Südinsel, dem Cape Farewell.IMG_7380Und dann geht’s ein langes Stück den Strand entlang …..    IMG_7416IMG_7414IMG_7399IMG_7409So wunderschön ich die ganze viele Landschaft finde, die ich in den letzten sieben Monaten gesehen habe – DAS (!!!) ist es jetzt für mich.

Ich mag es weit und endlos! Und ich mag das wilde Meer. Gut, dass es DAS auch zu Hause gibt. Ich muss unbedingt bald mal wieder nach Juist! 🙂

Wir fahren eine lange Weile am Strand entlang, Schade, dass ich nicht aussteigen kann, um ein paar Fotos zu machen. Es gefällt mir so gut! Am Leuchtturm machen wir ein Coffeebreak. Es gibt zwei, drei kleine Häuser für die Menschen, die hier manchmal arbeiten. Ein paar Bäume, etwas Windschatten. Jede Menge weiten Himmel.IMG_7432Und auf dem Rückweg gibt es das:IMG_7452Einen galoppierenden Seelöwen hab ich noch nie gesehen ….. der war echt flott unterwegs!IMG_7456Dieser kleine Pinguin sitzt zitternd, mausernd und ganz allein in dieser Weite ….. so sieht Jammer aus!IMG_7512IMG_7515 (2)Und dann gibt es noch eine große Sanddüne ….. die einzige, die hier betreten werden darf. Und das in der Abendsonne …. ein Traum!IMG_7494IMG_7500IMG_7503Fünfzig Fotos später bin ich froh, dass im Bus ( mehr oder weniger ) geduldig auf mich gewartet wird …..IMG_7507 (2)Und dann fahren wir der Sonne  bzw. ihrem Untergang entgegen – was für ein wunderschöner Abend!IMG_7517IMG_7539Am nächsten Tag möchte ich unbedingt zum Wharariki Beach. Der liegt etwas östlich vom Farewell Split, und ich weiß nicht recht, wie ich hinkommen soll. Wenn ich das Rad nehme, ist die Wanderung an den Strand ein bisschen viel. Den hauseigenen Wagen könnte ich mieten – aber Geländewagen und Allradantrieb und Linksverkehr ….. alles noch nie gehabt. Ach, da fällt mir ein – dieses Schild steht kurz vor Collingwood – ich scheine nicht die einzige Deutsche mit einem Straßenverkehrsproblem zu sein 🙂IMG_7364Ich stelle mich also gegen Mittag an die Straße  ( Neele, das macht man nicht! ) und werde sehr schnell von einem netten Neuseeländer mitgenommen. Für den Rückweg am Abend hat mir eine junge Frau aus meinem Hostel versprochen, mich mitzunehmen.

Ich muss ein bisschen Zeit überbrücken, der Strand soll am schönsten bei Niedrigwasser sein. So gehe ich ganz gegen meine Gewohnheit erst einmal einen Kaffee trinken 🙂

Tja, und dann möchte ich den Top Hill Track gehen, gebe aber nach eineinhalbmal bergsteilhoch auf. IMG_7549IMG_7548Ich habe heute meinen verzagten Tag. Da wirkt auch dieses Schild noch nach, außerdem erinnere ich, dass ich über Weiden muss, auf denen vereinzelt Jungbullen stehen. Und drei bis fünf Stunden Angst haben? Ooooch ne,   IMG_7551Ich beschließe, die acht Kilometer zum Strand auf dem langweiligen, aber abhang- und bullenfreien ( dafür sehr staubigen ) Schotterweg zu gehen:IMG_7553Nach einer Weile hält jemand neben mir und fragt, ob er mich mitnehmen kann. Natürlich ein Neuseeländer….. ich nehme dankend an, so schön läuft es sich im Staub der vorbeifahrenden Autos nicht. Da ich so jede Menge Zeit und Strecke gespart habe, nehme ich am Strandparkplatz den langen Rundweg bis zum Strand. Es geht über Schafweiden und an einem Dünensee entlang – schönschönschön!IMG_7559 IMG_7565 IMG_7573 IMG_7575Und dann bin ich am hinteren Strandabschnitt. Für Weg zurück am Strand entlang ist das Niedrigwasser leider noch nicht niedrig genug …..IMG_7577IMG_7583 IMG_7582  IMG_7586Ich setzte mich in die Dünen, und warte darauf, dass das Wasser abläuft. Dabei stehe ich etwas unter Zeitdruck, weil ich mit Lisa um halb acht am Parkplatz verabredet bin. Die darf ich auf keinen Fall verpassen. Ich versuche, durch eine Art Felstunnel an den großen und noch viel schöneren Strand zu kommen, und stolper fast über diesen hier:IMG_7587Vorsichtig trete ich den Rückzug an und beschließe, über den Landweg zurück zum Parkplatz zu gehen und von dort aus noch einmal an den Hauptstrand zu wandern. An einer Stelle nehme ich eine Abkürzung. Mit den Abkürzungen ist es ja so eine Sache …… und auch diese ist ein Fehler. Ich verlaufe mich zwischen den sanften Hügeln und den vielen Schafen und werde etwas panisch. Alles sieht gleich aus, das Meer kann ich nicht mehr hören, in zwei Stunden ist es dunkel und ich habe schon lange keinen Menschen mehr getroffen. Ich sehne mich nach den Wandergruppen, die mich sonst so nerven. Mein Handy hat keinen Empfang, und was ist eigentlich, wenn ich mir jetzt ein Bein breche ……?

Ich kehre um, versuche meine eigenen Spuren zu lesen, um zurück zu finden und habe mich irgendwann zum Glück wieder in den richtigen Weg eingefädelt. Es kommen mir auf den schmalen Pfaden unglaublich ( ! ) viele Schafe entgegen, die wohl auf dem Nachhauseweg sind. Zum Glück haben die meisten mehr Angst vor mir als ich vor ihnen. Ein ziemlich Freches starrt mich dummdreist an und stolziert provokativ direkt an mir vorbei. Das erinnert mich ganz doll an was! Die meisten Schafe machen einen kleinen Bogen und schauen unbeteiligt weg, manche verstecken sich in den Büschen und wieder andere rasen hektisch weg, egal wohin – fehlt nur noch, dass sie schnell die Kippe ausdrücken ….. IMG_7594Und endlich erreiche ich doch noch den wunderbaren Strand. Fast menschenleer, wie  alle dieser tollen Strände in Neuseeland. Die wenigen, die da sind, möchten den Sonnenuntergang  sehen. Ich möchte auch, aber es reicht zeitlich leider nur für einmal ganz kurz über die Düne schauen …. IMG_7600IMG_7604IMG_7608IMG_7601 (2)Dieser Tag war nicht ganz einfach für mich. Heute hätt ich gut jemanden gebrauchen können – zum Mut machen, den richtigen Weg finden oder zum Schuld haben, wenn die Zeit für das Ziel nicht reicht.

Am 06.03. sind die Tage in der schönen Golden Bay leider schon vorbei, es geht zurück nach Nelson. Ich freu mich auf den netten und vertrauten Ort, jede Menge Tango, und auf viele  Menschen, die ich hier wieder treffen oder neu kennen lernen werde.