Sonntag, 11.5., komme ich wie geplant gegen halb zehn morgens am Hamburger Flughafen an. Hape holt mich vom Flughafen ab, wir sind zum Frühstück und Spazierengehen verabredet. So nähere ich mich langsam und ganz, ganz vorsichtig der Heimat …..

Meine Gefühle sind gemischt – ich hab mich so auf Bremen gefreut, meine Freunde, mein Zuhause … aber wie wird das alles sein, wie wird es sich anfühlen, nicht mehr unterwegs zu sein? Was hat sich verändert, habe ich mich verändert, was wird mir wichtig sein? Werde ich in ein tiefes Loch fallen, wie wird es sein, zu Haus zu sein, ganz ohne Route und vielleicht auch ohne Plan? Ist es mit meinen Lieben so wie immer oder doch ganz anders? Was habe ich verpasst – habe ich etwas verpasst – und wird der Anschluss nahtlos sein? All diese Fragen gehen mir auf der Fahrt von Bremen nach Hamburg durch den Kopf. Ich bin müde, aber auch sehr aufgeregt und fühle mich irgendwie …. seltsam.
Buchholz …. Rotenburg ….., noch fünf Minuten, Bremen Hbf …… der Zug ist rappelvoll, der Bahnsteig auch. Ich halte beim Aussteigen nach Corla Ausschau, die mich abholen und nach Hause bringen möchte. Ooooh, da stehen Menschen mit Schildern, ooooh, ich bin gemeint!!!! Corla und Mike und Claus und Angela und Sönke. Claus hat seinen Sohn zum Fotografieren mitgebracht, es gibt Blumen und Tango und ein Tänzchen auf dem Bahnsteig – wow, was für eine Begrüßung!! Ich bin ganz gerührt!



Wir fahren alle in das Haus, das erst wieder mein Zuhause werden muss, dort warten Margit und Dietrich mit Kaffee, selbstgebackenen Kuchen und Sekt ….. ach, ist das toll.
Neele kommt mit ihrem Freund, die Nachbarn schauen mal kurz rein, Sarah, meine Noch – Mieterin ist da …… so viel Trubel! Am Abend gehen wir tanzen – was für ein schöner Tag! Ankommen und Nachdenken verschiebe ich auf später ………
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Inzwischen bin ich seit einer Woche wieder zu Hause. Noch habe ich kaum ausgepackt, auch die vielen Bananenkisten, die im Keller und in den Kabuffs auf mich warten, habe ich nicht angerührt. Ich lebe weiter aus meinem Koffer, überlege jeden Morgen, welches meiner fünf T – Shirts ich heute anziehe und komme ganz gut klar 😉
Bevor ich mich wieder ausbreite, möchte ich ändern, streichen, innerhalb des Hauses umziehen und mich – da bin ich ganz, ganz sicher – reduzieren. Krempel raus, Leere rein. Mir ist nach ganz viel Fläche und wenig Gegenstand. Übersicht.
In den ersten Tagen überschlagen sich die Ereignisse. Es gibt viele Treffen mit lieben Menschen und stundenlange Telefonate. Manches muss ich sofort erledigen, vieles möchte ich schnell angehen, um ankommen zu können. Ich hatte mir vorgenommen, mich langsam anzunähern, ….. das klappt nicht wirklich.
Damit ich nicht ganz konfus und hektisch werde, mache ich das, was mir auf meiner Reise immer wieder gut getan hat: ich verschaffe mir einen Überblick 😉
272 Stufen später genieße ich die wunderbare Aussicht vom ( und in den ) Bremer Dom!


Dann gibt’s noch – nein, keinen Cappuchino – eine Apfelselleriesuppe in den Weserterrassen. Ich stelle fest: entdecken, neugierig sein und mal was anderes ausprobieren geht auch zu Hause gut.
Meine Reise …. es waren wunderbare und glückliche neun Monate. Ich habe so viel Schönes gesehen, so viel unternommen, so viele interessante Menschen kennen gelernt. Manches ist durch die Fülle der Erlebnisse schon fast vergessen. Ab und an lese ich in meinem Blog und staune selber, was alles war. Anderes ist unvergesslich. Galapagos, aber auch die magische Weite der argentinischen Pampa, die Südseestrände, das großartige Neuseeland und die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen dort; auch Indonesien hat besondere Eindrücke hinterlassen.
Ich habe unterwegs so manche Lehrstunde in Großzügigkeit und Gastfreundschaft erhalten. Das möchte ich in meinem Herzen bewahren, mich erinnern und weitergeben. Hier danke ich besonders Roger und Miriama aus Auckland und Elke und Hubert aus Santa Rosa – ihr habt mich wie selbstverständlich bei euch wohnen lassen, mich beköstigt und mir Einblicke in euer Leben gewährt.
Bestimmt werde ich noch lange brauchen, um wirklich zu verarbeiten. Blog lesen, Fotos schauen, mich erinnern, auch daran, wie ich mich in den einzelnen Situationen gefühlt habe, wird helfen.
Alleine Reisen war viel leichter als gedacht, die grenzenlose Freiheit hab ich sehr genossen. Die Fixpunkte, d.h. die fest verabredeten Treffen, waren dennoch ganz, ganz wichtig!
Unangenehme oder bedrohliche Erlebnisse gab es kaum. Ich bin erstaunt, wie viele Menschen für lange Zeit unterwegs sind. Die meisten von ihnen sind in einer Umbruchphase, brauchen Abstand und/oder möchten schauen, wie es für sie im Leben weiter gehen kann. So viele deutsche Lehrerinnen im Sabbatjahr! 😀
Heimweh war kein großes Thema, wirklich allein habe ich mich nur selten gefühlt. Wenn doch: Trost gab es immer, sei es im direkten Gespräch, per Email, Chat oder Skype.
Ohne die Hilfe meiner Freunde wäre es nicht gegangen. Ein großes Danke an alle für das Mutmachen vorher, die Unterstützung während der Reise und für den herzlichen Empfang, der mich so sehr gefreut hat!
Besonders danken möchte ich Neele, die mir mit Rat und Tat und viel Verständnis zur Seite steht ( bist ne tolle Tochter!! ), Dietrich für die Erledigung von Bankgeschäften, lästiger Korrespondenz und noch viel mehr, und Irmi, ohne die es sowieso nicht geht.
Ich bin sehr froh, unterwegs gewesen zu sein. Und jetzt bin ich sehr froh, wieder hier zu sein.
Ob ich mich verändert habe? Bestimmt! Und wenn doch nicht, ist es ja auch okay 😀
