Banos (mit Kringel über dem „n“) oder: Wasser von allen Seiten

Die Busfahrt  nach Banos –  acht Stunden mit einmal Umsteigen – verlief erstaunlich unproblematisch. Das Busnetz ist hier wunderbar ausgebaut, und: ich hatte Glück, der Sitz neben mir war immer frei. So hatte ich Platz für meinen kleinen Rucksack, meine Jacke und meinen Proviant. Auf den Boden oder in die Ablage legen soll man nichts (Diebstahlgefahr!), und über Stunden alles auf dem Schoß zu halten, ist etwas ermüdend.

Meine Gastgeber hier sind reizend – ein älteres dänisches Pärchen, das sich vor Jahren in den Ort verliebt hat und für immer zurück gekehrt ist. Hier haben sie ein wunderschönes, kleines Haus, mehrere Hunde, einen Papagei und auf ihrem Grundstück ein Guesthouse mit genau zwei Zimmern – in einem davon wohne ich:IMG_1423Und so sah es heute morgen aus, als ich aus meiner Zimmertür geschaut habe: Regen, Regen , Regen, Regen…. und ziemlich tief hängende Wolken 🙁IMG_1422In den Wochen zuvor und auch heute Nacht hat es so stark geregnet, dass es mitten im Ort einen Erdrutsch gab – natürlich das Gesprächsthema des Tages. Mit viel Glück haben die Erdmassen kurz vor dem ersten Grundstück ( einem Hostel ) halt gemacht ….. jedenfalls muss es heute Nacht ziemlich gerumpelt haben. Alle sind davon wach geworden – nur ich nicht.IMG_1430Ich finde so hohe Berge vom Tal aus gesehen etwas beklemmend ( komme ja auch vom platten Land…) – nur gut, dass ich hier nicht ganz dicht am Berg wohne und mir nichts auf den Kopf rutschen kann.

Heute Vormittag hat es geregnet ….. ununterbrochen. Ich hab mir den kleinen, ziemlich touristischen Ort angeschaut – was soll man bei diesen Wolkenbrüchen auch anderes machen?

Typisch für Banos sind Karamellbonbons, die an vielen Ständen verkauft werden, Spa’s, Thermalbäder, Schönheitssalons  und unglaublich viele Agenturen, die Touren verkaufen wollen: Rafting, Canyoning, Wandern, Reitausflüge, Reisen in den Regenwald, Wasserfalltouren mit einer Chiva ( das ist der offene Bus) usw. Manches ist ganz schön, manches auch absoluter Nepp ( weil man das für einen Bruchteil des Preises auch auf eigene Faust unternehmen kann ).IMG_1501IMG_1498IMG_1415Während des Vormittags bin ich in einem kleinen Buchladen gelandet, der von einer Dänin geführt wird und in dem man auch einen Kaffee bekommt. Mit der jungen Frau bin ich in ein langes und sehr interessantes Gespräch gekommen – sie ist mit einem Ecuadorianer verheiratet, den sie in Kopenhagen kennen gelernt hat. Beide sind gelernte Lehrer und haben zwei Kinder im Grundschulalter – und sind entsetzt von den Schulen vor Ort. Obwohl es offiziell verboten ist, schlagen Lehrer hier gerne zu. Meine Gesprächspartnerin hat ihre Kinder deshalb an eine Freinet-Schule nach Quito gegeben. Dort werden sie eine Woche pro Monat im Klassenverband, die restlichen drei Wochen von ihren Eltern zu Hause unterrichtet.

