Am 20.01. komme ich nach fünf Stunden Busfahrt, auf der mal wieder alles klappt wie am Schnürchen, in Wellington an. Ich rolle mein Köfferchen eine Weile am Wasser entlang und freue mich – die Stadt ist schön, windig und für eine Hauptstadt ziemlich klein ( 200 000 Einwohner ).


Architektonisch gibt es viel Durcheinander, nichts passt zusammen. Ich finde das ganz gemütlich, und ab und an gibt es ein richtiges Schmuckstück: das ist der Bahnhof – ist der nicht schön?
Kaum habe ich mein Zimmer in der supergut geführten und supergroßen Jugendherberge bezogen ( und mir ein Upgrade vom düsteren 6er – Dorm mit schrecklichem Ausblick in ein 4 er – Dorm mit eigenem Bad und tollem!!! Blick in den Hafen verordnet habe ) bebt die Erde. Und zwar heftig, das ganze Gebäude schwankt. Ich finde es unheimlich, die Leute von der Rezeption nehmen es gelassen. Hoffentlich kommt da nichts mehr nach! Später erfahre ich, dass dieses Beben immerhin 6.2 auf der Richterskala stark war – ist wohl nicht nichts!
Und das ist der Blick aus meinem Zimmer – man kann es fast Millionärsblick nennen 🙂
Straßenlärm und schnarchende Mitschläferinnen muss man sich allerdings dazudenken …… 
Nachmittags schaue ich mir ein bisschen Wellington an, abends holen mich Karin und Nadja, mit denen ich schon in Napier unterwegs war, ab. Wir gehen einen Wein trinken, sind aber alle müde. So wird es diesmal nicht so spät.
Leider wird die Nacht unangenehm, eine durchgeknallte Neuseeländerin in meinem Zimmer motzt rum und weckt alle auf. Seufz. Low Budget ist doch manchmal sehr low …..
Am nächsten Tag regnet es von morgens bis abends. Ich bleibe bis nachmittags in der Jugendherberge, organisiere meine Weiterreise, skype, schreibe emails. Nachmittags kämpfe ich mich durch Wind und Regen bis zum Museum für moderne Kunst, das wie viele Museen in Neuseeland keinen Eintritt kostet. Schade, dass ich nicht fotografieren darf ….
Später stöbere ich ein bisschen durch die Boutiquen, die gibt’s hier schön und viel. Könnt mal was Neues gebrauchen. Nach fünf Monaten Immer-nur-die-gleichen-drei-Teile-anhaben sieht alles etwas …. nun ja …. schäbig aus. Andererseits ist es so auch ganz entspannt: die Frage, was ich heute anziehe, stellt sich für mich momentan nicht so 😉
Und ich geh früh ins Bett, bin so müde. Leider wird die nächste Nacht auch nicht besser. Es gibt zwei Heimkehrerinnen, die um zwölf wieder da sind, die vierte im Zimmer kommt sehr angeschlagen um halb fünf zurück. Seufz.
Am nächsten Morgen spaziere ich in den sehr schönen Botanischen Garten und lasse mich einfach ein bisschen treiben.
Besonders gut gefällt mir der Lady-Norden-Rose-Garden ( allein dieser Name ist doch schon klasse…. ).


Meine Lieblingsrose ist auch dabei:
Im Gewächshaus nebenan gibt’s eine andere Art von Rose 😉
Auf dem Weg zurück in die Innenstadt komme ich durch den Bolton Street Memorial Park, der eigentlich ein alter Friedhof ist. Roger hat mir in Auckland mal erklärt, dass die Neuseeländer viel Platz haben, und es keine Notwendigkeit gibt, die Grabstellen wie bei uns nach einigen Jahrzehnten neu zu vergeben. Ich mag alte Friedhöfe unheimlich gerne, und finde viele uralte Grabsteine aus dem 19. Jahrhundert. 



Auckland find ich schon sehr schön, Wellington gefällt mir noch besser. Auckland ist elegant, sehr modern und weltstädtisch. Wellington ist klein und gemütlich, dabei ein bisschen durcheinander. Ich fühle mich total wohl und kann das Unterwegssein und mein Michtreibenlassen absolut entspannt genießen.
Abends gehe ich zum Tango, auch das ist höchstens zehn Gehminuten von meiner Jugendherberge entfernt. Die Milonga ist schön, und ich komme viel und auch richtig gut zum Tanzen. Beschwingt geht’s zur Herberge zurück, dort gibt’s mit Roland aus Heidelberg noch ein Glas Wein. In dieser Jugendherberge gibt es viele ältere Leute, auch viele Deutsche. Wir „Alten“ zwinkern uns wie aus einem Geheimbund stammend zu, und sich kennenzulernen ist nicht sehr schwer. Manchmal ist es schon fast unmöglich, mal in Ruhe eine Mail zu schreiben ….
Am 23.01. hol ich mir ein Tagesticket, mit dem kann ich den ganzen Tag auf bestimmten Strecken Zug fahren. Ich möchte mir Küste nördlich von Wellington anschauen. Und hier steige ich aus:
Der Ort besteht aus ein, zwei Straßen und gaaaaaaaaanz viel wildem Ozean

