Golden Bay

Am 01.03. warte ich einen langweiligen Vormittag im Youth Hostel in Tekapo darauf, dass selbiger vorübergeht. Gegen Mittag kommt der Bus gen Christchurch, um vier Uhr nachmittags bin ich dort am Flughafen. Mein Flug nach Nelson geht erst um 18.30 – ich könnte ja den Nachmittagsflug noch schaffen, aber Air New Zealand zeigt sich unerbittlich. Mein Ticket ist fix und nicht umzubuchen. Na, macht nichts, der Flughafen hat freies WIFI und Kaffee bekommt man auch.

Einchecken muss ich selber, und sonst ….. nichtsnichtsnichts. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich schon jemals mal geflogen bin, ohne durch eine Handgepäckkontrolle zu müssen. Passkontrolle ….. nö. Gut, ist ja ein Inlandsflug und ansonsten: ich weiß ja, dass ich keine Bombe dabei habe. Den anderen geht’s hoffentlich genauso 😉

Die Maschine ist ungewohnt klein und der Flug für mich schon etwas abenteuerlich ….IMG_7287 IMG_7294Trotz leichter Anspannung kann ich diesen Teil der Reise aber auch ein bisschen schön finden 😀

Neben mir eine Neuseeländerin, mit der ich mich nett unterhalte. Da ich weiß, dass der Flughafen in Nelson außerhalb liegt, und ich keine Ahnung habe, wie ich abends ins Zentrum komme, frage ich sie, ob es einen Bus gibt. Brauche ich nicht, sagt sie …. sie wird von ihrem Mann abgeholt und sie nehmen mich natürlich mit. DAS ist Neuseeland! Ich werde dann also in einem riesigen Wagen von dem jungen Paar und drei süßen Kleinkindern direkt bis zum Hostel gefahren. Ist das toll oder ist das toll?! In Deutschland hätte mir wohl im besten Fall jemand gesagt, wo ich den Taxistand finden kann …..

Ich komme also mal wieder in „meinem“ kleinen Shortbread Cottage an – Mitarbeiterin Marine ist leider nicht mehr da, aber sie hat mir völlig unüblicherweise  das allerallerbeste Bett reserviert ( normalerweise geht es in den Hosteldorms nach dem Prinzip: wer zuerst kommt, sucht zuerst aus, wer zuletzt kommt, kriegt ein oberes Etagenbett direkt an der Klotür …. ) und mir einen lieben Brief aufs Bett gelegt. Nach fast sieben Monaten Reiseleben und vielen eher flüchtigen Begegnungen fühlt sich das ein bisschen wie Nachhausekommen an.

Am nächsten Tag ( 02.03. ) gilt es wieder, Zeit zu überbrücken. Nelson ist mir recht vertraut, ich gehe auf den Flohmarkt, hole mir bei der verrückten Kaffeefrau einen Cappuchino und komme endlich dazu, das zu essen, was ich schon lange mal ausprobieren wollte: einen der vielen Pies, die man hier überall kaufen kann. Wenn schon, denn schon – ich nehm dann das, was ich so gar nicht einordnen kann: Mince ……IMG_7297

Stellt sich als ein Irgendwas mit Hackfleisch raus ( hätte vorher äääh auf eine Minzefüllung getippt …. jaja, okay, ich oute mich hiermit eben als absoluter Dummie ) und ist ganz lecker.

Nachmittags um drei geht’s weiter Richtung Golden Bay – was für eine schöne Fahrt, aber lange nicht so flach, wie ich bei dem Namen vermutet hätte.IMG_7299Die Landschaft entspricht mir sehr – Collingwood ( 250 Einwohner ) und mein Hostel gefallen mir ebenfalls. Ich wohne etwas ausgelagert in einem Container … ungewohnt ruhig und so sehr schön für mich – nur bis zur nächsten Klotür ist es etwas weit 🙂IMG_7357 IMG_7302 IMG_7309 IMG_7315IMG_7314IMG_7313

Am nächsten Morgen nehme ich eins der kostenlosen Hostelfahrräder Marke „Alte Gurke“ und mache mich auf den Weg zum Farewell Split – das ist der letzte Zipfel der Golden Bay und Naturschutzgebiet. Die Landzunge selber darf man nur im Rahmen einer geführten Tour betreten, aber allein der Weg dorthin ist wunderschön.

Ich fahre 22 fantastische Kilometer ( mit gaaaanz viel Rückenwind ) direkt am Wasser entlang.IMG_7322 IMG_7325Im Farewell Split Cafe gibt es den üblichen Belohnungscappuchino. Wie viele Tassen von dem Zeugs habe ich eigentlich schon fotogarfiert und in den Blog gestellt?IMG_7328Später geht’s 22 bittere Kilometer mit viel Gegenwind und gelegentlichen Schauern wieder zurück. Landschaft und Wetter erinnern mich an die Nordseeinseln – das eine wunderschön, das andere luftig, kühl und reichlich wechselhaft. Ab und an muss ich mich unter einen Baum ( in diesem Fall ist der Baum ein Farn ) stellen, um nicht komplett nass zu werden …..

