Ein Kommen und Gehen im Hotel – aber alle bleiben lange genug, um nach der Abreise vermisst zu werden. Am Samstag, 28.10. verabschieden wir Mariann, später spazieren wir durch die Straßen, besuchen den Markt in der Nähe des Recoleta – Friedhofs. Das Wetter ist schön, die Tangotänzer sind unterwegs, um ein paar Pesos zu verdienen, Touristen und Einheimische genießen den milden Frühlingstag.


Sonntag schaffe ich es endlich, mich mal rauszuziehen. Ich freue mich darüber, dass ich am Nachmittag ganz allein in dem großen Haus bin, liege stundenlang auf der schönen Dachterrasse, döse, schlafe, lese.
Abends gehe ich alleine auf die Milonga „El beso“. Ich bin ziemlich früh dort, die Practica ist gerade vorbei. Auf den Milongas in BsAs kann man sich nicht einfach irgendwo hinsetzen, man muss warten, bis man einen Platz zugewiesen bekommt. Noch ist kaum jemand da, trotzdem warte ich ziemlich lange, bis die zuständige Dame zu mir kommt und mich auf einen ungünstigen Platz abseits in der dritten Reihe plaziert. Dazu muss man wissen, dass es auf einer Milonga ziemlich wichtig ist, wo man sitzt. Da alles über Blickkontakt läuft, sollte man, um tanzen zu können, dort sitzen, wo man sehen und gesehen werden kann! Ich muss etwas energisch werden, um einen anderen Platz zu bekommen. So langsam füllt sich der Saal, schließlich sind bestimmt 60 Frauen da, alles aufgebretzelte Touristinnen. Sie sitzen an zwei gegenüberliegenden Seiten des Raumes, an den anderen beiden Seiten sitzen etwas weniger zahlreich meistens argentinische Männer. Und jetzt erinnere ich mich: hier war ich vor vier Jahren schon einmal ….. und fand die Situation genauso bescheuert wie heute. Damals bin ich gar nicht zum Tanzen gekommen, heute klappt es trotz allem gut. Das Auffordern bzw. aufgefordert werden per Cabezeo liegt mir, und tanzen kann ich inzwischen viel besser. Ich habe viele sehr schöne Tänze, bin irgendwann ganz müde getanzt. Freue mich darüber, dass ich es geschafft habe, so gut für mich zu sorgen, bestelle mir einen Wein, schaue den anderen beim Tanzen zu und gehe zufrieden nach Hause.
Abends erreicht mich noch eine mail von Gertrud aus Bremen. Wir kennen uns nicht, kennen aber beide Cordula, die uns vermittelt hat. Gertrud ist seit einem Tag in BsAs und sofort ausgeraubt worden. Einer jungen Frau aus unserem Hotel passiert am gleichen Tag dasselbe. Man wird auf der Straße von einer freundlichen Person auf Flecken auf der Kleidung aufmerksam gemacht. Diese reicht ein Papiertuch und hilft beim Säubern … hinterher fehlen Geld und Kreditkarte. Alle kennen diese Masche, aber wenn es einen trifft, denkt man nicht dran und reagiert falsch ….. für mich ist es eine Mahnung, wieder besser aufzupassen. Ich hatte bislang viel Glück – mir ist noch gar nichts passiert!
Ich treffe mich am nächsten Tag mit Gertrud auf einen Kaffee. Abends gehen wir in einer größeren Gruppe in die Bendita-Milonga, möchten noch einmal El Afronte und die Showtänze sehen. Gertrud kommt auch mit und ist trotz des blöden BsAs-Einstieges am Ende die Lustigste von uns!
Ich bin ziemlich erkältet. Alle Milongas sind klimatisiert, und wenn man Pech hat, muss man im eiskaltem Zug sitzen – besonders schön, wenn man vom Tanzen verschwitzt ist. Tuch und Jäckchen sind Pflicht, reichen aber auch nicht immer!
Dienstag fahren Angelika, Jacqueline und ich ins Tigre – Delta. Dort kann man auf Ausflugsschiffen kleine Rundfahrten machen. Schon auf der Bahnfahrt nach Tigre bin ich so müde, später auf dem Schiff schlafe ich einfach ein – der wenige Schlaf und die beginnende Erkältung haben mich geschafft. Abends geht’s dann einfach mal früh ins Bett.





