Sonntag, 24.11. fahre ich mit dem Bus von Mendoza gen Valparaiso. Die Fahrt ist nicht lang, nur etwa acht Stunden …. hier verschieben sich die Relationen. Meinen Lieblingsplatz bekomme ich nicht mehr, aber eine Reihe weiter hinten kann ich auch gut sehen – und es lohnt sich! Einen Teil der Stecke kenne ich von der gestrigen Tour, nun hab ich Gelegenheit, noch mal in Ruhe zu schauen ….. ich finde die Landschaft so toll!
Die Kontrollen an der chilenischen Grenze sind ziemlich langwierig. Natürlich müssen alle aussteigen, Handgepäck und sämtliche Koffer werden aufs genaueste kontrolliert. Man darf keine frischen Sachen, also Gemüse und Obst, mitnehmen, und manche müssen ganze Koffer voller Olivenöl auspacken ( scheint in Chile teuer zu sein ).
Nach eineienhalb Stunden geht’s weiter, ich bin gepannt auf Chile! Nachmittags komme ich in Valparaiso an – allein dieser Name! Toll!! Und das Meer ….. hab ich ja auch schon ne Weile nicht mehr gesehen. Ziehe am Busbahnhof schnell Geld, schnappe mir ein Taxi und lasse mich in ein sehr schönes B&B ( Yellow House ) bringen. Außerhalb meines Limits, aber was solls. Chile soll ja sehr teuer sein. Und ja, so ist es…….das merke ich gleich an den Taxipreisen.
Nachmittags schaue ich mir ein bisschen die nächste Umgebung an. Valparaiso wurde auf knapp 40 Hügeln erbaut wurde. Es gefällt mir ganz gut! 
Die erste Nacht muss ich in einem benachbarten Apartment verbringen, das B&B ist ausgebucht. Die Qualen halten sich sehr in Grenzen! 🙂
Wow …. wie schön, was für eine tolle Aussicht auf Hafen und Meer. Und: Bad mit Badewanne. Das hatte ich bislang noch nicht. Nach dem ganzen Mendoza – Hosteloberschimmelgammel kann ich diesen Luxus sehr genießen! Da es hier deutlich kühler als in Mendoza ist ( etwa 18 Grad weniger …… ), gönne ich mir ein schönes Vollbad – genial. Ich schlafe schon in der Wanne ein, und später im Bett wie ein Stein. Reisen macht ( mich) doch sehr müde!
Am nächsten Tag schaue ich mir Valparaiso etwas genauer an, nebenbei suche ich mir eine Unterkunft ab Mittwoch, dann ist mein jetziges B&B ausgebucht. Hat für mich den Vorteil, dass ich mir etwas suchen kann, das zentraler liegt. Momentan mag ich abends gar nicht ausgehen ….. der Weg in die Innenstadt, so wird mir in der Touristeninfo gesagt, ist gefährlich. Und Taxifahren kostet hier richtig Geld!
Der Cerro Alegre ( Cerros heißen hier die Hügel, und alegre bedeutet fröhlich ) ist sehr nett, es gibt viele tolle Fotomotive: – und man kann so schön auf den Cerro Artelleria schauen: in dem gelben Haus wohne ich 🙂


Am nächsten Morgen mache mich auf den Weg nach Viña del Mar, das ist ein Badeort, der direkt an Valparaiso angrenzt. Beide Orte zusammen haben etwa 300000 Einwohner. Viña del Mar ist nicht gerade eine Schönheit, aber der Strand ist nett:
Das Wasser ist total kalt, dafür soll der Humboldtstrom verantwortlich sein. Manche baden trotzdem, aber nie lange. Und ich finde es ganz schön, die Füße mal wieder in den Pazifik zu halten.
Ich genieße meinen Strandtag, kümmere mich um meine weitere Reiseplanung und muss abends schon wieder zusammen packen – morgen geht’s in mein nobles Boutique – Hotel auf dem Cerro Alegre. Dort gibt’s neben sehr schönen, großen und superteuren Zimmern ( 300 US Dollar oder so ) auch Schlafsäle. Außer mir gibt’s kaum Gäste, ich hab mein geteiltes Zimmer für mich alleine.
Seit Tagen versuche ich rauszufinden, wo man denn in Valparaiso so schön Tango tanzen gehen kann, wie mir berichtet wurde. Die Interneteinträge sind uralt, ich schreibe einen Tanzlehrer an, der mir auch antwortet. Leider schreibt er, dass es in dieser Woche keine einzige Milonga in Valparaiso gibt, stattdessen möchte er mich in seine Tanzstunde am Abend einladen.
Tja ….. nun gut, mache ich mich also auf in die Tanzstunde. Den Ort finde ich, es ist ein völlig (!)runtergekommenes Haus, ich wär nie darauf gekommen, dass hier Unterricht stattfinden kann. Schade, dass ich meinen Fotoapparat nicht dabei habe!
So langsam trudeln die Leute ein, die meisten fangen gerade erst mit dem Tango an, wir sind ungefähr 15. Am Anfang gibt es Übungen – jeder geht für sich allein, übt Schritte, Drehungen ….. das kenne ich schon von der Tanzschule in Buenos Aires, in die ich vor vier Jahren tapfer immer mal wieder besucht habe – tapfer deshalb, weil es eher zum Abgewöhnen als zum Spaßhaben war. Nun gut, ich übe fleißig mit, später wird mir ein ganz guter Tänzer zugeteilt, und es fängt an, Spaß zu machen. In der Pause gibt es Wein und Cola, ich unterhalte mich nett und finde die Leute sehr herzlich. Nach dem Unterricht werde ich sogar noch nach Haus gefahren, ich bin ganz froh, weil Valparaiso besonders nachts nicht ungefährlich sein soll. Und ich freue mich über den schönen Abend! Dafür ist Tango besonders toll: Leute vom Ort kennen zu lernen und alleine in einer fremden Stadt schön ausgehen zu können!
Am nächsten Morgen holt mich Michael, ein Guide, im Hotel ab – ich habe zusammen mit zwei ganz netten amerikanischen Pärchen einen Tag Stadtrundgang gebucht. Und das lohnt sich! Michael wohnt seit Jahren hier und kennt viele Leute, wir besuchen Privathäuser und hören viele interessante Geschichten. Wandbilder und Graffiti sehen wir unzählige, ich hab mindestens hundert fotografiert – dafür gibt es später einen extra Blogbeitrag.