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Auch meine Stimmung passt zum Regenschauer. Es gibt sehr schlechte Nachrichten aus der Heimat, und zum ersten Mal auf dieser Reise fühl ich mich viel zu weit weg von Allem, was mir wirklich wichtig ist 🙁

Nach knapp fünf Stunden bin ich wieder in Collingwood und schaue noch schnell in Rosy Glows Chocolate Shop vorbei.IMG_7371IMG_7373  IMG_7370 Der Pralinenladen ist der Hammer! Ich darf Rosy und ihre Pralinen fotografieren und nehme ein kleines Stückchen Himbeermarzipan – Cake mit. Viel zu süß und eine echte Investition, aber das muss jetzt einfach sein!

Am nächsten Tag entscheide ich mich nach langem ( inneren ) Hin- und Her, eine völlig überteuerte Tour zum Farewell Spit zu buchen. Es ist leider die einzige Möglichkeit, diesen ganz besonderen Ort zu sehen …. die Tour beginnt um zwei  und geht wie so vieles hier nur bei Niedrigwasser. Zuerst fahren wir mit dem großen Geländebus zum nördlichsten Punkt der Südinsel, dem Cape Farewell.IMG_7380Und dann geht’s ein langes Stück den Strand entlang …..    IMG_7416IMG_7414IMG_7399IMG_7409So wunderschön ich die ganze viele Landschaft finde, die ich in den letzten sieben Monaten gesehen habe – DAS (!!!) ist es jetzt für mich.

Ich mag es weit und endlos! Und ich mag das wilde Meer. Gut, dass es DAS auch zu Hause gibt. Ich muss unbedingt bald mal wieder nach Juist! 🙂

Wir fahren eine lange Weile am Strand entlang, Schade, dass ich nicht aussteigen kann, um ein paar Fotos zu machen. Es gefällt mir so gut! Am Leuchtturm machen wir ein Coffeebreak. Es gibt zwei, drei kleine Häuser für die Menschen, die hier manchmal arbeiten. Ein paar Bäume, etwas Windschatten. Jede Menge weiten Himmel.IMG_7432Und auf dem Rückweg gibt es das:IMG_7452Einen galoppierenden Seelöwen hab ich noch nie gesehen ….. der war echt flott unterwegs!IMG_7456Dieser kleine Pinguin sitzt zitternd, mausernd und ganz allein in dieser Weite ….. so sieht Jammer aus!IMG_7512IMG_7515 (2)Und dann gibt es noch eine große Sanddüne ….. die einzige, die hier betreten werden darf. Und das in der Abendsonne …. ein Traum!IMG_7494IMG_7500IMG_7503Fünfzig Fotos später bin ich froh, dass im Bus ( mehr oder weniger ) geduldig auf mich gewartet wird …..IMG_7507 (2)Und dann fahren wir der Sonne  bzw. ihrem Untergang entgegen – was für ein wunderschöner Abend!IMG_7517IMG_7539Am nächsten Tag möchte ich unbedingt zum Wharariki Beach. Der liegt etwas östlich vom Farewell Split, und ich weiß nicht recht, wie ich hinkommen soll. Wenn ich das Rad nehme, ist die Wanderung an den Strand ein bisschen viel. Den hauseigenen Wagen könnte ich mieten – aber Geländewagen und Allradantrieb und Linksverkehr ….. alles noch nie gehabt. Ach, da fällt mir ein – dieses Schild steht kurz vor Collingwood – ich scheine nicht die einzige Deutsche mit einem Straßenverkehrsproblem zu sein 🙂IMG_7364Ich stelle mich also gegen Mittag an die Straße  ( Neele, das macht man nicht! ) und werde sehr schnell von einem netten Neuseeländer mitgenommen. Für den Rückweg am Abend hat mir eine junge Frau aus meinem Hostel versprochen, mich mitzunehmen.

