Am 27.04. fliege ich zu meiner Lieblingszeit in Denpasar gen Singapur ab. Mittags um zwölf heißt prima ausschlafen können, und schwimmen, gemütlich frühstücken und irgendwann ins Taxi gen Flughafen steigen.
Gegen drei lande ich in Singapur, fahre mit einem Shuttlebus ins Hotel ( YMCA ) und beziehe am späten Nachmittag mein Zimmer. Und das ist – voll schrecklich! Ich bin ganz unglücklich und mag gar nicht auspacken. Vielleicht bin ich auch einfach total baliverwöhnt?
Hey, mein Reiseführer sagt, dass das Hotel ( zu einem Spottpreis ) toll ist!
Ist, nebenbei gesagt, die teuerste Unterkunft auf meiner Reise ( wenn nicht meines Lebens ….), und sicher nicht die beste! Nach ein, zwei Tagen habe ich mich aber an meine Zelle im siebten Stock gewöhnt und bin ganz zufrieden: supersupersauber, riesengroßes Frühstücksbuffet zum endlich mal Sattessen, ruhig und direkt an einer großen U-Bahnstation gelegen. Am allerletzten Tag bin ich mal zu Fuß und nicht mit der U-Bahn unterwegs ….. da fällt mir endlich auf, wie wunderbar zentral ich wohne 😀 Der 25m Pool ist nur toll, und morgens vor dem Frühstück hab ich ihn immer ganz für mich alleine!
Ich steuer den nächsten Supermarkt an, schwimme ein paar Runden, skype ausführlich mit dem Töchterlein und packe dann doch noch richtig aus.
Am 28.04. schaffe ich es gerade noch zum Frühstück und besorge mir später eine 3 – Tageskarte für Bus und Bahn. Die U – Bahn ist hier toll und prima organisiert. Alles ist perfekt ausgeschildert, es ist auch für mich Orientierungsesel kein Problem, richtig anzukommen. Und, es gibt Straßenschilder! Ganz große!! Überall!!
In den Shoppingmalls fällt mir die Orientierung sehr viel schwerer – diese gehen über zig unter- und überirdische Stockwerke, die durch ein Gewirr von Rolltreppen miteinander verbunden sind. Manche Malls haben im minus viertem Stock eine U – Bahnstation, manchmal sind auch die verschiedenen Malls unterirdisch miteinander verbunden. Singapur scheint die Stadt der Rolltreppen zu sein – unglaublich!

Da mich der ganze Hochglanz etwas irritiert, mache ich mich auf nach Little – India. Bei der Planung von Singapore wurden ganze Stadtteile für bestimmte Völkergruppen vorgesehen, die ethnischen Gruppen sollten sich nicht vermischen. Heute ist es zum Glück anders – die Welten mischen sich wie überall – Singapur ist wunderbar multikulturell!

Little India gefällt mir ganz gut, es gibt viele Geschäfte, viel Gold und Glitzer, Stoffe, Uhren, kleine Lokale. Die Hitze macht mir leider ziemlich zu schaffen, und gegen Mittag schleppe ich mich und ein paar Einkäufe zurück ins Hotel.
Nachmittags mache ich mich auf zur Marina Bay.
Preisfrage: Was hat die Skyline des Singapurer Bankenviertels mit meinem ( momentanen ) Kleiderschrank gemeinsam? Ich glaub, ich muss dringend Farbe in mein Leben bringen 🙂
Marina Bay ist eine künstlich angelegte Bucht, hier dominiert das Marina Bay Sands Hotel, das man von überall aus sehen kann. Es sieht aus wie ein Bügelbrett, drei Türme werden in 200 Metern Höhe durch eine riesige Dachterrasse miteinander verbunden. Hier gibt es einen öffentlichen Teil, und klar, da muss ich hoch, um mir einen Überblick zu verschaffen ….


Der größte Teil der Bügelfläche ist den Hotelgästen vorbehalten, so auch der 150m lange Pool. Aber Rüberblinzeln darf ich mal …. hey, Palmen im 58. Stock?
Außer dem Hotel befinden sich in den Türmen Kasinos, Tagungszentren und, wie könnte es anders sein, jede Menge Prada und Co. Wie in den meisten Shoppingmalls von Singapore findet man die Fressmeile auch hier im alleruntersten Untergeschoss. Ich esse teuer und schlecht und spaziere anschließend sehr hübsch an der Bay entlang gen Innenstadt und Singapore River.






