Am 06.03 komme ich wieder in Nelson an. Diesmal bin ich in einem anderen Hostel, nicht so nett, weil recht groß und ein bisschen hektisch. Dafür liegt es zentral, ich habe ich ein kleines Zimmer für mich, und – das ist der Grund, warum ich hier bin – Angelika wohnt ab morgen auch hier.
Ich wasche meine Sachen, bügele schon mal meine Tangofähnchen und beschließe den Abend ziemlich ruhig. Am nächsten Tag mache ich das, was in (m)einem Leben als Weltreisende manchmal ein bisschen zu kurz kommt: Augenbrauen zupfen, Finger- und Fußnägel feilen und zum Friseur gehen. Letzteres ist unterwegs wie ein Lotteriespiel – diesmal habe ich Glück, Preis und Schnitt sind voll okay.
Später sehe ich Angelika wieder und freue mich über ein vertrautes Gesicht. Am frühen Abend werden wir und ein paar andere Tangueros abgeholt – Dinner und Milonga finden heute außerhalb statt. Ich freue mich, dass so gut für mich gesorgt wird: die Veranstalterin fragt per email eigens nach, ob mich jemand mitnimmt. Angelika hat den Transport für mich mitorganisiert und für mich auch einen Platz an ihrem Tisch reservieren lassen.

Ich fremdel trotzdem ein bisschen – die neuseeländischen Tänzer kennen sich alle, begrüßen sich mit großem Hallo, reden und tanzen miteinander, Ich bin sehr froh, dass ich nicht alleine sitzen muss. Später wird es besser, es gibt viele schöne Tänze und einen insgesamt sehr netten Abend.
Am nächsten Vormittag schaue ich mal wieder auf den schönen Samstagsmarkt von Nelson : Kunsthandwerk, feine ( Bio- ) Lebensmittel, Obst und Gemüse. Mittags gibt es wieder Tango, diesmal Open – Air bei herrlichstem Wetter im Queensgarden – wundertoll!

Gegen fünf geht’s zurück ins Hostel. Ich möchte ein bisschen die Beine hochlegen, die ja am Abend noch viel mehr Tango tanzen sollen. Gut so, denn klasse wird’s! Ich habe viele sehr schöne Tänze und einen wirklich tollen Abend. Fotografieren? Nö, heute mal nicht…….
Sonntagnachmittag gibt es die Abschiedsmilonga in feinem Ambiente.

Inzwischen habe ich mich richtig eingewuppt und kann mich wirklich nicht beschweren, ich komme viel und gut zum tanzen – und es macht ganz viel Spaß!
Gegen fünf ist die Abschiedsmilonga vorbei, manche bleiben noch und gehen gemeinsam Pizza essen. Ich schleich mich traurig ( so schade, dass es schon vorbei ist ) zurück ins Hostel und packe meine Sachen. Wenn ich geahnt hätte, dass in der Pizzeria noch stundenlang und mit ganz viel Freude getanzt wird …
Am 10.03. muss ich früh raus, ich möchte meinen Bus und später die Fähre zurück auf die Nordinsel schaffen. Auf der Fähre treffe ich Kevin, den ich vom Tango kenne. Er erklärt mir vieles über Neuseeland und erzählt mir auch, was ich in Wellington noch unternehmen könnte. Ich verstehe zwar nur die Hälfte, aber es ist trotzdem nett, einen „Bekannten“ zu treffen.
Nach einem langen Reisetag treffe ich abends meine Bremer Freundin Claudia, mit der ich mich in Wellington verabredet habe.
Es ist schon schön, mal wieder einen richtig vertrauten Menschen zu treffen! Wir teilen uns für zwei Nächte ein Zweibettzimmer ( die Jugendherberge ist mir auch noch sehr vertraut ), erzählen viel und machen am nächsten Tag mit dem Bus einen kleinen Ausflug zur Peninsula Miramar.

Dort gehen wir spazieren, und das nette Cafe am Wegesrand muss einfach sein …..
Meine Vogelkundlerin habe ich jetzt endlich mal direkt dabei und lasse mir alles, was wir sehen und fliegen kann, erklären.
Das Wetter ist nicht ganz so toll, aber zumindest regnet es nicht. Gegen Abend essen wir gemeinsam und beenden den Tag ruhig, wir müssen am nächsten Tag beide recht früh aufstehen.
Für Claudia geht es weiter nach Rotarua, ich muss meinen Flieger nach Tauranga bekommen. Der Flughafen ist übersichtlich, meine Maschine wieder ganz, ganz klein. Und ich weiß auch noch, wie es geht: eigenständig einchecken, Banderole ausdrucken und am Koffer befestigen, den Koffer alleine aufs Band legen und zum Gate gehen. Handgepäckkontrolle? Nö. Diesmal nehme ich mein Wasser mit, Nagelschere und Nagelfeile bleiben auch dort, wo sie immer wohnen…..
Manchmal kann man gleich sehen, ob der Koffer auch mitkommt 😀
Die meiste Zeit fliegen wir über den Wolken, ganz hinten schaut der Tongariro raus ….
Die Küste zeigt sich später wolkenfrei: 
Ich komme gut an, Tauranga liegt ein gutes Stück weiter nördlich – und es ist deutlich wärmer und schwüler. Der Shuttlebus in die Stadt fährt mir direkt vor der Nase weg, der nächste kommt erst in zwei Stunden. Nun gut, es ist ja nicht der Frankfurter Flughafen ……. seufzdolle.
Ein Taxifahrer hat Mitleid- er bietet mir an, mich zum Shuttlebuspreis direkt bis zu meiner Jugendherberge zu fahren ( mal wieder Schwein gehabt ). In anderen Ländern hätte ich jetzt sicher überlegt, ob wirklich kein Bus kommt und/oder was ein Taxi normalerweise kostet und ob bzw. wer mich gerade abzocken möchte. Vielleicht hätte ich auch gehandelt oder andere Fahrer gefragt. In Neuseeland – und das ist das Tolle hier – muss man nicht lange nachdenken. Die Leute sind einfach nett, um nett zu sein…….
Die Jugendherberge ist so lala, der Ort auch nicht besonders herausragend. Ich bin hier nur auf der Durchreise, zu müde, um neugierig zu sein. Trotzdem gehe ich am Nachmittag etwas spazieren, schaue kurz in die Kunstgalerie, bringe in Erfahrung, ob es hier heute Tango gibt ( leider nein ), gehe Einkaufen.