Ich muss ein bisschen Zeit überbrücken, der Strand soll am schönsten bei Niedrigwasser sein. So gehe ich ganz gegen meine Gewohnheit erst einmal einen Kaffee trinken 🙂

Tja, und dann möchte ich den Top Hill Track gehen, gebe aber nach eineinhalbmal bergsteilhoch auf. IMG_7549IMG_7548Ich habe heute meinen verzagten Tag. Da wirkt auch dieses Schild noch nach, außerdem erinnere ich, dass ich über Weiden muss, auf denen vereinzelt Jungbullen stehen. Und drei bis fünf Stunden Angst haben? Ooooch ne,   IMG_7551Ich beschließe, die acht Kilometer zum Strand auf dem langweiligen, aber abhang- und bullenfreien ( dafür sehr staubigen ) Schotterweg zu gehen:IMG_7553Nach einer Weile hält jemand neben mir und fragt, ob er mich mitnehmen kann. Natürlich ein Neuseeländer….. ich nehme dankend an, so schön läuft es sich im Staub der vorbeifahrenden Autos nicht. Da ich so jede Menge Zeit und Strecke gespart habe, nehme ich am Strandparkplatz den langen Rundweg bis zum Strand. Es geht über Schafweiden und an einem Dünensee entlang – schönschönschön!IMG_7559 IMG_7565 IMG_7573 IMG_7575Und dann bin ich am hinteren Strandabschnitt. Für Weg zurück am Strand entlang ist das Niedrigwasser leider noch nicht niedrig genug …..IMG_7577IMG_7583 IMG_7582  IMG_7586Ich setzte mich in die Dünen, und warte darauf, dass das Wasser abläuft. Dabei stehe ich etwas unter Zeitdruck, weil ich mit Lisa um halb acht am Parkplatz verabredet bin. Die darf ich auf keinen Fall verpassen. Ich versuche, durch eine Art Felstunnel an den großen und noch viel schöneren Strand zu kommen, und stolper fast über diesen hier:IMG_7587Vorsichtig trete ich den Rückzug an und beschließe, über den Landweg zurück zum Parkplatz zu gehen und von dort aus noch einmal an den Hauptstrand zu wandern. An einer Stelle nehme ich eine Abkürzung. Mit den Abkürzungen ist es ja so eine Sache …… und auch diese ist ein Fehler. Ich verlaufe mich zwischen den sanften Hügeln und den vielen Schafen und werde etwas panisch. Alles sieht gleich aus, das Meer kann ich nicht mehr hören, in zwei Stunden ist es dunkel und ich habe schon lange keinen Menschen mehr getroffen. Ich sehne mich nach den Wandergruppen, die mich sonst so nerven. Mein Handy hat keinen Empfang, und was ist eigentlich, wenn ich mir jetzt ein Bein breche ……?

Ich kehre um, versuche meine eigenen Spuren zu lesen, um zurück zu finden und habe mich irgendwann zum Glück wieder in den richtigen Weg eingefädelt. Es kommen mir auf den schmalen Pfaden unglaublich ( ! ) viele Schafe entgegen, die wohl auf dem Nachhauseweg sind. Zum Glück haben die meisten mehr Angst vor mir als ich vor ihnen. Ein ziemlich Freches starrt mich dummdreist an und stolziert provokativ direkt an mir vorbei. Das erinnert mich ganz doll an was! Die meisten Schafe machen einen kleinen Bogen und schauen unbeteiligt weg, manche verstecken sich in den Büschen und wieder andere rasen hektisch weg, egal wohin – fehlt nur noch, dass sie schnell die Kippe ausdrücken ….. IMG_7594Und endlich erreiche ich doch noch den wunderbaren Strand. Fast menschenleer, wie  alle dieser tollen Strände in Neuseeland. Die wenigen, die da sind, möchten den Sonnenuntergang  sehen. Ich möchte auch, aber es reicht zeitlich leider nur für einmal ganz kurz über die Düne schauen …. IMG_7600IMG_7604IMG_7608IMG_7601 (2)Dieser Tag war nicht ganz einfach für mich. Heute hätt ich gut jemanden gebrauchen können – zum Mut machen, den richtigen Weg finden oder zum Schuld haben, wenn die Zeit für das Ziel nicht reicht.

Am 06.03. sind die Tage in der schönen Golden Bay leider schon vorbei, es geht zurück nach Nelson. Ich freu mich auf den netten und vertrauten Ort, jede Menge Tango, und auf viele  Menschen, die ich hier wieder treffen oder neu kennen lernen werde.

 

 

 

2 Gedanken zu „Golden Bay

  1. AnnKah

    Ach herrje, der arme Pinguin! Hoffentlich gehts dem mittlerweile besser! Und Dir natürlich auch. Ansonsten finde ich, Du solltest Dir schonmal nen Verlag suchen zwecks Veröffentlichung von Texten und Fotos…
    Lg, AnnKah

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    1. fraukareistumdiewelt Beitragsautor

      Liebe Annkah, ja der Pinguin – ich glaube mausern dauert etwas …. und mir? Ich krieg so langsam ein bisschen Heimweh – aber das ist ja auch gut so. Sich auf zu Hause freuen, wenn man recht absehbar nach Hause kommt, ist doch genau richtig.

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