Am 29.04. fahre ich am späteren Vormittag gen Chinatown, das nett, aber unheimlich touristisch ist. Es gibt unzählige Läden und sehr (!) aufdringliche Verkäufer. Viele Schneider, bei denen man sich innerhalb eines Tages auf Maß alles mögliche schneidern lassen kann, haben sich hier niedergelassen. In den engen Gassen ist es heiß und stickig . Nach einem tropischen Starkregen ist die Luft wie in der Dampfsauna ….. ich muss hier raus!



Nachmittags schaue ich mir die Orchard Road an, an der ich ( fast ) wohne. Das ist die Haupteinkaufsstraße von Singapore. Vorgestellt hatte ich mir naiverweise eine Straße mit vielen netten Geschäften und Boutiqen. Straße stimmt, der Rest ist anders: vielstöckige Shoppingmalls, unterirdisch miteinander verbunden, alles schickimicki blankpoliert. An manchen Stellen kann man die Straße nicht überqueren und auch nicht weiterlaufen, man muss durch unterirdischen Shoppinggänge gehen und versuchen, die richtigen Abzweigungen zu erwischen …..
Mich deprimiert all das, auch die Anonymität meines Hotels macht mir zu schaffen. Acht Tage Singapore – viel zu lang! Ich beschließe, umzubuchen ( hoffentlich geht das! ), allein das Vorhaben bewirkt, dass es mir besser geht.
Gesagt, getan. Am Mittwoch gehe ich gleich morgens früh ins Finnair – Office. Juchu, ich kann eher fliegen. Mein Hotel ist ganz kulant, ich darf kostenfrei stornieren ( ich werde nach dem Grund gefragt und muss nur ein kleines bisschen lügen ). Das Hostel in Helsinki nimmt mich früher, also alles prima!
Nachmittags schaue ich mir Gardens by the bay an, das es erst seit 2012 gibt.
In der großen Gartenanlage gibt es zwei Kuppelbauten, die riesige Gewächshäuser sind sowie künstliche Tropenbäume. Das Gelände habe ich schon von der Aussichtsterrasse des Bügelbretthotels bewundern können. In einem der Gewächshäuser ist derzeit eine …. Tulpenausstellung 🙂
Hey, dann krieg ich in diesem Frühjahr ja doch noch ein paar Tulpen zu sehen! Freudolle!


Süß, wie begeistert die Tulpen fotografiert werden, und diese Hollanddeko …..

Die ganze Halle duftet wunderbar nach Tulpe, und hier, genau hier erwischt es mich so richtig – ich hab ganz, ganz schlimmes Heimweh!!! Ich beschließe, es nicht Heimweh, sondern Vorfreude zu nennen und geh zum Trost sofort Bruschetta essen – sehr lecker, sehr wenig, sehr edel …..
Die Portionen sind hier alle winzig klein. Vielleicht aber auch genau richtig, denn dicke Menschen gibt es kaum, und richtig Dicke sieht man gar nicht.
Die Regenwaldhalle ist nicht ganz so kühl ( nach der Tulpenhalle bin ich total durchgefroren ), und ganz nett anzuschauen. Nach den fantastischen Landschaften, die ich auf meiner langen Reise ganz in echt gesehen habe, hauen mich künstliche Wasserfälle und sonstige Scheinwelten nicht so richtig vom Hocker – aber die Tulpen, die haben sich gelohnt! 🙂

