Vom Frühling in den Hochsommer …..

Mittwoch, 20.11. komme ich morgens um halb neun nach 17 Stunden Busfahrt In Mendoza an. Die Fahrt ist so schön! Ich mache ganz viele Fotos vom Bus aus, es ist faszinierend zu beobachten, wie sich die Landschaft verändert. Schade, vom fahrenden Bus aus werden die meisten Bilder ein bisschen unscharf ….IMG_3091 IMG_3096 IMG_3103IMG_3106 IMG_3108 IMG_3112IMG_3117 IMG_3124 IMG_3160IMG_3164IMG_3169IMG_3186 IMG_3264Das ist kurz vor Mendoza – hier kommt also der gute, argentinische Wein her: IMG_3306Auch sonst gibt es das eine oder andere schöne Fotomotiv …. und alle paar hundert Kilometer mal ein Dorf:IMG_3199 IMG_3200 IMG_3197IMG_3192Und so sieht es aus, wenn man oben vorne sitzt. Die Füße gehören zu meinen Sitznachbarinnen, ich habe einen Einzelplatz. Ich bin sogar einen Tag später als geplant in Bariloche losgefahren, damit ich genau diesen Platz bekomme – den find ich so cool! Coche Cama ( Cama = Bett ) fährt sich prima, die Sitze sind breit und bequem, und man hat viel Platz für die Beine. So ist die lange Busfahrt wirklich gut auszuhalten.IMG_3214In Mendoza – Busbahnhof angekommen, schnapp ich mir ein Taxi und mach mich auf zu meiner AirBnB – Unterkunft. Nach zwei Minuten dort sein weiß ich: da hab ich voll daneben gegriffen. Es ist keine Privat-Unterkunft, sondern ein ganz schäbiges Hotel, dreckig, ungepflegt, dunkel, schlecht riechend, ekeliger Besitzer, alles bäääh. Total (!!) teuer dazu. Niemand dort, nur ich. Bin abgenervt, Geh erst einmal duschen ( iiih ) und frühstücken. Seufzziemlichdolle.

Nach meiner kleinen Stadterkundung komme ich an einem Hostel vorbei, das mir auf Anhieb sehr gut gefällt.IMG_3350 Ich lasse mir ein Zimmer zeigen und reservier für die nächsten Nächte. Fragt sich nur, wie ich aus der anderen Reservierung  herauskomme – AirBnB bucht ja immer gleich von der Kreditkarte ab. Ich kann die verbleibenden Nächte stornieren, ziehe aber den Zorn des indischen….. ääähja…. Hoteliers auf mich. Wir haben reichlich Stress miteinander, blöd auch, dass ich der einzige Gast in dem riesigem, stinkigen und  düsteren Haus bin….. abends geh ich zum Ausgleich richtig nett ( allein ) essen, sehr häufig habe ich das auf meiner Reise noch nicht gemacht. Inzwischen habe ich damit aber gar kein Problem mehr.  Man kann lernen, das sogar schön zu finden! 🙂

Am nächsten Morgen packe ich meine Sachen und will kurz vor acht das Hotel verlassen – geht leider nicht, alles ist zugeschlossen, der Besitzer ist nicht auffindbar. Ich glaub es nicht … und die Situation wird mir zunehmend unheimlich … nach ner halben Stunde Suchen, Rufen, an tausend Türen Klopfen kommt er dann doch und lässt mich raus.

Zu meinem neuen Hostel kann ich bequem laufen, dort ist alles nett und freundlich, und es gibt andere Menschen…. allerdings, und das merke ich jetzt erst, ist es auch nicht besonders sauber. Oh Mann. Wieso muss ich erst sagen, dass ich nicht in der dreckigen Bettwäsche von meinen Vorgängern schlafen möchte?

Vormittags mache ich eine Stadtrundfahrt mit einem Touribus, um mir einen Überblick zu verschaffen – Mendoza gefällt mir sehr gut! Das liegt vor allem an einem über 500 km langen Bewässerungssystem, so ist diese Stadt wunderbar grün, und es gibt viele, viele Bäume – ich war noch nie in einer Stadt mit so vielen Alleen, einfach wunderbar.IMG_3337 Obwohl es hier deutlich über 35 Grad sind, macht mir die Hitze nicht so viel aus wie befürchtet. Die Luftfeuchtigkeit ist ganz gering ( man muss aber aufpassen, dass man nicht zu Staub zerfällt – also trinken, trinken, trinken. Und eincremen! ), der viele Schatten in der Stadt und ja klar, ich muss ja nicht arbeiten!! Zwischen 14.00 und 17.30 geht nicht viel, aber alles davor und danach ist total okay!IMG_3311IMG_3345Mendoza hat unterschiedlich viele Einwohner, je nachdem, wen man fragt. Die Angaben schwanken zwischen 90.000 und 4 Millionen ….. für mich sind es gefühlte 130 000, die Innenstadt ist klein und überschaubar.