Ich mache einen langen Strandspaziergang und bin total glücklich. So viel Weite! Später fahre ich noch zwei Orte weiter, nach Waikanae. Da gibt’s ein bisschen mehr Ort, jede Menge Rentner und einen unglaublichen Strand.
Nur die Insel Kapiti im Hintergrund stört ein bisschen das Juist-Feeling 😉
Es gibt hier so viele tolle ( menschenleere ) Strände! Und das kann man vom Zug aus sehen:

Abends holen mich Karin und Nadja mal wieder ab – wir wollen hoch in den Botanischen Garten, dort gibt es Live – Musik. Leider finden wir die Cable-car Haltestelle lange nicht und kommen reichlich spät oder genau genommen gar nicht an.
Wir fahren mit der Bahn hoch, hören vom weiten die Musik und bleiben einfach dort, wo wir sind. Nadia spendiert ne Flasche Birnen – Cidre, es gibt viel Geblödel und jede Menge Mücken. Die beiden sind ehemalige Managerinnen aus dem Personalbereich, die ihren Job geschmissen haben, weil er nicht mehr gut tat. In vier Monaten Australien und Neuseeland wollen sie Abstand bekommen und sich später neu orientieren. Schade, dass die beiden morgen weiter reisen!
Das mit dem Cidre ist übrigens ganz doll verboten, Wellington hat ein Alkoholproblem:
Aber uns hat keiner erwischt 😉
Freitag bummele ich ein bisschen durch die Innenstadt, bin aber am Schwächeln ( der viele schlechte Schlaf ) und brauche eine Siesta. Abends steht wieder Tango auf meinem Programm. Heute ist es eher eine Praktica, ein Übungsabend. Wieder ganz in meiner Nähe und wieder absolut nett und total lustig.
Und jetzt gibt es nur noch zwei Tage Wellington, das ist nicht viel …..
Neuseeland gefällt mir so sehr. Heute habe ich mich bei dem Gedanken ertappt, dass ich hier leben könnte ( wenn ich denn irgendwo anders als in Bremen leben wollte – was ich nicht will ). Es ist nicht nur entspannt, herzlich und sicher hier, sondern einfach schön.
Montag morgen geht meine Fähre auf die Südinsel. Bei gutem Wetter ( das ist wieder ein anderes Thema …. ) muss die Fahrt durch die Fjorde ein Traum sein. Ich bin so gespannt!

Hallo Sabine, das klingt ja wirklich toll was du aus NZ berichtest. Natürlich Google ich weiterhin, hoffe auch dich mal zu sichten, am Strand rumliegend oder auf einer Milonga. Aber, aber, nichts von dir zu sehen. Vielleicht klapp es ja wenn du auf der Südinsel ankommst. Ich geh schon mal zum Fähranleger……….
Viel spaß bei der tollen Fahrt durch die Fjorde…, ich habe Wellington bisher ja bisher immer nur hektisch beim Weg zur Fähre erlebt, aber diesmal werde ich auch einige Tage dort verbringen – übrigens auch in der Jugendherberge.
Man ertappt sich schnell bei dem Gedanken seeehr viel Zeit in NZ verbringen zu wollen, ähäm, also – wenn nicht gerade in HB natürlich.
Geniesse die „warmen“ Temperaturen, hier waren es heute morgen -11°C! Musste das jetzt noch sein?!
Ja, ist alles so entspannt hier 🙂 Leider ist das Wetter seit heute Mittag nicht so berauschend, hoffe, dass ich auf der Fahrt morgen was zu sehen kriege! Lieben Gruß in die Kälte!
Hi Sabine,
Du kannst dich auf die Überfahrt freuen! Es ist absolut traumhaft und geradezu malerisch, wenn die Sonne auf die Hügel und das Meer glitzert! Der Wind hat allerdings ordentlich geblasen – also zieh dich schön warm an und Augen auf: es sind momentan Orkas in der Bucht. 🙂
Ihr habt aber auch eine tollen Tag für die Fähre erwischt!
Hey liebe Eva, es wird dir gefallen! Hoffentlich geht’s dir inzwischen besser! Wir sehen uns auf der Südinsel, bis bald!
welly, willy walli wully :)…ich lande am 2.2. dort! Und werde dann erstmal einen Monat die Südinsel abklappern. Schön dass es Dir gut geht. Liegt sicher an dem Land 😉
LgggEva