Freitag, 15.11., komme ich abends wieder im Green House Hostel an – ist fast wie nach Hause kommen! Ich freue mich, dass ich mich gleich auskenne und beziehe mein kleines, aber sehr gemütliches Einzelzimmer. Abends spät geht’s auf die Milonga. Als ich in dem schönen Restaurant ankomme, ist noch nicht viel los, die meisten sind noch beim Abendessen. Anders als in Buenos Aires gibt es keine Touristen, ich falle auf! Aufgefordert werde ich sehr viel, und von allen werde ich gefragt: wo kommst du her, wo hast du tanzen gelernt, tanzen die Argentinier anders als die Deutschen ( ja! ) ….. mit manchen klappt das Tanzen ganz gut, mit anderen sehr gut und ein paar Traumtänze gibt es an dem Abend auch für mich. Mir wird erklärt, wo ich am nächsten Abend tanzen gehen kann und so gegen zwei fahre ich müde und zufrieden nach Haus.
Am nächsten Morgen steht etwas Unangenehmes an … ich muss das Auto zurück bringen, leider hat es eine sehr tiefe Schramme an der Fahrertür, die Karrosserie ist wie aufgeschnitten. Mir ist das nicht passiert, da muss jemand das parkende Auto gestreift haben. In Deutschland wäre das ein Schaden von mindestens (!!!) 300€ … ich habe eine Selbstbeteiligung von 500 Dollar und mache mir etwas Sorgen um meine Reisekasse.
Der Schaden wird in der Autovermietung mit den Worten begutachtet: ach, das ist nicht schlimm, da fehlt nur ein bisschen Farbe, das berechnen wir nicht. Glück gehabt 🙂 Die Latinos sehen manches wohl etwas lässiger!
Nachmittags erwandere ich mir weitere schöne Ausblicke, kühle meine heißen Füße in kalten Bergseen, suche mir einen schönen Pausenplatz und bewundere ein nettes Bushäuschen im Hunderwasserstil:

Abends bin ich müde und zu verzagt, um auf die Milonga zu gehen. Nachdem ich ne Stunde mit mir gerungen habe ( gehe ich, gehe ich nicht …. ) geh ich einfach schlafen. Schade!
Sonntag mache ich eine Tour mit dem Schiff auf die Isla Victoria.
Das Wetter ist toll, und es gibt viele, meist argentinische Touristen. Ich lerne eine Psychologie – Professorin aus Buenos Aires kennen, die in Bariloche einen Vortrag gehalten und noch einen Urlaubstag genießen möchte. Sie ist Fachfrau für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, reist beruflich sehr viel, auch in Europa und Nordamerika. Mit Erstaunen stellen wir fest, dass die Probleme weltweit die gleichen sind. Alle, die in der Schule arbeiten oder im weiteren Sinne mit Erziehung zu tun haben, wissen sofort, wovon man redet….
Die Isla Victoria ist grandios schön. Für mich ist Ausruhtag, ich laufe in der ganzen Gruppe mit, lasse mir von einem Guide die Pflanzen erklären und bin mit einem kleinen Spaziergang zufrieden.