Die Stadt ist sehr schön und weitläufig angelegt. In der Mitte liegt ein riesiger, quadratischer Platz, die Plaza Independencia. Ein paar Blogs entfernt gibt es in jede Richtung etwas kleinere Plätze, die Espana, Peru, Chile und Italia heißen. Außerdem hat Mendoza viele sehr große Parks. Alles ist wunderbar schattig, man kann sich leicht zurechtfinden, nur ich verlaufe mich immer mal wieder 😉IMG_3323 IMG_3339Die Stadtrundfahrt ist besonders nett, weil man an den unterschiedlichen Stationen aus- und ein, zwei Runden später wieder zusteigen kann.IMG_3336Von einem Berg in einem Park kann man einen Blick auf die Umgebung werfen, hier sieht man, wie es in Mendoza aussehen würde, wenn es nicht das tolle Bewässerungssystem geben würde – Vollewüste!IMG_3328IMG_3329Abends gehe ich auf eine Milonga, die laut Internet um 23 Uhr anfängt. Der Unterricht geht fast bis 24 Uhr, dann geht der Tanzabend so langsam los. Heute läuft es nicht ganz so gut – ich komme zwar hin und wieder zum Tanzen, bin aber mit dem Abend nicht so zufrieden. Die Szene ist jung, viele tanzen auf sehr hohem Niveau und sind sehr unter sich. Aber auch sonst ist Mendoza mir wenig zugewand – erst der Stress mit dem Vermieter, ich werde in vielen Lokalen so schlecht bedient, das zweite Hostel ist es auch nicht wirklich, die wenig angenehme Milonga usw.

Komisch, obwohl die Stadt so schön ist, fühle ich mich nicht besonders wohl. Jeden Tag wird es heißer, Samstag sind wir laut Vorhersage schon bei 38 Grad. Ich beschließe, meinen Aufenthalt abzukürzen und mich schon am Sonntag auf den Weg nach Valparaiso zu machen.

Freitag buche ich eine Wein – Tour. Mit einem Kleinbus geht es zu zwei sogenannten Bodegas. Dort wird Wein angebaut und hergestellt. Der erste Betrieb ist eher industriell ( San Huberto ), den Wein kann man hier in jedem Supermarkt kaufen. Der zweite Betrieb ist klein und sehr exklusiv, hier werden eher süße Weine produziert. Zu guter Letzt besuchen wir noch ein kleines Landgut, in dem Oliven angebaut werden. Alle Betriebe werden besichtigt, natürlich mit anschließender Verkostung und Verkaufsprogramm 😉IMG_3353IMG_3356IMG_3363IMG_3367 IMG_3370Weil ich abends noch tanzen gehen möchte ( ja, ich geb Tango Mendoza noch ne zweite Chance 😉 ….. ) und es so heiß ist, halt ich mich bei den Weinen ziemlich zurück. ( die süßen Weine schmecken erstaunlich gut. Ist scheinbar weniger eine Frage von süß oder trocken, sondern eher eine von Anlass und Qualität. Und die in bestem Öl eingelegten, getrockneten Tomaten sind genial!!! Die andern kaufen ganz viel ein, für mich macht es leider wenig Sinn.

Abends mache ich mich auf den Weg zu zur Open – Air Milonga …. ich find sie nicht. Sie soll auf einem Platz in DER Partystraße Mendozas stattfinden. Dort ist eine Bar neben der anderen, alle sind sehr gut besucht. Keine Milonga weit und breit. Ich frage einen Kellner im Haus nebenan, ob das der Platz ist, auf dem Freitags Tango getanzt wird. Jaja, das ist er. Wann fängt es an? So elf, halb zwölf….. Aha. Ich geh noch was trinken, schau wieder vorbei. Kein Mensch. Inzwischen geht meine Laune gen Null, mache mich gefrustet auf den Heimweg. Drei Ecken weiter …. ich hör Tango ….. und da ist sie, die schöne Milonga, die ich den ganzen Abend gesucht habe! Und schön ist sie wirklich!

Wenn man hier jemanden etwas fragt, hört man nie: ich weiß es nicht. Alle antworten sehr überzeugend, egal, ob sie die Antwort wissen oder nicht. Ich falle immer wieder drauf rein, und ich hasse es!!!

Auf der Milonga werde ich von einigen mit Küsschen rechts begrüßt …… oh, ich nehm alles zurück, was ich oben geschrieben habe. Heißt jetzt zwar nicht, dass ich viel mehr aufgefordert werde, aber ich fühle mich gleich wohler und vier oder fünf Tandas tanze ich sehr nett. Die Vals – Tanda mit dem jungen und sehr großen Tänzer in Flip-Flops (!) ist sogar ausgesprochen sehr nett 🙂 Weil ich morgen eine Anden-Tour gebucht habe und sehr früh aufstehen muss, kann ich nicht so lange bleiben.

Stelle mal wieder fest: ich muss lernen, den Dingen mehr Zeit zu geben, bin viel zu ungeduldig. Wie alt muss ich denn noch werden, um endlich gelassener zu werden …….? ( Herr, gib mir Geduld, aber schnell!!)

