Sonntag, 02.02., bewandere ich an einem schönen Hochsommertag Nelsons Hausberg – viereinhalb Stunden meist stramm bergauf oder bergab, schöne Aussichten und gelegentliche Pausen eingeschlossen. Nett ist es. Und: ich treffe niemanden. Man muss in Neuseeland einfach weniger populäre Sachen machen, um die Natur für sich zu haben ……..


Die Belohnung gibt es hier:
Ein stinkefeines, aber sehr schönes Restaurant, gelegen in einer wunderbaren Gartenanlage. Unter den Sonnenschirmen sitzen sehr aufrecht großbehütete Damen und nippen an ihrem Tee. Ich bin dreckig und verschwitzt, werde aber trotzdem sehr freundlich bedient.
Montag, 03.02. bin ich viel mit organisieren beschäftigt. Ich möchte meinen Aufenthalt im Abel Tasman Nationalpark planen ( wie hinkommen, wo übernachten, wie passt es zeitlich mit der Strecke, die nur bei Niedrigwasser geht ) mein Hauptgepäck aber in meinem schönen Hostel in Nelson lassen ( schwierig, weil es da klein und eng ist ). Dort möchte ich dann wieder für ein, zwei Nächte wohnen ( schwierig, weil immer ausgebucht ). Ich muss jetzt schon klären, wo ich anschließend hinfahren möchte und die entsprechende Busfahrt und Unterkunft reservieren ( schwierig, weil oft ausgebucht ). Und alle Buchungen müssen zueinander passen …… manchmal ist das Leben als Reisende etwas stressig 😉
Den Nachmittag verbringe ich mit Uschi im Queens Park, den Abend mit ihr und vielen anderen Menschen im Hostel. Ich schreibe mir Tipps für Neuseeland und für Bali auf, rede viel, höre noch mehr zu und verbringe einen sehr netten Abend. Trotzdem freue ich mich total darauf, die nächsten beiden Tage allein mit mir und der Natur ( ääähmja …… siehe unten ) im Nationalpark unterwegs zu sein.
Am Dienstag werde ich morgens kurz vor acht abgeholt und zum Wassertaxi gebracht. Das Wetter ist ….. achnee. grau, kalt, nieselig, besorgniserregend.
Den gab es vom Schiff aus zu sehen:
Und so sieht es aus, wenn man nicht in die erste Reihe drängelt:
In Kaiteriteri müssen alle Passagiere das Boot wechseln, und nach zwei Stunden Fahrt werde ich mit ein paar anderen in der Medlands Bay „ausgesetzt“. Der Skipper erkundigt sich, ob ich Regensachen dabei habe ……
Meine Laune ist so mitteltoll. Das Wetter ist seit vielen Tagen so wunderbar …. warum muss es ausgerechnet jetzt ….. ich möchte nicht im Nieselregen durch den Wald glitschen, frieren und nass sein …..
Was für ein Glück: am späten Vormittag reißt entgegen aller Vorhersagen der Himmel auf, und ich habe zwei Tage lang nur das aller, allerschönste Wetter 🙂 Ich hab vorher schon gelesen, dass man sich in Neuseeland auf vieles verlassen kann, nur nicht auf die Wettervorhersagen. In diesem Fall: gut so! 🙂
Ich freue mich, dass ich heute nicht irgend wo abgeholt werde und das Gefühl habe, mich beeilen zu müssen, sondern trödeln kann und auch für die kleinen Dinge viel Zeit habe ….
Ich laufe los, mein Rucksack ist schwerer als gewöhnlich. Übernachtungssachen, Wasser für einen Tag und Essen für zwei Tage müssen mit. Sonnencreme, Mückenmittel, Sonnenhut, Badesachen undundund ……. die Landschaft ist traumwunderschön. Mein Tagesziel heißt Awaroa, das je nach Angabe zwischen 9 und 15 km entfernt liegt. Es geht im Wald hoch und runter, manchmal auch ein Stück am Strand entlang. Die Buchten heißen Sandfly- und Mosquitobay und lassen Böses ahnen ……


Seit Patagonien bin ich absolut hängebrückendesensibilisiert …..