Gegen Mittag hat es aufgehört zu regnen und ich konnte zu meiner geplanten Radtour aufbrechen. Empfohlen wurde mir eine gut ausgeschilderte Strecke Richtung Puyo. Die 18 km waren leicht zu fahren, weil es ausschließlich bergab ging, zu sehen gab es schwindelerregende Abhänge, viel Wasser und einige Wasserfälle. Diesen hier kann man noch im Ort sehen:IMG_1425Am Staudamm:IMG_1442IMG_1444Über die Schluchten sind Drahtseile gespannt, wagemutige Touristen lassen sich für 10 Dollar ans Seil hängen und ein paar hundert Meter weit auf die andere Seite rutschen ….. das muss wie Fliegen sein – mir haben aber schon allein vom Zuschauen die Knie gezittert. IMG_1449IMG_1454IMG_1457IMG_1458Der letzte Wasserfall bei Rio Verde war der größte und total beeindruckend. Man musste erst einmal zwanzig Minuten eine Treppe bergab steigen, um den Wasserfall sehen zu können. Unterwegs gab es aber auch schon einiges zu gucken:IMG_1480Durch den roten Stein sah das abfließende Wasser aus wie Blut:IMG_1465IMG_1469IMG_1470Tja, und dann bin ich doch noch auf die andere Seite gekommen – Hängebrücken über Abgründe sind ja nicht unbedingt meins, diese war aber breit, sah stabil aus und hat nur wenig geschaukelt …….IMG_1479IMG_1475Den Weg zurück (bergauf) lässt man (also die Touristen) sich mit einem Lastwagen-Taxi fahren. So war der Weg sehr erlebnisreich, aber wenig anstrengend.

Wieder zu Hause hat mir meine Vermieterin als Überraschung Kaffee und lecker Schokokuchen gebracht 🙂

Heute Abend war ich in einem wunderbaren alternativen Cafe/Restaurant essen – das könnte auch irgendwo im Bremer Viertel sein. Es gab Live-Musik, Ausleihbücher (auch deutsche!) und leckeres Essen, das ich nach dem üblichen Reis-Kartoffeln-dicke Bohnen-Mittagstisch für 1.50 absolut genossen habe.

Seit gestern habe ich darüber nachgedacht, wie und ob ich meine Regenwaldtour gestalte. Eins war klar: einen Abstecher in den Regenwald möchte ich schon machen. Die hier im Ort angebotenen Touren starten aber fast alle in Lago Agrio im Norden von Ecuador – also weitere zwei Tage im Bus … ach nö. Außerdem hab ich in einem anderen Reiseblog den genauen Ablauf dieser Touren nachgelesen …. ach nö, ich mag nicht mit 20 anderen Touristen bei einem Schamanen sitzen 😉

Das alles habe ich meiner Vermieterin erzählt. Sie ist gut mit einem Indiginen vom Stamm der Shuar befreundet, der ab und an als Guide in den Regenwälder arbeitet. Shuar’s leben ziemlich abgeschieden im südlichen ecuadorianischem Regenwald und möchten, so sagt jedenfalls mein Reiseführer, eigentlich nicht so gerne Besuch von Touristen haben. Mir wurde jetzt eine individuelle Tour zu einem guten Preis organisiert. Sonntag morgen werde ich für drei Tage und zwei Nächte abgeholt – ich bin gespannt! Und Angst hab ich ….. dort gibt es Taranteln und Vogelspinnen…..uuuuuuuuuuaaaaaaaaaaaaaah!

Mein Zimmer darf ich in der Zwischenzeit einfach weiter belegen ….. ohne dafür zu zahlen. Wow!!!!! In den Regenwald geht’s natürlich mit ganz kleinem Gepäck, Dienstag Abend werde ich zurück sein und hier noch einmal übernachten. Mittwoch möchte ich mich dann für meine letzten Ecuadortage auf den Weg an die Küste machen.

Vor dem großen Abenteuer heißt es aber erst einmal noch zwei Tage Banos genießen: morgen früh geht’s zusammen mit meiner Vermieterin in eins der Thermalbäder zum Schwimmen, nachmittags möchte ich Wandern, abends schön essen 🙂

 

 

 

2 Gedanken zu „Banos (mit Kringel über dem „n“) oder: Wasser von allen Seiten

  1. Gudrun

    Was hast du immer Glück mit deinen Unterkünften ….sooooo nette Leute. Das Viertelgefühl hatte ich in Banos auch: indisches Essen, DVDs, europäische Zeitungen. Fotographiere im Regenwald unbedingt eine wildwachsende Orchidee.

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  2. Neele

    Mami, wenn du lange auf das N drückst (nicht auf der Tastatur, sondern auf dem Tablet selber, müsste eigentlich eine Kringeloption kommen 😛
    Genieß die Spinnenfreie Zeit bis Sonntag 🙂

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