Am 19.02. muss ich morgens früh raus, um den Bus nach Dunedin zu bekommen. Zum Abschied gibt es das – ist das nicht toll?
Auch während der Busfahrt gibt es ein paar feine Nebelmotive – in solchen Momenten wäre es wirklich viel schöner, mit dem eigenen Wagen unterwegs zu sein, um jederzeit Fotopausen ( und gute Fotos ) machen zu können. Dafür kann ich während der Fahrt einfach aus dem Fenster sehen und träumen …..
Gegen Mittag komme ich in Dunedin an. Der erste Blick überzeugt nicht besonders. Auch die Tatsache, dass der Bus nur am Depot hält, das in einem Gewerbegebiet und wirklich alles andere als in der Innenstadt liegt, ist nervig. Hey, in Franz Josef hat der Busfahrer alle zu ihrem jeweiligen Hostel gebracht, hier könnte es doch wenigstens einen Stopp im Zentrum geben.
Dunedin hat gut 100 000 Einwohner, und im Gegensatz zu anderen neuseeländischen Städten kommt mir alles etwas heruntergekommen vor. Ich habe das erste Mal in diesem Land das Bedürfnis, etwas besser auf meine Sachen aufzupassen. Später höre ich, dass die Arbeitslosenquote unheimlich hoch ist und es vielen Einwohnern nicht besonders gut geht.
Die Straße, in der mein Hostel liegt, heißt High Street. Das lässt mich Böses ahnen und genau so kommt es auch ….. hier geht’s echt steil bergauf. Seufz. Irgendwann habe ich mit Koffer, Umhängetasche und Kühltasche den langen Weg und auch das letzte Stück den Berg hinauf geschafft.
Mein Hostel ist nicht überwältigend, aber ich hab ein kleines, sehr ruhiges Einzelzimmer weit ab vom Schuss und kann endlich mal wieder richtig gut und lange (!) schlafen.
Nachmittag möchte ich den nächsten Supermarkt suchen, einen ersten Blick auf die Stadt werfen und im Infocenter eine Tour auf die vorgelagerte Halbinsel Otago buchen. Und: meinen Tangoabend planen. Laut Internet gibt es eine Praktica, aber leider ganz am anderen Ende der Stadt – wie komme ich da nur hin? Kurzentschlossen rufe ich eine der angegebenen Kontaktnummern an ( hey, ich telefonier mit fremden Menschen auf ENGLISCH !!! ) und spreche mit Alison. Sie fragt kurz, wo ich wohne und bietet mir sofort an, mich abends abzuholen.
Wow. Ich bekomme hier so viele Lehrstunden in Gastfreundlichkeit. Hoffentlich weiß ich das Zuhause noch und kann die viele Freundlichkeit, der ich auf meiner Reise begegne, auch weitergeben….
Alison und ihr Mann Mark holen mich nicht nur ab, sondern bringen mich selbstverständlich auch zurück. Auf dem Rückweg machen sie eine kleine Stadtrundfahrt mit mir, und Alison erzählt, dass mein Hostel ganz früher die Frauenklinik war, in der sie geboren wurde. Was für ein lustiger Zufall!
Die Tangopraktica ist nett. Ich werde herzlich begrüßt und viel zum Tanzen geholt – und ich kenne zwei der Tänzer schon aus Wellington. Die Tangoszene in Neuseeland ist wirklich sehr übersichtlich. Zu Besuch ist auch eine andere Deutsche, die in Buenos Aires lebt und zusammen mit ihrem argentinischen Mann gekommen ist, um ihre Schwester zu besuchen – da kann ich endlich mal wieder Spanisch sprechen, das mag ich!
Getanzt wird in einem Gemeindessaal – etwas voller ist es später noch geworden.
Am 20.02. wache ich sehr spät und bei bestem Wetter auf …… und stehe trotz Sonnenschein nur mal kurz auf, um mir Frühstück zu machen. Ich genieße den Gammeltag in meinem Zimmer ( also im Bett … ) und schaffe es gerade so, um drei Uhr startklar zu sein – dann werde ich für die Tour abgeholt. Und die wird genial!