Mittags um drei kann ich schon in der Backpackerabteilung der Peppers Awarowa Lodge einchecken. Die Lodge selber ist teuer und mit allem Schick und Mick bestückt, einschließlich Luxusrestaurant, Pizzabude und Flugzeuglandebahn ( hä …. ich dachte, ich bin im Nationalpark? ). Ich komme in einen riesigen Achterdorm ganz für mich alleine unter und brauch fürs erste Ankommen erst einmal einen Cappuchino im hauseigenen Cafe …..
Später geht’s an den Strand, den ich, da Übernachtungsgast, erst bei Hochwasser und am Abend bei Niedrigwasser und ohne einen Menschen weit und breit genießen darf. Und sehr genieße! Der Abel Tasman-Track ist der meistbesuchte der neun Great Walks in Neuseeland. Was das heißt, merke ich jetzt. Manchmal ist es schwierig, Fotos ohne Menschen zu machen, überall hört man Deutsch. Manchmal bleibe ich ein paar Minuten stehen, um den Abstand zu „Vorgängern“ zu vergrößern, und manchmal bin ich ganz genervt. Seit diesem Tag weiß ich auch, was Sandfliegen sind und warum Andere völlig zerstochenen Beine haben ……
Trotzdem: Es ist unheimlich schön hier!
Gleiche Ansicht bei Niedrigwasser ……






Abends gehe ich das erste Mal in Neuseeland essen – die Pizzabude ist heute Abend meine! Ich lese Chickenpizza und bestelle voller Vorfreude …. muss leider mal wieder feststellen: wer lesen kann, ist klar im Vorteil 🙂 statt einer Chickenpizza habe ich mir eine Pizza mit Chicken, Cranberrys und Brie bestellt … ochneee, ich hasse Brie. Schmeckt dann doch ganz gut, ist aber unheimlich (!) fett und hat mindestens 500000 Kalorien …..
Die Nacht … naja. Ich wohn ziemlich allein im Wald. Ohne einen Menschen in direkter Umgebung, aber mit eigener Terrasse und Blick ins Grüne.
Um elf wird das Stromaggregat abgestellt, es ist stockfinster. Mein Dorm ist nicht gerade sehr wohnlich, und ich gebe zu: in diesem Falle wär ich ganz froh, wenn ich ein paar schnarchende Mitreisende in meiner Nähe hätte …. besonders, als es nachts mal ziemlich kracht. Keine Ahnung, was das ist. Wie schon öfter mal auf meiner Reise, tu ich so, als ob ich keine Angst habe. Funktioniert, jedenfalls im Ansatz, ganz gut.
Mein Handy weckt mich gegen sieben, jetzt muss ich meinen Krempel packen, auschecken und schnell losgehen. Es ist Niedrigwasser, das brauche ich für die erste Wanderstrecke.
Ganz wasserfrei ist der Weg nicht, hier heißt es Hose ausziehen und durchwaten ….
Die Strecke bis nach Totaranui, wo ich am späten Mittag vom Wassertaxi wieder aufgelesen werde, ist leider ziemlich kurz, aber wunderschön. An manchen Stellen hab ich dann doch ein wenig mit meiner Höhen….unbehaglichkeit zu tun : der Weg ist 30 cm breit, rechts gehts steil bergab.
Ich wandere durch wunderschönen Regenwald und tolle Buchten …..