Die elektrischen Leitungen sind atemberaubend …… 
Und die liegen hier auch unzählig herum ….. ich glaub ich hab noch nie so viele herrenlose Straßenhunde gesehen – die sind aber hier alle recht entspannt.
Und das ist einer der über 100 Jahre alten Fahrstühle, die einen in die höher oder tiefer gelegenen Stadtviertel bringen – gewöhnungsbedürftig, aber bequem 🙂

Mittags gehen wir im Cinzano essen, einem uralten Traditionslokal. Später schlendern wir noch ein bisschen weiter, trinken einen Kaffee, und dann ist der schöne Tag auch schon wieder vorbei.
Für mich heißt es schon wieder Sachen packen. Valparaiso ist atemberaubend, nicht nur schön, aber auf jeden Fall anders und sehenswert. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Aber ich habe nur einen kleinen Teil gesehen, es wird davon abgeraten, die höher gelegenen Cerros zu besuchen. Besonders entspannt konnte ich hier nicht spazieren, die nettesten Viertel sind Cerro Alegre und Cerro Concepcion – dort sind die meisten Fotos entstanden. Hier sind auch die vielen Touristen unterwegs. Es gibt hinter alten Fassaden erstaunlich luxeriöse Hotels und Restaurants, diese Viertel gelten als sicher. Unterhalb der Hügel in dem modernen Zentrum mit breiteren Geschäftsstraßen merkt man deutlich, dass es sehr viele bitterarme Menschen gibt.
Mit dem chilenischem Spanisch komme ich nicht so gut zurecht – es ist noch schwieriger als in Argentinien. Und was auch ein bisschen nervt – ich werd hier ständig übers Ohr gehauen. Das ist mir weder in Ecuador noch in Argentinien passiert ( oder die Leute haben es dort so schlau angestellt, dass ich es nicht gemerkt habe …. ).
Nach langen Überlegungen und Hin und Her bin ich mit mir übereingekommen, ein paar weitere Sehenswürdigkeiten auszulassen ( z.B.: die Atacamawüste ….. aber immerhin habe ich sie ja schon vom Flugzeug aus gesehen ) und an den Ort zurückzukehren, an dem es ganz sicher jede Menge Tango und Milongas gibt ….. hey, wann kommt man denn sonst für 70€ nach BsAs ???????? 😉





Wie jetzt – doch nicht nach Santiago?
Grüße aus dem trüben HB
Claudia
doch, doch … kommt noch, am 14. geht ja auch mein Flug nach Nzl 🙂
Dann empfehle ich erst mal in den Norden zu reisen…, sonst dürfte der Klimaschock zu groß sein!
so nun bin ich das 1. mal in Chile. gefällt mir. heut ist bei mir das erste mal so etwas wie “ oh das würde ich auch gerne machen. aber dann ……habe ich mich wieder beruhigt. da ich fahre ja in 2 Wochen zum Tango nach kehl (Straßburg ) fahre. reise weiter, genieße und berichte. gruß aus bremen
ni bin ich aber schon wieder in Argentinien 🙂
Liebe Frau Ka,
hab eine schöne Busfahrt und viiiele schöne Tandas.
Hihihi! Bist ja schon ein verrücktes Huhn ;-))
Alles Liebe
hape
Die Busfahrt war ganz schön, ich mag das ….. und die schönen tandas – ja, die hab ich hier 🙂 war ne gute Entscheidung, noch mal zurückzukehren!