Großstadt, Tango, schlechte Laune …..

Dienstag ( 15.10. ) gibt es bei mir recht viel zu erledigen. Der Tag fängt damit an, dass ich versuchen muss, meinen Sachbearbeiter für Bezüge, Kindergeld und Trallala in Aurich anzurufen. Herr H. hatte mir  ( bzw. meiner Homebasis in Bremen – Dietrich danke dir vielmals!!!  ) ein Formular zukommen lassen, welches ich zusammen mit verschiedenen Nachweisen innerhalb von vier Wochen einzureichen habe. Dazu muss man wissen, dass ich noch von Bremen aus versucht habe, Herrn H. telefonisch zu erreichen, was mir leider nicht gelungen ist ( entweder besetzt oder AB ) Aber mit einer Frau M. hatte ich gesprochen, außerdem hab ich diverse mails geschrieben. Leider hat sich Herr H. nie zurück gemeldet, bis auf die oben erwähnte Formulare.

Da die Zeit drängt, spreche ich für viel, viel Geld Herrn H. per Handy aufs Band  ( ja, man kann auch in einen der vielen Telefonläden hier gehen, ist viel billiger. Ist nur nicht möglich, wenn man auf dem Amt in Deutschland nur bis zwölf anrufen kann und es fünf Stunden Zeitverschiebung gibt ). Leider kann man Herrn H. auch nur sehr kurz aufs Band sprechen, so muss ich halt zweimal anrufen und mich zweimal durch mindestens zwei Minuten telefonischer Ansage quälen ….. grrrrrrrrrrrmpffffffffffff

So habe ich dann schon vorm Frühstück reichlich schlechte Laune …..

Später buche ich in der Sprachschule den Englischunterricht, besorge allerlei Sachen, finde keine Schuhe. Na toll.

Buenos Aires ist atemberaubend, aber auch sehr gewöhnungsbedürftig. Vor vier Jahren, das fällt mir jetzt wieder ein, waren die ersten Tage auch furchtbar anstrengend. Es ist unglaublich laut, hektisch, voll und stellenweise ziemlich dreckig und heruntergekommen. Mitten im Großstadttreiben und – lärm liegen an einigen Stellen einzelne Obdachlose schlafend auf dreckigen Matratzen, als Passant macht man eben einen kleinen Bogen und kümmert sich nicht weiter. Das gab es damals auch schon, es schockiert mich immer wieder! Aber klar, auch in Bremen hab ich in den letzten Jahren am Bahnhof Leute gesehen, die in den Abfalleimern nach Essbarem suchen …… das schockiert mich auch!

Und plötzlich ist es heiß, der Frühling ist da. Das Foto habe ich mittags gegen eins gemacht, ein paar Grad ist das Thermometer noch gestiegen. Hier ist die Wärme anders als in der Pampa, die Luft ist viel feuchter – ich schwitze!IMG_2069Gegen Nachmittag schaue ich auf einen Kaffee in das berühmte Tortoni, eines der vielen wunderbaren Cafes in dieser Stadt:IMG_2072Aber auch hier bin ich tendenziell genervt, es ist einfach ziemlich voll, die Leute ( meist Touristen )stehen Schlange und warten darauf, dass ein Tisch frei wird. Am frühen Nachmittag fahre ich in der ( wie könnte es anders sein) rappelvollen U – Bahn  ( Sardinenbüchse ist nichts dagegen ) ziemlich fertig Richtung Hotel. Ich hab nicht alles geschafft, was ich schaffen wollte, ich will  nur noch meine Ruhe und Füße hochlegen.

Jacqueline geht’s genau so … vielleicht braucht man einfach ein paar Tage, um sich an diese  wunderbar – schreckliche Stadt zu gewöhnen?

Abends melden sich aber meine Lebensgeister wieder – ich gehe mit Mariann auf eine sehr traditionelle Milonga ganz in der Nähe. Jeden Abend hat man die Auswahl zwischen sieben und etwa fünfzehn Milongas. Manche beginnen schon nachmittags und enden abends, manche fangen erst um 23.00 an, dort kann man bis morgens um drei oder vier tanzen.

Kaum sitzen wir, werden wir schon zum Tanzen aufgefordert und kommen auch später viel zum Tanzen. Eine traditionelle Milonga hat in Argentinien sehr (!) feste Regeln, die alle Sinn machen.