Niemals wirklich alleine, aber an der Stränden verteilen sich die vielen Menschen ganz gut …..
Am frühen Mittag komme ich in Totaranui an und jetzt muss es endlich sein: das erste Mal Baden in Neuseeland 🙂 Tut gut!
An diesem wundertollen und sehr langen Strand gibt es einen großen Campingplatz, eine Straßenzufahrt, ein Informationszentrum, viele Wassertaxis und noch mehr Menschen …… ähhhhh – Nationalpark?
Ich warte ein Weilchen auf mein Boot und schlaf erst mal was am Strand ein. Ich bin doch ganz schön müde! Abends bin ich wieder im Hostel, ganz kaputt und ohne Lust, zu sprechen. Schaffe es gerade noch, meine Wäsche zu waschen und zu trocknen und bin um halb zehn im Bett …..
Für meine Hostelanfragen ab Freitag hab ich schon die zweite Absage bekommen ….. seufz. Dumm, vor allem weil es in diesem Ort nur diese beiden Hostels gibt. So heißt es Nelson verlängern ( das geht nur mit Matratze auf dem Fußboden, aber es geht – die sind so lieb hier! ….. ), den Bus umbuchen und die erste Nacht in Punakaiki in einem teuren Doppelzimmer verbringen. So bleib ich eben bis Samstag in Nelson ….. was solls, ist doch schön hier!
Donnerstag muss ich mir ein paar Sachen besorgen, zum Glück machen die meisten Geschäfte trotz des Nationalfeiertages irgendwann mal auf. Nachmittags gibt’s eine Milonga im Cafe Berlin – endlich wieder Tangotanzen! Heute bin ich ein bisschen aufgeregt, es wird aber wie immer sehr nett.
Nun bleibt ein unerwarteter Tag in Nelson, den ich für eine größere Radtour nutzen möchte. Samstag geht’s dann endlich weiter ….. die Wettervorhersage sagt: Sonnenschein an der Westküste ( ääähmja …… siehe oben! ) !!

Moin Sabine,
nun bin ich schon seit einer Woche in Neuseeland und schreibe Dir erst jetzt. Schande über mich! Ich bin noch bis Mittwoch in Coromandel Town. Sitze gerade noch auf meiner Terrasse und trinke Kaffee bevor ich gleich aufs Fahrrad steige und Kauribäume gucken gehe. Es ist total heiß hier. Die Sonne brennt, nur ein bisschen Wind vom Meer bringt ein wenig Abkühlung. ich hoffe, dass 50er Sonnencreme reicht. Mal sehen wie lange ich unterwegs sein werde.
Auf die Südinsel komme ich ja erst am 20. Februar. Ganz gegen meine sonstigen Reisen habe ich schon alles vorgebucht – Hostel (Einzelzimmer), Bus, Flug nach Christchurch.
Wo bist Du inzwischen angekommen?
Herzliche Grüße
Herbert
Moin Herbert, heute bin ich in Franz Josef, übermorgen geht’s dann weiter gen Wanaka und Queenstown. Vielleicht passt irgendwo mal ein gemeinsames Bierchen…. erst einmal ganz viel Spaß! Nach Coromandel komme ich erst am Ende meiner Neuseelandzeit. Viele Grüße!
Liebe BineKah, was gabs mehr? Austernfischer oder Touristen?
Wir sind den Mengen (letzterer) ausgewichen und gannz nach oben gefahren und dann noch weiter nördlich gelaufen. Auf die Idee war glücklicherweise sonst tatsächlich niemand gekommen, Zeltplatz für uns alleine!
Ich war damals auch sehr von Sandflies zerstochen – gemein, die anderen gar nicht. Erschwerend kommt vielleicht hinzu, dass ich die Tierchen wg. ihrer Größe bzw. Kleine nicht so richtig ernst genommen habe – das haben sie ausgenutzt!
Bei mir nimtm das Lampenfieber zu. Etwas mehr als eine Woche und ich bin auch auf dem Weg nach NZ. Juhu!
Liebe Claudia, beides gab es ausreichend 🙂 Aber ich wollte nicht nörgeln, am Abend hatte ich den supertollen Strand ja auch wirklich für mich ganz alleine! Freu mich, dass du auch bald los kannst!