Der Hostelabend ist ganz lustig – ich unterhalte mich lange mit einer deutschen Künstlerin, die ein Stipendium in Neuseeland bekommen hat, und mit zwei munteren Abiturienten vom Bodensee.
Am nächsten Morgen geht’s mit dem Bus über Thames und Coromandel nach Whitianga. der Busfahrer legt eigens einen Fotostopp ein – und es lohnt sich, die Landschaft ist wunderschön!
Whitianga ist ganz nett, mein Hostel liegt etwas außerhalb, aber wunderschön direkt am Strand – und da muss ich sofort hin:
Am nächsten Morgen miete ich mir ein Fahrrad, um an den Hot Water Beach zu fahren. Ein etwas anhänglicher schwedischer Schulleiter im Ruhestand schließt sich mir an, ich bin so mittelbegeistert. Auch begeistert mich nur mittel, das sich Zyklon Lusi ( von Fidschi kommend ) ankündigt. Gegen Abend soll das Wetter ziemlich unangenehm werden, so heißt es schnell aufbrechen. Als erstes müssen wir auf eine kleine Fähre, sozusagen die Sielwallfähre von Whitianga 🙂
Wir radeln 18 ziemlich anstrengende Kilometer bergauf und bergab, die merkwürdig schwüle Luft macht die Strampelei nicht gerade leichter.
Der Hot Water Beach ist ein langer Strand mit wunderschönen Surferwellen. An einer nur bei Niedrigwasser zugänglichen Stelle sprudelt unterirdisch heißes Wasser. Die Leute kommen mit einem Spaten hierher, buddeln sich ein Loch und sitzen kurz darauf in ihrem eigenen kleinen Thermalbad. Sachen gibt’s!
Wir buddeln nicht, sondern schauen eine Weile zu und machen uns dann zeitig auf den Rückweg, um nicht in den Sturm zu kommen.
Abends wird es furchtbar windig, in der Nacht fangen die Regengüsse an. Nun geht für eine ganze Weile nicht mehr viel. Das Foto gibt das leider nur sehr unvollkommen wieder …..
Die Luft ist tropisch warm und schwül, es schüttet, der Wind heult ums Haus. Ich versuche im Laufe des Tages zweimal, kurz an den Strand zu schauen. Beim ersten Mal bin ich nach 50 Metern total durchnässt und gebe auf, beim zweiten Mal schaffe ich es etwas weiter, werde aber so gesandstrahlt, dass ich es sehr schnell bleiben lasse. Gegen Abend gibt es eine Regenpause. Ich gehe mit Caro, einer total netten spanischen Meeresbiologin, kurz an den Strand und lasse mir angespülte Algen erklären:
Hey, da schwimmt ja einer! 
Da sich der Zyklon noch mindestens einen weiteren Tag halten soll und man hier bei diesem Wetter absolut nichts machen kann, ändere ich kurzentschlossen meine Pläne, buche für den 16.03. eine Busfahrt und ein Hostel in Auckland.
Dort treffe ich am nächsten Abend noch einmal Claudia. Das wunderschöne Hostel mit Traumaussicht auf Park und Skyline von Auckland ist superkomfortabel und liegt in unmittelbarer Nähe einer sehr netten Boutiquen- und Ausgehmeile – beides erinnert total an das Bremer Viertel. Claudia und ich fühlen uns absolut zu Hause und gehen gepflegt ein Bier trinken.
Am nächsten Tag frühstücken wir gemütlich und marschieren in ziemlicher Hitze zur Art Gallery. Es gibt eine Sonderausstellung, in der Werke von fünf Maori – Künstlerinnen gezeigt werden. Eine davon finde ich besonders ausdrucksstark:
Aber auch diese Bilder gefallen mir ganz gut

Gegen Nachmittag haben wir noch ein leckeres Muffin- statt Sushi-Essen. Jetzt heißt es Abschied nehmen, diesmal aber wirklich, Claudia fliegt morgen weiter nach Seoul. Ich treffe mich in der Innenstadt mit Roger, fahre mit ihm nach Haus und beziehe „mein“ altes Zimmer und fühle mich gleich wieder wie zu Hause.
Morgen heißt es ausruhen, Wäsche waschen und ein bisschen Sydney vorbereiten. Zwei Tage nach Waiheke – Island sind noch drin, bevor meine letzten Neuseeland – Stunden anbrechen – am 23. geht’s nach Sydney!