Die Peninsula ist unglaublich schön, das Wetter passt – ich bin hin und weg!


Wir sind aber nicht unterwegs, um die schöne Landschaft zu beobachten, wir wollen besondere Tiere sehen. Albatrosse, die sehr seltenen Gelbaugenpinguine und Seelöwen soll man hier wunderbar beobachten können – leider ist das Wetter zwar herrlich, aber für die Tierbeobachtungen eher schwierig. Albatrosse fliegen bei Wind ( wir haben keinen ), Pinguine mögen es nicht so warm ( wir haben 25 Grad ). Nun ja. Wenigstens Schafe bekommt man bei jeder Wetterlage und überall zu sehen 🙂
Schwarze Schwäne auch – die sieht man hier recht oft :
Die erste Station ist der Albatrossfelsen – und ja, zumindest einer dreht immer wieder seine Runden. das sieht schon sehr, sehr toll aus. Leider ist entweder Kamera oder Fotografin zu schwerfällig, um davon ein Foto zu machen. Schade!
Später geht’s zu den Felsen, an denen unglaublich viele Robben und Seelöwen liegen. Manche vergnügen sich in natürlichen Bassins, und es ist immer wieder schön, diese Tiere zu beobachten ( auch wenn Galapagos einzigartig war und nicht zu toppen ist )

Gegen Abend zieht geheimnisvoller Nebel auf. Wir fahren mit dem Kleinbus eine Weile auf privatem Gelände, steigen irgendwo im Nirgendwo aus und wandern zu einem abgelegenem Strand. Und da steht plötzlich einer der seltenen, ziemlich großen Gelbaugenpinguine. Tagsüber sind sie im Wasser, um zu jagen, abends kommen sie zum Schlafen an Land. Hier bevorzugen sie feste Plätze im küstennahen Wald. Ich freu mich so, ich habe noch nie einen Pinguin in freier Natur gesehen!
Wir laufen über den Strand und haben eine etwas unheimliche Begegnung mit einem großen Seelöwen, der uns beängstigend nahe kommt. Der Guide erklärt, dass Seelöwen erstaunlich schnell anlaufen können. Ganz ehrlich – ich bin froh, als er abdreht und wieder im Wasser verschwindet ….
Dann beziehen wir unseren Pinguinbeobachtungsposten und warten auf die Pinguine, die zum Schlafen an Land kommen. Unsere kleine Gruppe ist plötzlich ganz leise, fast andächtig …….
Auf der Tour lerne ich Kerstin kennen, mal keine Lehrerin, aber auch auf Weltreise. Wir verstehen uns gut und verabreden uns locker für den übernächsten Tag. Abends um zehn bin ich wieder im Hostel, müde, aber total erfüllt von dem wunderschönen Tag.
Am nächsten Tag möchte ich die Stadt erkunden. Also, besonders schön ist sie nicht ….
Ich schau mir den Bahnhof an, der das meistfotografierte Gebäude in Neuseeland sein soll ( ja, ich weiß, das Foto wäre besser, wenn der Turm ganz auf dem Bild wäre )
Dunedin hat 20 000 Studenten. Es gibt viele Cafés, Kneipen und kleine Läden, manches erinnert mich an das Bremer Viertel.
Statt Art Gallery und anderer sicher schöner Museen ( die hier alle umsonst sind! ) bleibe ich in einer Boutique hängen, was leider nicht ganz umsonst ist …..
Später schau ich mir noch den botanischen Garten an, der wirklich schön ist und latsche ein elend langes Stück zur steilsten Straße der Welt, der Baldwin Street ( 35% Gefälle ). Heute bin ich total faul – ich habe einfach keine Lust auf diesen Berg und darauf, eine brave Touristin zu sein. So mach ich ein zugegeben wenig spektakuläres Foto von unten und fahre mit dem Bus zurück ins Zentrum.