Man bekommt einen bestimmten Sitzplatz zugewiesen, dabei sitzen die Männer auf der einen, die Frauen auf der anderen Seite.  Aufgefordert wird per Cabezeo – man schaut sich an und stimmt durch ein leichtes Nicken zu. Ablehnen kann man, indem man einfach wegschaut – niemand anderes merkt es und niemand wird bloß gestellt. Hier wird jeweils nur eine Tanda ( 3 – 4 Musikstücke ) zusammen getanzt, dann werden alle Damen zurück an den Platz begleitet, neue Tanzpaare bilden sich. So wird viel häufiger als auf den Milongas in Deutschland gewechselt, das finde ich schön. Das Verhältnis Tänzer – Tänzerinnen ist recht ausgelichen, das finde ich noch schöner 😉

Ganz zufrieden gehen wir nach Haus – die schlechte Laune ist weg und wird unter „Eingewöhnung“ abgeheftet!

Heute morgen finde ich  ( endlich! ) eine mail von Herrn H. in meinem elektronischen Briefkasten …… alles ist in Ordnung, die Formulare und die Aufforderung, Nachweise zu erbringen, sind einfach nur automatisch versendet worden ….. ( hä????? )

Na, abgesehen davon, dass ich mindestens 15 € vertelefoniert habe, bin ich froh, der Tag fängt eindeutig besser an.

Nach dem Frühstück habe ich eine Einzelstunde bei Fabian  – eigentlich wollte ich nur ganz manchmal eine Stunde haben – wenn man aber so einen tollen Tanzraum und einen fantastischen Tanzlehrer direkt im Haus hat, ist es gar nicht so einfach, sich zu beschränken 😉 IMG_2082IMG_2099IMG_2087Fabian hat ein entzündetes Auge, deswegen die Sonnenbrille ….

Nachmittags fahren Jacqueline und ich zum Bummeln nach Palermo Soho, quasi das Ostertorviertel ( oder : Prenzlauer Berg ) von Buenos Aires. Wir bummeln durch vergleichsweise ruhige, schöne Straßen, überall gibt es feine  Boutiquen und nette Cafes.IMG_2116IMG_2122IMG_2125Den Abend beschließen wir ganz ruhig auf der Dachterrasse unserer Unterkunft mit Wein ( ich ), Keksen ( Jacqueline ) und fast vollem Mond. So schön!

Morgen hab ich meine erste Englisch – Stunde. Seufzdolle ……

Und morgen Abend wird getanzt!

 

10 Gedanken zu „Großstadt, Tango, schlechte Laune …..

  1. detlef elzenheimer

    hallo sabine,
    verfolge deine reise schon seit einiger zeit – schön das es dir gut geht, genieße die zeit. gruss detlef

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  2. annkah

    Ja, Wahnsinn! Sieht doch alles toll aus! Diese wunderbaren Unterkünfte, die Du da an Land gezogen hast! Ich glaube wirklich, Du machst alles richtig. Allerdings… es ist gewagt, sich außer Landes zu begeben, wenn man mit Besoldungsstellen und Kindergeldangelegenheiten zu tun hat…

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  3. Claus Göttlich

    Ja schön das sich die „Angelegenheit“ für dich doch schnell erledigt hat. Ansonsten versuche ich dir in BA zu folgen. Das ist allerdings sehr schwierig. Dafür habe ich gestern mit Mike in seiner Werkstatt getanzt, bzw. Figuren ausgetauscht. Das ich dem noch mal soooo Nahe komme in meinem Leben ? 32gtiü+#v!!? Denke aber, es hat sich gelohnt. Heute Abend wird sich das zeigen. LG claus

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    1. fraukareistumdiewelt Beitragsautor

      Ja, ich würd gerne auf den Milongas ein bisschen fotografieren, damit ihr euch ein Bild machen könnt, aber erstens muss ich dann meine Kamera mitnehmen und darauf aufpassen, zweitens mag ich nicht einfach die Leute fotografieren.
      Waaaaaas, du tanzt mit meinem TM (Tango – Mike)? Unglaublich!!!!!

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      1. fraukareistumdiewelt Beitragsautor

        Lieber Hape, da entgeht dir was!! Aber vielleicht überlegt er sich das ja doch noch mal 😀

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    1. fraukareistumdiewelt Beitragsautor

      La Glorieta, das ist in einem schönen großen Pavillion in einem kleinen Park, und eine, die ziemlich neu ist, die kennst du wohl nicht: Obelisco Tango. Ja, der Papierkram……. könnte alles so einfach sein!

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