Auf den Steg in 22m Höhe, der zwischen den Kunstbäumen ( die hübsch aussehen ) gespannt ist, trau ich mich nicht. Ich bin so zaghaft gerade, vielleicht ist mein Mut fürs erste aufgebraucht?
Die große und bestimmt sehr schöne Gartenanlage spar ich mir ebenso – es ist einfach viel zu heiß!
Abends geh ich tanzen. In Singapur wird sehr viel Tango getanzt. Ich lerne Astrid, eine junge Deutsche, kennen, die seit drei Jahren in Singapur lebt und arbeitet. Ansonsten? Ne, das wird nicht mein Abend, ich gehe früh und wundere mich, wie viele Menschen in der Nacht noch unterwegs sind.
Donnerstag ist erster Mai, auch hier ein Feiertag ( Labour Day – die Läden haben trotzdem alle auf ). Ich besuche den Botanischen Garten, der wirklich sehr schön und weitläufig ist. Der Orchideengarten ist sogar weltberühmt ( sagt mein Reiseführer ).
Die Luftfeuchtigkeit ist zwischen all den Pflanzen besonders hoch, und nach wenigen Metern bin ich schweißgebadet. Ich versuche zu genießen – ganz bald ist Frieren angesagt 😉



Abends wird gepackt, ich freu mich auf Europa!
Am 2.5. muss ich bis zwölf mein Zimmer räumen. Mein Flug geht leider erst um 23.25 Uhr, ich mag das nicht! Zum Glück darf ich mein Gepäck im Hotel lassen und abends in der Sportetage noch einmal duschen.
Acht Stunden muss ich rumbekommen. Ich spaziere ganz ohne U – Bahnfahrt durch die Stadt zum Wasser. Wenn die Hitze zu beschwerlich wird ( also etwa alle 20 Minuten ), kühle ich mich in einer Shoppingmall ein bisschen ab. Später gehe ich ins Singapore Art Museum und ins National Museum of Singapore und schau mir ziemlich gruselige Kunst an:
Diese possierlichen Tierchen ( von denen es noch ein paar mehr gibt ) sind aus der abgeschnittenen Fußhornhaut des Künstlers zusammengesetzt ….. ist das nicht ekelhaft?

Irgendwie geht dieser Tag dann doch ganz gut vorbei. Kurz vor sieben schau ich im Netz nach meinem Flug und stelle entsetzt fest, dass mich FinAir auf eine Maschine nach Peking ( !!! ) umgebucht hat. Hääää????? Ich hatte doch schon eingecheckt! Was soll das denn?
Am Flughafen wird mir erklärt, dass die Maschine in Helsinki nicht starten konnte – folglich gibt es keinen Flieger, der direkt zurückfliegen kann. Alle Passagiere werden umgebucht, viele müssen so wie ich einen großen Umweg und acht Stunden Verspätung in Kauf nehmen.
Ochneeeeesoeinescheiße!!!! Peking – da will ich nicht hin, das liegt so gar nicht auf dem Weg!!!!
Ja, und Singapur? Eine Weltstadt, superschön, supersauber, supergrün, supersicher, superorganisiert, supermodern, superkonsumorientiert, superkünstlich. So viele Menschen! Unglaublich viele Shoppingmalls! Es gibt ganz viel Lohnendes anzuschauen ( man muss sich bei dieser Hitze nur aufraffen können) !
Das Klima ist so gar nicht meins, die hohe Luftfeuchtigkeit ist wirklich unangenehm. Wo es nur irgend möglich ist, wird klimatisiert, oft meine Rettung, ja ich weiß, auch sehr, sehr ungesund. Singapur und ich ….. da passt was nicht!

Meine Reise geht zu Ende, kann es deutlich spüren. Ich bin ganz satt und ziemlich müde. Tolltolltoll wars, aber oft auch ganz schön anstrengend. Ein bisschen Sahnehäubchen gibt es noch, Helsinki, bin schon unterwegs!

wir freuen uns alle, dich bald wieder zu Hause zu haben
oh wie schön, das hör ich gerne! Liebe Grüße aus dem wirklich schönen Helsinki (ist ganz schön frisch hier!)
Liebe Sabine,
ich wünsche Dir noch ausreichend Potenzial, Dich Einlassen zu können, auf der letzten Station Deiner Weltreise, auf das, was Dir zufällt und Du Dich immer mehr aufs Ankommen Zuhause freust!
Herzlich von Regina
Danke dir, liebe Regina, ja, ich schwächel schon ein wenig…. Aber meine Verstärkung ist ja unterwegs, die wird mich schon aufpeppen 🙂 Bis bald!