Samstag morgen treffe ich mich mit Kerstin. Wir gehen zusammen auf den Markt und beschließen später, noch einmal ( diesmal mit Kerstins Auto ) auf die Halbinsel zu fahren. Es war einfach zu schön dort! Das ist die Sandfly Bay, die nicht wegen der Sandfliegen so heißt, sondern wegen des fliegenden Sandes – es ist eine recht windige Ecke, aber traumhaft schön!
Zum Strand gibt es einen tollen Abstieg ( sehr steil! ) durch tiefen Dünensand.

Später fahren wir noch einmal zum Albatrossfelsen und buchen diesmal eine Führung im angrenzende Albatrosszentrum. Dabei hat man die Möglichkeit, auf die andere Seite des Felsens zu schauen:
Wir sehen brütende Albatrosse, ein Küken, jugendliche Albatrosse und viele, die in der Luft ihre Kreise drehen – wie schön! Leider gibt es auch diesmal kein richtig tolles Bild …..
Abends wird mal wieder gepackt, morgen geht’s nach Christchurch. Dort soll es eher deprimierend sein …..
Ach, Hasi ist natürlich auch immer noch dabei:
Und in den Supermärkten hast es auch ganz enorm ….. 

Hallo Sabine,
einen schönen Blog hast Du hier! Und so aktuell… – da muss ich mir ne Scheibe von abschneiden 😉 Es ist schön, dass wir uns kennengelernt haben und ich wünsche Dir noch eine superschöne Reise um die Welt!
Liebe Grüße,
Kerstin
Liebe Kerstin, ja normalerweise bin ich echt auf Stand! Diesmal ( Christchurch und Akaroa ) werde ich es aber zum ersten Mal nicht vor meiner Abreise schaffen ….. das Internet hier ist eine Katastrophe. Christchurch schockiert mich trotz deiner Vorwarnung so sehr, dass ich ein, zwei Tage darüber nachdenken möchte, was ich überhaupt schreiben will. Deinen Blog habe ich mir auch schon angeschaut, auch schön! Ja, schön, dass wir uns getroffen haben, schade, dass es nur so kurz war. Eine tolle weiterreise für dich – ich werde dich virtuell begleiten! Liebe Grüße Sabine
Liebe Sabine,
kennst du noch die Freude über die ersten Schneeglöckchen, weißt du noch wie Krokusse aussehen, wie sich das Erstaunen über den ersten Zitronenfalter anfühlt, ein Bordeaux im Caracol schmeckt und die ersten Tangoklänge Freitagabend in der Kantine uns magisch auf die Tanzfläche ziehen?????????? Es ist alles noch da und entbehrt in seiner Normalität nichts an Exiotik.
Genieße deine Zeit, wir warten auf dich…. übrigens auf der nördliche Halbkugel, falls du dich verfliegen solltest.
Margit
Liebe Margit, ich freu mich auf euch, den Bordeaux im Caracol ( hier gibt’s aber auch fantastische Weine! ) und viele, viele Tangoklänge!!! Ab jetzt reise ich nur noch nach oben und ein bisschen links, da sollte ich doch irgendwann ankommen. Bis bald! Sabine
P.S.: was war jetzt noch mal ein Schneeglöckchen?
Hallo Sabine, da bin ich wieder. ………..Pinguin in freier Natur gesehen! ??? Wir haben Fasching, und da kommt mir so ein Gedanke. Bis du’s !
Schön deine Berichte zu lesen. Immer wieder erfrischend. Ich bin auch immer wieder Erstaunt, wo man überall Tango tanzen kann. Es ist schon irre.
Wenn du nun sooooo viele gute Tänzer auf der ganzen Welt „getanzt“ hast, meinst es besteht eine kleine Chance, das du auch noch mal mit mir in den Tango eintauchst ?
Liebe Grüße aus dem Steintor.
Lieber Claus, freue mich auf Bremer Tango ( den besten von Welt!!!! ) und natürlich auch auf Tango mit Claus!