Zwei Tage, eine Nacht

Vorgestern, am 22.09., ging es ziemlich früh los zu meiner Regenwaldtour. Luis, mein Guide, ein Shuar, hat mich in meiner Unterkunft abgeholt, zusammen haben wir zunächst den Bus nach Puyo genommen.

Das ist Luis:IMG_1553 Puyo liegt ungefähr 60 km von Baños entfernt am Rande der Regenwaldgebiete – schon verrückt, nach einer kleinen Busfahrt von einer Stunde steigt man in einem ganz anderen Klima aus. Die vier Stunden Zeit bis zu unserem Anschlussbus haben wir uns auf dem Sonntagsmarkt und in dem sehr schönen botanischem Garten vertrieben. Auf dem Markt hat Luis mir so allerlei Früchte und andere Sachen erklärt:

Hier werden Fische in Blättern zusammen mit Kochbananen und Maniok gegrillt, ich habe probiert, ist ziemlich lecker

IMG_1548IMG_1549 (2)Das sind ungefähr daumendicke und -lange, lebende Würmer, die gekocht gegessen werden und laut Luis unglaublich lecker und sehr proteinhaltig sein sollen. Ich fand sie absolut ekelhaft ……  ( sorry Beate, das muss jetzt sein, dafür gibt’s keine Spinnenbilder )IMG_1547Im botanischen Garten hat Luis mir eine Pflanze gezeigt, in der Ameisen leben, die wunderbar nach Zitrone schmecken …..IMG_1558Nachmittags um halb drei ging dann der Bus in Richtung der Shuargebiete, erst Richtung Macas, dann in der Nähe des großen Flusses Pastaza auf einer holprigen, unbefestigten Straße direkt in den Regenwald. Irgendwo im Nirgendwo sind wir ausgestiegen, ich bin in die Gummistiefel umgestiegen und ab ging es auf eine eine ungefähr einstündige Wanderung mitten durch den Wald. Ich habe mir tropischen Regenwald immer ganz flach vorgestellt, aber so ist es nicht – es ging stellenweise ziemlich steil bergab. Und zu gucken gab es auch schon eine Menge:IMG_1564IMG_1568Irgendwann kamen wir an dem Wohnort der Shuar-Gemeinschaft an, ich schon reichlich durchgeschwitzt und müde. Begrüßt wurde ich von den Kindern, die sehr offen und lustig sind. IMG_1581IMG_1639In der Gemeinschaft wohnt das Oberhaupt mit seinen beiden Frauen, mit denen er je 12 Kinder hat. Diese sind aber schon lange erwachsen ( eine seiner Töchter ist die Dorflehrerin ) , die vielen Kinder sind alle seine Enkel. Das ist eine seiner Frauen:IMG_1594Das Haus, in dem ich geschlafen habe, sieht so aus, das linke Fenster war meins:IMG_1572Zum Glück ist das Haus einigermaßen insektenfrei, jedenfalls habe ich bis auf zwei, drei fette Kakerlaken keine gesehen. Und auch keine Vogelspinnen!

Das ist die Wasserstelle: zum Baden, Wäsche waschen, Geschirr spülen, Trinken ……. es gibt kein fließend Wasser, keinen Strom, kein Telefon, kein Handyempfang, kein Internet …… abends wird für eine oder zwei Stunden das lärmende Stromaggregat  angeschmissen – dann kann man in einigen Räumen Licht anmachen, außerdem versammeln sich insbesondere die Kinder um den Fernseher und schauen Soaps.IMG_1575IMG_1587Das ist die Küche, in der den ganzen Tag irgend etwas auf dem Feuer steht. Die Leute sitzen auf den Bänken drum herum, schauen ins Feuer, essen, erzählen. Auf dem Foto ist Luis gerade dabei, das Abendessen vorzubereiten.IMG_1591Nach dem Essen bin ich früh ins Bett gegangen, weil ich sehr müde war. Einschlafen konnte ich allerdings nicht, es war unheimlich heiß und stickig. Meine Taschenlampe anmachen und ein bisschen lesen hab ich mich nicht getraut, weil ich weder wissen noch sehen wollte, was alles so krabbelt. Und so lag ich mehr oder weniger in Schockstarre und hab darauf gewartet, dass die Nacht vorüber geht ….. gefallen haben mir aber die Urwaldgeräusche – einfach toll! So was gibt es bei uns nur auf CD oder in der Kräutersauna in Lilienthal 😉

Nachts hat es sich durch den einsetzenden Regen abgekühlt und ich muss eingeschlafen sein ….. jedenfalls bin ich erst recht spät am Morgen wieder aufgewacht. Es regnet kurz und heftig:

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Nach dem Frühstück haben wir uns auf den Weg zu einem Aussichtspunkt gemacht. Vorher musste ich mir mit einem bestimmten Palmwedel einen Kopfschmuck flechten ( was für eine Handarbeitslehrerin kein Problem ist! )IMG_1595 IMG_1596Das ist Beti, der uns durch den Urwald geführt hat. Mit dabei waren der 16jährige Orlando, der 8jährige Antony und natürlich Luis.IMG_1615IMG_1600Die Herren haben mir sehr galant mit der Machete den Weg frei gemacht, mir einen Wanderstock organisiert, Riesenblätter als Sitzunterlage für die Pause besorgt, aus einem glatten Blatt ein Trinkgefäß gerollt, damit ich Bambuswasser probieren kann sowie mir mit helfender Hand über manche schwierige Kletterstelle hinweg geholfen. Außerdem wurden mir natürlich jede Menge Pflanzen erklärt, manchmal hat mein Spanisch auch nicht gereicht, um alles zu verstehen.IMG_1603IMG_1601IMG_1599

Nach eineinhalb Stunden schweißtreibender Kletterei haben wir den Aussichtspunkt erreicht, von dem aus man den Fluss Pastaza sehen kann – toll!IMG_1611IMG_1616 (2)IMG_1613 Später ging es auf anderem Wege wieder den Berg hinunter, und ich war völlig fertig, als wir zurück am Ausgangspunkt waren. Der Regenwald ist superschön. Bis auf handtellergroße, knallblaue Schmetterlinge habe ich leider keine Tiere entdecken können, dafür aber die unglaublichsten Pflanzen.

Auch die Felder der Gemeinschaft, auf denen so allerlei zum Eigenbedarf angebaut wird, sehen schön aus:IMG_1657IMG_1653Glückliches Hühnerleben ……..IMG_1654

Die Gemeinschaft der Shuar hat mir sehr imponiert. Sie haben ein sehr großes Wissen, was Pflanzen und deren heilende Wirkung betrifft, und sie leben ruhig und friedlich zusammen in und mit der Natur. Sie sprechen alle Shuar und Spanisch, ihre Kinder wachsen in alten Traditionen auf, gehen zur Schule und haben Kontakt mit der Außenwelt. Ach, die Kinder, die haben mir am besten gefallen:IMG_1586IMG_1629IMG_1589IMG_1637IMG_1574 IMG_1585Das ist die Urwaldschule, hier werden elf Kinder von einer Lehrerin unterrichtet. Ich habe auf meiner Reise leider Pech mit den Schulen – in diesem Fall war die Lehrerin gerade unterwegs nach Puyo, deshalb ist die Schule ausgefallen. Ich hätte mir gerne den Unterricht angeschaut!IMG_1643IMG_1651Am späten Nachmittag haben Luis und ich uns auf den Weg zurück in die Zivilisation gemacht. Eigentlich wollte ich zwei Nächte und drei Tage im Regenwald bleiben, aber eine innere Eingebung hat mir geraten, den Aufenthalt abzukürzen. Trotzdem hat mir der Regenwald so gut gefallen wie die Menschen, die dort leben.

Nicht so gut zurecht gekommen bin ich mit dem Schmutz und den unsäglichen hygienischen Bedingungen in Küche und der Toilette. Die einzige Möglichkeit, mich zu waschen, war mitten im Dorf an dieser kleinen, 20cm tiefen Badestelle. Mich nicht zu waschen, war auch keine Lösung, da ich in der feuchten Hitze so geschwitzt habe, dass mir die Schweißtropfen die Nase runtergelaufen sind.

So ist es eben, wenn man nicht an einer Touristentour teilnehmen, sondern dorthin möchte, wo die Menschen leben….. 😉

Auf dem Weg zur Bushaltestelle haben wie diese beiden getroffen:IMG_1661Und das ist die Bushaltestelle, an der wir lange auf den Bus zurück in die Zivilisation warten mussten …. IMG_1664Kein Bus in Sicht ………IMG_1668Zum Abschied gab es einen RegenbogenIMG_1667Nachträglich hat es sich als Glück herausgestellt, dass ich eher zurück fahren wollte. Heute nämlich bin ich ( das erste Mal auf meiner Reise ) etwas kränklich und sehr froh, dass ich ein sauberes Bad für mich allein und ganz in der Nähe habe 😉 So habe ich weiter nichts gemacht, außer Fotos schauen, meine Weiterreise per Internet organisieren, Blog schreiben und mich ausruhen.

Morgen möchte ich eigentlich sehr früh nach Puerto Lopez aufbrechen ( 11 Std Bus fahren )  – ob das so schlau ist, entscheide ich dann morgen früh.

 

2 Gedanken zu „Zwei Tage, eine Nacht

  1. Sabine Rakelmann

    Hallo Sabine, lese mit Begeisterung Deine Berichte. Da werden Erinnerungen wach, die Ameisen habe ich übrigens auch probiert, die Würmer nicht! Puerto Lopez hat mir gut gefallen, vor allem der traumhafte Strand etwas außerhalb, los Frailes im Nationalpark. Ich wü+nsche Dir noch ganz viel Spaß!
    Sabine Ra

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    1. fraukareistumdiewelt Beitragsautor

      Liebe Sabine, freu mich über Mitleser 🙂 Du bist aber mutiger als ich, denn die Ameisen habe ich nicht probieren wollen, genauso wenig wie die Würmer, und die Meerschweinchen auch nicht ( da hab ich so ein schönes Foto … trau mich noch nicht einmal, das in den Blog zu setzen )

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