Am 23.02. muss ich morgens sehr früh raus, um mich wieder auf den langen Marsch zur Bushaltestelle zu machen. In der Nacht hat es ununterbrochen gegossen, jetzt ist es so kalt, dass ich Handschuhe gut gebrauchen könnte. Boah, was ungemütlich!
Nach sechs Stunden Fahrt komme ich in Christchurch ( 340 000 Einwohner ) an. An der Endstation sieht es so aus wie in einem heruntergekommenen Gewerbegebiet weit außerhalb. Das soll das Zentrum sein??
Margit, vor ein paar Tagen hast du mich gefragt, ob man in Christchurch noch etwas von dem schrecklichen Erdbeben vom Februar 2011 sieht. Damals sind 180 Menschen ums Leben gekommen. Es ist nicht so, dass man noch ETWAS sieht ….. ALLES sieht so aus, als wäre es erst vor kurzem passiert. Obwohl mir schon verschiedentlich berichtet wurde, wie deprimierend der Anblick ist, bin ich schockiert. Ganze Straßenzüge stehen leer, die Häuser verfallen immer mehr. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt, Fassaden notdürftig abgestützt. Überall gibt es Absperrungen und „Betreten verboten“ Schilder. Unglaublich.



Ich bringe meine Sachen schnell ins Hostel und mache mich gleich wieder auf den Weg, um die Innenstadt zu erkunden. Als erstes gehe ich aber ins nächste I-site, um eine Busfahrt für morgen ins 80 Kilometer entfernte Akaroa zu buchen – auf keinen Fall möchte ich den kompletten nächsten Tag in Christchurch verbringen müssen.





Es gibt das Containerviertel ….. ein Straßenzug, in dem einfach viele bunte Container aufeinander gestapelt wurden – hier sind jetzt Cafés und Geschäfte beheimatet. Das sieht nett aus und ist wohl einmalig.
Ich gehe in eine Erdbebenausstellung, in der man vieles zu diesem Thema allgemein und den Ereignissen vom 22.02.2011 erfahren kann.

In meinem Hostel wohnen längerfristig viele junge Backpacker ( die meisten kommen aus Deutschland ), die hier auf den verschiedenen Baustellen arbeiten. Außerdem treffe ich einen österreichischen Bauingenieur, der bei Tekapo gearbeitet hat und jetzt noch ein bisschen herumreist. Es ergeben sich interessante Gespräche. Allen stellt sich die Frage, warum Christchurch nach drei Jahren noch SO aussieht. Der Bauingenieur erzählt, dass hier Gerätschaften und Know-how fehlen. Die Jungs vom Bau berichten, wie wenig effizient gearbeitet wird. Und von einem Gespräch aus Dunedin weiß ich, dass viele Versicherungen noch gar nicht gezahlt haben – d.h. die Menschen haben einfach kein Geld, um etwas machen zu lassen ( und wenn sie es hätten, würden sie wohl keine Firma finden, die Termine frei hat – die ganze Stadt ist ja eine Baustelle )
Interessanterweise gefällt es denen, die länger in dieser Stadt bleiben, gut hier. Vielleicht muss man mehr als ein, zwei Tage bleiben, um das Schöne sehen zu können. Christchurch gibt sich viel Mühe, die Innenstadt trotz alledem zu gestalten und viele besondere Aktionen zu planen. Von Aufbruchstimmung ist die Rede ….. um das zu spüren, bin ich nicht lange genug da und vielleicht auch zu geschockt.
Besonders berührt mich die Installation von einem Künstler in der Madras Street. Hier sind 180 ganz verschiedene weiße, leere Stühle aufgestellt. Für jeden Toten einen. Da es gestern vor drei Jahren passiert ist, ist jeder Stuhl ( Babyschale, Rollstuhl, Hocker …. ) mit einer einzelnen roten Nelke geschmückt.


Ich frage mich, wie die Einwohner in dieser deprimierenden Stadt weiterleben können ( alle konnten es nicht … ungefähr 20 000 haben die Stadt verlassen ). Und wie lebt man mit der ständigen Gefahr neuer Erdbeben?
Ich finde die Christchurch schrecklich und fühle mich absolut unwohl. Auch das Wetter passt zum traurigen Gesamteindruck, es gibt Gewitter und sintflutartige Regenfälle.
So bin ich froh, dass ich für den nächsten Tag die Busfahrt nach Akaroa gebucht habe. Akaroa hat französische Wurzeln, ist wohltuend hübsch und liegt sehr nett auf der vorgelagerten Halbinsel Banks. Ich erwische fantastisches Wetter und habe einen wirklich feinen Tag. Ich wandere auf den nahegelegenen Berg, um mir mal wieder einen Überblick zu verschaffen. ( das wird mir zu Hause sehr fehlen! ) Was für ein wunderwunderwunderschönes Land!



Auf dem alten Friedhof sind bei dem Erdbeben viele Grabsteine umgefallen, Warnschilder rufen zu besonderer Vorsicht auf. Auch hier stellt sich die Frage: warum bleiben die Grabsteine einfach liegen? Warum werden sie nicht hergerichtet?
Auf der Rückfahrt machen wir diesmal ein Käsekaufbreak und ein Strandbreak ….. hatte ich eigentlich schon mal erwähnt, dass Käse hier entweder nach nichts schmeckt oder unglaublich teuer ist?

Gegen Abend bin ich zurück im Hostel, packe, esse, unterhalte mich. Wieder und wieder ist die Situation in Christchurch Thema. Die Stadt berührt.
Ich bin froh, morgen weiterreisen zu können. Vier Tage Tekapo, schöne Natur, viel Wandern und ganz viel ( Einzelzimmer ) Ruhe stehen auf meinem Programm. Christchurch werde ich nur noch einmal kurz streifen – in ein paar Tagen muss ich dort meinen Flug zurück nach Nelson erwischen.

Weisst du eigentlich, dass man Frau Ka als Mary Poppins verkleidet zur Zeit oft in der Zeitung als Werbung für den Film über Walt Disney sieht? So weiss ich doch endlich, woher du die tolle Verkleidung hast ……….
ne, das wußte ich nicht …. bin ich jetzt so eine Art Fotomodell??? 🙂
Hab endlich mal wieder auf deinen Reisebericht geguckt (nachdem ich in meiner neuen Wohnung jetzt endlich wieder Internet habe), wirklich toll, freue mich total, dich bald in einer wirklich ganz anderen Welt auf Bali zu treffen.
lieben Gruß von Corla
Liebe Corla, ich freu mich auch schon, dauert ja auch nicht mehr lange – ich krieg bestimmt nach so viel Neuseeland voll den Kulturschock 😉