Am nächten Morgen geht es mit einem Kleinbus in die Berge. Der Tag ist toll, wenn man mal davon absieht, dass ich Rudeltouren ein bisschen peinlich finde. Aber sie sind praktisch, man kommt schnell an besondere Orte und muss nichts selber organisieren. Hier ist es jetzt so heiß, dass ich die Planung gerne anderen überlasse. Ich werde im Hostel abgeholt und muss mich einfach nur in den klimatisierten Bus setzen. Der Guide weiß viel, die Gruppe ist ganz nett, ein deutschsprachiges, weltreisendes Paar in meinem Alter ist auch dabei. Und zu schauen gibt es ganz, ganz viel:  Guanacos, ein Fuchs und jede Menge toller Landschaft. Auf den ersten Blick: Wüste. Auf den zweiten Blick: tollste Farben!IMG_3427IMG_3385 IMG_3395 IMG_3409 IMG_3416IMG_3422IMG_3449 IMG_3477Und so sieht es aus, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist:IMG_3426IMG_3389Ja, Argentinien …… ich werd nicht zum letzten Mal hier sein, da bin ich mir ganz sicher!

Das Land ist grandios und voller Gegensätze. Ich mag Buenos Aires so, da will ich unbedingt wieder hin! Tango, Tango, Tango, Tangooooooo!!!! Zu lange dort tut mir jedoch nicht gut, trotz aller Faszination.

Ein absolutes Highlight waren die Tage in der Pampa – magische Momente, und diese Weite! Unglaublich. Und sowieso, die Entfernungen! Auch unglaublich! Das Land ist riiiiiesig!

Auch die Gegend um Bariloche herum hat mir sehr gut gefallen – fast zu schön um wahr zu sein!

Schade, ich hab nicht alles gesehen, was ich sehen wollte ….. aber ein guter Grund, um bald wieder zurückzukehren! ( Hab ein paar argentinische Pesos nicht mehr ausgeben können … vielleicht sind sie ja bei meinem nächsten Besuch noch was wert !? )

Noch knapp drei Wochen, bis ich nach Neuseeland fliege – so bleibt noch etwas Zeit für Chile. Heute bin ich in Valparaiso angekommen – und hier ist es einfach …. wow!

 

 

 

5 Gedanken zu „Vom Frühling in den Hochsommer …..

  1. Regina Kummerfeldt

    Liebe Sabine…ich habe deinen blogg immer geöffnet (hatte es eine geraume Zeit nicht geschafft hinein zuschauen, hörte nur über Hans-Peter von deinen Erlebnissen) und lasse mich nun oft in der Mittagspause davon unterhalten 🙂
    In etwa 3 Wochen wirst du in Neuseeland sein…gibt es dort nicht eine postalische Kontaktadresse für Dich? Magst du sie mir bitte schreiben!?
    Alles Liebe weiterhin für Dich beim Erleben, Spüren in Dich, Hinterfragen von Wahrnehmungen u Vorhaben!
    Ganz herzlich von Regina

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  2. Claudia

    Das muss an Mendoza liegen! Liebe BineKah, vielleicht hätten wir uns da intensiver austauscenh sollen?! Oder ist wieder ein deja-vU? Unsere Unterkunft (in der Jugendherberge) wäre sehr nett gewesen, wenn sie nicht die Reservierung vergessen hätten. also standen wir etwas plöde rum und landeten dann im total runtergekommenen Hotel Rosario. Eine Empfehlung, mitunter zweifelt man am Geschmack der Leute. Da wollten wir nicht blieben und haben uns ein Hostel gesucht, ganz nett (wie heisst denn Deins?), aber eins der schönen Zimmer, die uns erst gezeigt wurden, bekamen wir nicht… also auch irgendwie abgezogen. Wir sind dann umgezogen in eine Jungendherberge auf dem Weg in die Berge und sind von dort aus für Touren immer in den Bus gestiegen. Cierro Aconcagua! Und Valparaiso…, hmm, war auch nich meins, bin gespannt, was du berichtest. Ganz doll meins war: Santiago de Chile!

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    1. fraukareistumdiewelt Beitragsautor

      Liebe Claudi, schick mir doch bitte mal ne mail und berichte erzähl, was an Santiago so toll ist 🙂 Freu mich, dass das Unterkunftschaos nicht an mir, sondern an Mendoza lag! Bis bald! Frau Ka

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  3. Claus Göttlich

    17 Std. Fahrt, der Wahnsinn. Diese Entfernungen, hier ja unvorstellbar. Aber du, du fährst weiter, damit ich auch weiterhin deine Berichte verfolgen kann. Das macht mir viel spaß. Und meine Neugier ist noch lange nicht befriedigt.
    Ansonsten viel Tango, z.Z. eine richtig schwierige Figur. Aber ich willllllll sie beherrschen. Lieben Gruß Claus

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