Mittwoch gehe ich mit neuen Hotelgästen ins Sueño Porteño, das war vor vier Jahren meine Lieblingsmilonga. Diesmal bin ich nicht so begeistert, aber am späteren Abend singt Juan Carlos Godoy, ein sehr berühmter Tangosänger. Er ist 92 und ziemlich klapprig, singt mit erstaunlich voller und wunderschöner Stimme von Liebe und Leidenschaft. Das ist sehr anrührend!
Donnerstag bin ich mit Jacqueline kurz auf einer Nachmittagsmilonga, später sind wir dann in Sachen Kneipe mit Live-Musik unterwegs und haben einen absolut schönen und lustigen Abend.
Freitag abend geht’s in der Gruppe ins Gricel, das ich zu meiner Lieblingsmilonga 2013 erkläre. Der Saal ist voll, Stimmung und Tanzniveau sind gut, traditionell, aber nicht steif, wenig touristisch. Da wir erst nach 23.00 losgehen, wird es spät – mit Giselas Absackerwein ist es vier, bis ich im Bett bin – aber was soll man schlafen, wenn man in Buenos Aires tanzen kann!
Was ich tagsüber mache? Freitag schüttet es den ganzen Tag, das kommt mir ganz gelegen, ich packe, sortiere meine Sachen und organisiere meine Weiterreise. Und sonst? Ich weiß es nicht mehr so genau …. Englisch war dabei, verschiedenen Einkäufe, noch ein Friseurbesuch, Weihnachtskekse in einer fantastischen Konditorei fotografieren, essen gehen, viele Gespräche …. 

Ich denke lange darüber nach, warum ich die Stadt diesmal so anstrengend finde. Da ist der unglaubliche Lärm, der Verkehr, diese Hektik, unzählige gestresste Menschen, die einem auf der Straße entgegen hetzen.

Hundeausführer … für die, die sich einen Hund halten, aber gar keine Zeit haben. BsAs hat eine große Hundedichte, und, so hörte ich, weltweit die größte Dichte an Psychologen und Psychotherapeuten 😉
Entscheidender ist aber wohl der selbstgemachte Stress: möglichst viel tanzen zu gehen, möglichst alles zu besorgen, was es in den kleinen Orten vielleicht nicht gibt, möglichst viel mit anderen zu machen, möglichst viel viel viel von allem, was später rar werden könnte. Bedauern darüber, was ich noch alles hätte machen können, aber nicht geschafft habe.
Spüren zu können, wonach mir gerade ist, ist mir manchmal schwer gefallen. Wenn es so viel Schönes gibt, muss man auswählen können …… so war die Zeit in BsAs toll, aber nicht immer ganz einfach für mich.
Aber eins ist sicher: das Tangofieber hat mich wieder! Acht Wochen lang ist das Tanzen in den Hintergrund gerückt, und ich war gespannt darauf, wie es mir in BsAs ergehen wird und ob ich wieder tanzen mag.
Und ob ich mag!
Nun hab ich schon geschaut, ob bzw. wo man in Ushuaia, Bariloche, Valparaiso und Santiago tanzen kann 😉 …..
Samstag packe ich eben fertig und frühstücke noch gemütlich mit den anderen. Marion vom Hotel hat Geburtstag, es gibt Sekt und Ständchen – und ich weiß nicht, ob ich traurig bin, weil ich noch nicht weg möchte, oder ob ich mich auf Neues freue ….. Ushuaia ( die südlichste Stadt der Welt ), ich bin unterwegs!


Und wohin ist Getrud weiter gereist, habt ihr keine Orte mehr zusammen? Dass das so schnell geklappt hat, hab ja erst am Sonntag 27.10.) erfahren, dass sie auch gerade eine Weltreise macht. wünsche dir weiterhin viele schöne Erlebenisse und danke für deine Karte aus BsAs, ist heute (5.11.) angekommen – nur 15 tage unterwegs.
Gertrud ist wohl noch in BsAs ….. und möchte, wenn ich mich richtig erinnere, noch Richtung Peru. Liebe Grüße Sabine P.S.: mal wieder skypen?
Hej Bine, ich würde auch mal sagen, kein Wunder, dass Du müde bist, bei dem Programm. Davon abgesehen liest sich das alles sehr schön, freut mich, dass Du weiterhin schöne Erfahrungen machst. Lass Dich nicht beklauen und es Dir überhaupt gut gehen!
LG, Anne
Guten Morgen Sabine, auch wenn nicht immer ein Kommentar von mir zu lesen ist. Ich bin dabei. Ja den Tango in BA hätte ich auch mal Erlebt. Aber , so begnüge ich mich mit dem was hier ist. Heute fahre ich mal wieder nach Neuiweschans zum Tango. Aber erst mal werden meine Tangobilder abgehängt, und ich muss mich auf meine nächste Ausstellung ( Bunkerabriss ) in 5 Wochen vorbereiten. Bis demnächst wieder , schreibt und fotografiere weiter so. Aber ohne Stress bitte. LG Claus