Später geht’s mit dem Schiff noch weiter auf die Halbinsel zum Parque Nacional Los Arranyanes – dort komme ich an die Stelle, die ich mir zwei Tage zuvor 13 km lang erwandert habe. An diesem bezaubernd schönen Ort sieht es diesmal so aus:
Menschenmassen wie auf dem Bremer Freimarkt ….. furchtbar. Neben unserem Schiff haben noch ein paar andere Boote angelegt. Ich freu mich, dass ich hier schon mal allein war und geb mir ganz viel Mühe, nicht genervt zu sein 🙂
Auf dem Rückweg kommt plötzlich Wind auf, es gibt plötzlich richtig Seegang … das ist doch nur ein See! Der Guide erklärt, dass es sehr oft viel Wind gibt, die Wellen können bis zu 2m hoch werden!
Am Abend raff ich mich dann auf und geh auf eine Milonga, die Sonntags im Casino Bariloche stattfindet. Kaum komme ich herein, werde ich schon an den Tisch gewinkt, an dem der Tanzlehrer sitzt, und auf ein Glas Wein eingeladen. Mit einigen habe ich auch am Freitag schon getanzt. Auch heute werde ich gleich wieder aufgefordert, manche fragen, wo ich denn gestern gewesen bin ….. ach ist das nett. Das kenne ich von deutschen Milongas gar nicht …. dort muss man ja ne ganze Weile tanzen gehen, bevor man auch nur gegrüßt wird ( wenn überhaupt….). Hier ist es nett und familiär! Margit, weißt du noch, in Granada war es auch so nett!
Am Montag geh ich mal wieder ne Runde Fahrrad fahren ….. ich möchte die Tour machen, die ich in meiner ersten Bariloche – Runde wettertechnisch nicht machen konnte. Gut so, denn heute ist es grandios. Der Circuito Chico ist 25 km lang. Ich bin etwas besorgt, ob meine Kondition reicht, es geht nur bergauf und bergab. Bergauf schieb ich dann meistens, schaffe die Tour aber ganz gut. Wolfgang, das wär auch was für dich gewesen! Du hättest die Runde ja zweimal ( oder dreimal? ) machen können ……
Abends kommt eine Frau in meinem Alter im Hostel an. Sie lebt seit vielen Jahren in Israel, kommt eigentlich aus Argentinien, die Kinder sind erwachsen. Ihren Job als Kunsttherapeutin hat sie aufgegeben, um reisen zu können. Wir bedauern es beide, dass wir uns nicht ein paar Tage eher getroffen haben. Außerdem treffe ich die beiden deutschen Frauen wieder, die mir neulich mit der Reiseplanung so gut weiter geholfen haben. So wird es ein netter und sehr interessanter Abend für mich.
Heute heißt es packen, nachmittags startet der Bus nach Mendoza – 16 Stunden Busfahrt stehen mir bevor. Ich freu mich drauf, ich möchte die Zeit nutzen, mich ein bisschen zu sortieren, Eindrücke sacken zu lassen, aus dem Fenster schauen und ein Gefühl für die riesigen Entfernungen in Argentinien zu bekommen.



ich nehm dich beim wort!
Liebe BinKa, den Los Arranyanes fand ich auch sehr schön, ich hatte dasselbe Boot genommen. Glücklicherweise waren da nicht ganz so viele Leute unterwegs. Und die meisten beliessen es bei einem kleinen Rundgang, etwas weiter weg war es eine bezaubernde Atmosphäre.
Es scheint mir doch, dass sehr eintrifft, was ich Dir schon gesagt hatte: man/frau ist gerade beim alleine unterwegs sein, gar nicht alleine – im Gegenteil man lernt viele ausgesprochen nette Leute kennen.
Be aware of of Mendosa: Als wir dort waren, war es brüllend heiss.., eigentlich zu heiss um sich überhaupt zu bewegen.
Schön, die frühlingshaften Bilder zu sehen…, hier hat es heute Nacht gefroren und ich habe eine dicke Erkältung,..
Grüße
C.
Liebe Claudia, also heute gabs hier auch kuschelige 36 Grad 🙂 Da die Luftfeuchtigkeit so gering ist, finde ich es trotzdem aushaltbar. Nachts ist es allerdings am besten. Komme gerade vom Tango 🙂
Liebe Bine, toll, wo man überall tanzen kann! aber ich muss dir widersprechen. Ich glaube auch in Deutschland gibt es Orte, wo es ähnlich persönlich ist, also z. B. bei uns in Magdeburg. und nach Rücksprache mit Helmut: auch in Dublin wurden wir sehr nett aufgenommen.
Liebe Grüße von Corinna
Liebe Corinna, dann muss ich wohl mal nach Magdeburg kommen 🙂 Aber ich hab ja auch nicht geschrieben, dass es das bei uns nicht gibt – nur dass ich es so nicht kenne ( lasse mich sehr gern vom Gegenteil überzeugen!)